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Die Beduinen machen es vor: weite Kleidung, durch die der Wind fahren kann, kann schon für Abkühlung sorgen. Wer dann noch ein Body-Spray dabei hat, ist für den Sommer gerüstet. Quelle: dpa

Von Beduinen und Bassins: Was hilft am besten bei Hitze?

Heiße Saharaluft bringt Deutschland ins Schwitzen – und die Gerüchte zum Kochen: „Das gibt auf jeden Fall hitzefrei!“; „Dank Ventilator bleibt die Bude kühl.“ Was ist dran an solchen Aussagen? Außerdem: Mit diesen Gadgets kommen Sie cool durch die heißen Tage.

Berlin. Es ist Sommer. Die Sonne scheint und die Temperaturen steigen. Und mit den sommerlichen Hitzewellen kommen – wie jedes Jahr – dieselben Fragen auf: Was bringt Abkühlung? Wie kann man sich schützen? Ein Faktencheck:

Mittags – Wirklich die heißeste Zeit des Tages?

Die Sonne steht um die Mittagszeit am höchsten und gibt die stärkste Strahlung ab. Die Lufttemperatur erreicht ihr Maximum aber erst mit einigen Stunden Verzögerung. Erst wenn die Erdoberfläche soweit aufgeheizt ist, dass auch Straßen, Dächer und andere Objekte wieder Wärme abgeben, entstehen nach Aussage von Wetterexperten die Höchstwerte des Tages.

Höchststand der Sonne: Erst nach 13 Uhr

Hinzu kommt, dass der Höchststand der Sonne in Deutschland nicht um 12 Uhr mittags erreicht wird, sondern wegen der Sommerzeit nicht vor 13 Uhr. So ist es beispielsweise in Görlitz, am östlichsten Zipfel Deutschlands. Die Stadt liegt genau auf dem 15. Längengrad, sie ist deshalb idealtypisch für die Berechnung der „Normalzeit“ in Deutschland. In Aachen an der Westgrenze erreicht die Sonne Ende Juni erst mehr als eine halbe Stunde später, also gegen 13.40 Uhr, ihren Höchststand. Je nach Umgebung wird die höchste Temperatur deshalb erst am späteren Nachmittag zwischen 16 und 18 Uhr gemessen.

Übrigens: Wer einen kleinen Garten und nicht viel Platz hat, für den ist vielleicht ein Mini-Whirlpool eine gute Anschaffung. Diese Bassins sind recht klein im Durchmesser, bieten aber trotzdem Platz für bis zu vier Personen und garantieren einen Wohlfühlfaktor für Zuhause.

Hitzefrei? Temperaturen über 35 Grad

Es gibt kein „Hitzefrei-Gesetz“, dass eine Höchsttemperatur im Klassenzimmer oder am Arbeitsplatz vorschreiben würde. Die meisten Bundesländer haben die Entscheidung darüber, wann der Unterricht im Klassenzimmer nicht mehr zumutbar ist, an die einzelnen Schulen delegiert. Dort wird aber auch organisiert, dass Schüler und Lehrer gemeinsam an kühlere Orte wie Parks wechseln können oder Hausaufgaben entfallen.

Mehr dazu: Hitzefrei an Schulen – Wie heiß muss es dafür sein?

Übrigens: Auch kleine Tricks können manchmal schon sehr viel helfen. Ein Fächer zum Beispiel ist günstig und sorgt für Erfrischung.

Auch interessant: Hitze in der Wohnung: Das bringt Abkühlung

Im Büro: Keine Höchstgrenze bei Raumtemperatur

Im Beruf stehen die Chancen auf hitzefrei noch schlechter. Zwar muss der Arbeitgeber dafür sorgen, dass die Mitarbeiter im Job vor Gesundheitsgefahren geschützt sind. In den „Technischen Regeln für Arbeitsstätten“ wird zum Thema Raumtemperatur aber keine absolute Höchstgrenze genannt. Büros seien ab 35 Grad nicht als Arbeitsräume geeignet. Das gelte aber nur, wenn keine Kühlmaßnahmen ergriffen werden. Die Lufttemperatur in Arbeitsräumen „soll +26 °C nicht überschreiten“, geben die Experten im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums vor. Wenn es draußen noch wärmer wird, müssten Schutzmaßnahmen ergriffen werden – etwa mit Sonnenschutz-Systemen, einer Lockerung von Kleidungsvorschriften, Gleitzeitregelungen oder der Bereitstellung von Trinkwasser.

