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Die Nördlichen Breitmaulnashorn-Weibchen Fatu und Najin sind die letzten beiden Nashörner ihrer Unterart. Quelle: Ben Curtis/AP/dpa

Zwei Embryonen gezüchtet: Kann das Nördliche Breitmaulnashorn gerettet werden?

Das Nördliche Breitmaulnashorn ist faktisch ausgestorben – nur noch zwei Weibchen leben weltweit. Um die Art zu retten, setzen Forscher auf künstliche Befruchtung. Nun können sie einen ersten Erfolg feiern.

Cambridge. Forscher haben einen wichtigen Schritt zur Rettung des Nördlichen Breitmaulnashorns gemacht. Im Rahmen einer künstlichen Befruchtung erzeugten sie zwei Embryonen, die helfen sollen, das Überleben der vom Aussterben bedrohten Unterart zu sichern. Die Wissenschaftler unter anderem des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) hatten dazu kürzlich in Kenia Eizellen von den zwei letzten überlebenden Tieren entnommen und nach Italien gebracht. Diese hatten sie mit Sperma bereits verstorbener Bullen befruchtet. Die erfolgreiche Befruchtung teilten am Mittwoch das IZW und das Labor Avantea in Cremona in Italien mit.

Leihmutter soll Embryonen austragen

„Die Embyronen werden nun in flüssigem Stickstoff gelagert, um in der Zukunft in eine Leihmutter überführt zu werden“, hieß es. Dies wird voraussichtlich ein Weibchen der verwandten Unterart des Südlichen Breitmaulnashorns sein. „Das gesamte Team entwickelt und plant diese Verfahren seit Jahren“, sagte Thomas Hildebrandt vom Leibniz-IZW. Entnommene Eizellen des zweiten Weibchens haben es nicht zu einem lebensfähigen Embryo geschafft.

Parallel zur künstlichen Befruchtung arbeiten Forscher auch an Stammzelltechniken, um aus erhaltenen Nashorn-Körperzellen Spermien und Eizellen zu züchten. Denn nur so könnte man eine genetische Vielfalt herstellen, die für den Aufbau einer Population groß genug wäre.

Nach dem erfolgreichen Herstellen der Embryonen mahnte allerdings Richard Vigne vom Wildtierreservat Ol Pejeta in Kenia, wo die letzten Weibchen leben: „Wir haben einen sehr langen Weg vor uns.“ Das Projekt wird unter anderem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Nur noch fünf Nashornarten weltweit

Einst zogen Nördliche Breitmaulnashörner in großer Zahl durch Ost- und Zentralafrika, sie wurden aber vor allem durch die Wilderei ausgerottet. Das letzte Männchen der Unterart, Sudan, starb im vergangenen Jahr in Ol Pejeta. Die Nachricht vom Tod des Tieres ging um die Welt, denn damit galt die Art faktisch als ausgestorben.

Mittlerweile gibt es nur noch fünf Nashornarten weltweit. Drei davon gelten als extrem gefährdet. Vom Java- und Sumatra-Nashorn soll es nur noch 30 bis 50 Tiere geben und auch um das Schwarze Nashorn steht es schlecht. Passiert nicht ein Wunder, verschwinden auch diese Arten bald von der Erde. Die Methoden der Reproduktionsmediziner sollen auch für sie eine Vorlage liefern – und für den Erhalt weiterer bedrohter Wildtierarten.

RND/dpa/ame