Aktuell
Home | Nachrichten | Wissen | Die gefährdete Turteltaube ist „Vogel des Jahres 2020“
Oft werden Verliebte als Turteltauben bezeichnet. Die Vögel sind jedoch vom Aussterben bedroht. Quelle: Ralf Thierfelder/NABU/dpa

Die gefährdete Turteltaube ist „Vogel des Jahres 2020“

Sie ist ein Symbol der Liebe. Ihre Lebensbedingungen sind aber wenig romantisch: Die Turteltaube gilt als global gefährdete Art. Jetzt haben Naturschützer sie zum „Vogel des Jahres 2020“ gekürt. Wieso die Bestände hierzulande stetig sinken und inwiefern nun die Politik gefragt ist, lesen Sie hier.

Berlin. Das Symbol der Liebe ist in Deutschland stark gefährdet: Umweltschützer haben die Turteltaube deshalb zum „Vogel des Jahres 2020″ gewählt. Zum ersten Mal sei ein Vogel gekürt worden, der als global gefährdete Art auf der weltweiten Roten Liste stehe, teilten der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der bayerische Landesbund für Vogelschutz (LBV) am 10. Oktober 2019 mit.

„Vogel des Jahres 2020“: Zahl der Turteltauben in Deutschland sinkt

Turteltauben sind den Angaben zufolge die einzigen Langstreckenzieher unter den Taubenarten Mitteleuropas. Sie verlassen Europa zwischen Ende Juli und Anfang Oktober, um südlich der Sahara zu überwintern. Früher sei das markante Gurren der Turteltaube an jedem Dorfrand oder Flussufer zu hören gewesen, sagte LBV-Vorsitzender Nobert Schäffer. Heute brüteten Turteltauben häufig auf ehemaligen Truppenübungsplätzen oder in Weinbauregionen, wo sie noch geeignete Lebensbedingungen vorfinden. Nabu-Präsidiumsmitglied Heinz Kowalski erklärte mit Blick auf Deutschland: „Seit 1980 haben wir fast 90 Prozent dieser Art verloren, ganze Landstriche sind turteltaubenfrei.“ Heute brüteten hierzulande nur noch 12.500 bis 22.000 Paare. Die meisten der etwa 5,9 Millionen Paare Europas lebten den Angaben zufolge in Spanien, Frankreich, Italien und Rumänien.

Turteltauben gefährdet: Schuld sind Landwirtschaft und Vogeljagd

Als Grund für den Rückgang machen die Naturschützer die Landwirtschaft verantwortlich. Durch die Ausweitung von Anbauflächen verschwinden Nistplätze sowie Nahrungs- und Trinkstellen. Ackerwildkräuter, von denen sich die Turteltaube hauptsächlich ernährt, würden mit Herbiziden beseitigt. An chemisch behandeltem Saatgut würden sich die Samenfresser vergiften. „Durch die verschwundenen Kräuter erreichen immer weniger junge Turteltauben das Erwachsenenalter“, erklärte Nabu-Vogelschutzexperte Eric Neuling.

Eine zusätzliche Bedrohung für die Bestände in Deutschland stelle die Vogeljagd im Mittelmeerraum dar. Auf ihrem Zug in die Sahelzone südlich der Sahara fliegen die Tiere unter anderem auch über Frankreich, Spanien und Malta, in denen Turteltauben legal geschossen werden dürfen. „In manchen Ländern gilt das Schießen der stark gefährdeten Turteltauben als ‚Sport‘ zum eigenen Vergnügen“, berichtete Neuling. In Spanien allein würden pro Jahr bis zu 800.000 Tiere abgeschossen.

Naturschützer fordern Schutz der Tauben

Um die Tauben zu schützen, hat der Nabu eine Petition gestartet, mit der Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) dazu bewegt werden soll, sich für das dauerhafte Aussetzen der Abschussgenehmigungen in den EU-Mitgliedsstaaten einzusetzen.

RND/epd/dpa