Übrigens: Wer es im Büro gar nicht mehr aushält, der sollte einmal ein Klimatuch ausprobieren. Das Tuch wird angefeuchtet um den Hals oder die Stirn getragen und sorgt so für bis zu 24 Stunden für Abkühlung.

Bei Hitze: Beduinen schützen sich mit dunkler Kleidung

Weiße Kleidung wirft das Sonnenlicht zurück, schwarze dagegen saugt es auf. Dennoch bevorzugen viele Wüstenbewohner in Nordafrika und dem Nahen Osten dunkle Gewänder. Israelische Forscher haben das schon 1980 genauer untersucht und Vergleichsmessungen mit Beduinen in der Negev-Wüste vorgenommen. Die Farbe der Gewänder machte kaum einen Unterschied, wohl aber der Schnitt. Denn die Beduinen tragen ihre Roben locker um den Körper – so kann zwischen den Lagen Luft hindurchströmen, die die Wärme abtransportiert und die Haut so kühlt. Probanden in eng sitzenden hellbraunen Uniformen oder kurzen Hosen wiesen dagegen höhere Hauttemperaturen auf.

Übrigens: Eincremen ist natürlich immer wichtig. Wer sich nicht sicher ist, sich ausreichend eingecremt zu haben, für den ist der UV-Licht Scanner „Sunscreenr“ hilfreich. Die Körperstellen, die nicht mit genug Sonnenschutz versorgt sind, werden von einer kleinen Kamera angezeigt.

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Kalt duschen – Hilfe bei hohen Temperaturen?

Durch das kalte Wasser geht die Körpertemperatur erstmal runter, das Gehirn bekommt ein Kältesignal. Die unter der Oberfläche gelegenen Blutgefäße ziehen sich zusammen, um Wärmeverlust zu verhindern. Nach der Dusche muss sich der Körper dann wieder auf die heiße Außentemperatur einstellen – die Gefäße reagieren mit verstärkter Schweißproduktion. Experten raten deshalb dazu, im Hochsommer nicht unter Körpertemperatur zu duschen.

Übrigens: Ein Bodyspray kann unterwegs für Abkühlung sorgen. Die Sprays sind handlich und auf Wunsch sogar mit feinen Aromen versehen.

Im Sommer: Besser warme als kalte Getränke trinken

Wie bei kalten Duschen wird mit Kaltgetränken der Stoffwechsel angeregt, der Körper reagiert auf den Kälteimpuls mit Wärmeproduktion. Am Ende fließt sogar mehr Schweiß, der Körper verliert die dringend benötigte Flüssigkeit, man hat mehr Durst – ein gefährlicher Kreislauf. Der menschliche Körper ist darauf eingerichtet, alle Speisen und Getränke an die durchschnittlich 36,7 Grad Körpertemperatur anzugleichen. Kaltes wird erwärmt, Heißes gekühlt – beides ist mit kleinen Anstrengungen verbunden. Hitzeprofis bevorzugen deshalb warme Getränke. Das zusätzliche Wärmesignal sorgt dafür, dass sie ständig – aber nur leicht – schwitzen, was zu Verdunstungskühle führt. Der in Nordafrika besonders beliebte Pfefferminztee hat zudem eine kühlende Wirkung.

Übrigens: Ein Eis kann natürlich trotzdem für Abkühlung sorgen – außerdem schmeckt es so gut. Wer keine Lust hat, sich vor der Eisdiele die Beine in den Bauch zu stehen, kann sein Eis auch selber machen. Mit vielen Eismaschinen lassen sich mittlerweile übrigens auch Milchshakes herstellen. Einfach mal ausprobieren.

Ventilatoren: Abkühlung oder nicht?

Ventilatoren bringen die Luft in ihrer Umgebung in Bewegung. Wer sich in diesem Luftzug befindet, spürt eine Abkühlung, wenn Schweiß auf der Haut verdunstet. Die Raumtemperatur sinkt durch den künstlich erzeugten Wind aber nicht. Eine Studie von 2016 zu den Wirkungen von Ventilatoren konnte deren positive Effekte nicht belegen. Bei Temperaturen über 35 Grad könnte der allzu warme Luftstrom sogar zu einer Überhitzung und Dehydrierung des Körpers führen, heißt es. Wetterexperte Jörg Kachelmann ist dennoch überzeugt: „Mit einem anständigen, Wind machenden Propeller hält man fast jede Temperatur aus.“

Übrigens: Für die Arbeit kann ein USB-Miniventilator helfen. Das Gadget lässt sich an jeden USB-Port anschließen und sorgt für eine frische Brise. Auch erfrischend: ein Handventilator, der auf Knopfdruck einen feuchten Nebel versprüht.

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Von RND/dpa/hb/caro