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Das Zentrum unserer Galaxie hat vor kosmisch kurzer Zeit einen gigantischen Strahlungsausbruch produziert. Quelle: James Josephides/ASTRO 3D

Neue Analyse: Zentrum der Milchstraße explodierte erst vor Kurzem

Der Ausbruch enthielt rund eine Million Mal mehr Energie, als unsere Sonne in ihrer gesamten Lebensdauer abstrahlen wird. Astronomen haben Belege für ein Ereignis gefunden, das am ruhigen Dasein unserer Galaxie zweifeln lässt.

Sydney. Das schließen Astronomen um Joss Bland-Hawthorn von der Universität Sydney aus der Untersuchung von Gas außerhalb unserer Heimatgalaxie. Der Ausbruch hat sich demnach erst vor 2,5 bis 3,5 Millionen Jahren ereignet, als bereits die ersten Vorfahren des Menschen die Erde bevölkerten. Das Team stellt seine Analysen in der Novemberausgabe des Fachblatts „The Astrophysical Journal“ vor. Die Milchstraße ist demnach möglicherweise eine aktivere Galaxie als angenommen.

Die Forscher hatten den Magellanschen Strom untersucht. Das ist eine langgezogene Spur aus Wasserstoffgas, die sich wie ein Kondensstreifen praktisch um unsere komplette Heimatgalaxie zieht. Sie ist verbunden mit der Großen und der Kleinen Magellanschen Wolke, zwei Satellitengalaxien unserer Milchstraße. Direkt ober- und unterhalb des Zentrums der Milchstraße ist das Wasserstoffgas im Magellanschen Strom stark ionisiert, das heißt, eine energiereiche Strahlung hat Elektronen aus den Wasserstoffatomen geschlagen.

Ursache war vermutlich eine Gaswolke

Zusammen mit anderen bereits früher gefundenen Indizien, ist diese Ionisation im Magellanschen Strom ein Beleg für den Strahlungsausbruch aus dem galaktischen Zentrum, der fast senkrecht nach oben und unten ging und rund eine Million Mal mehr Energie enthalten hat, als unsere Sonne in ihrer gesamten Lebensdauer abstrahlen wird. Ursache war vermutlich eine Gaswolke aus unserer eigenen Galaxie, die dem zentralen Schwarzen Loch der Milchstraße zu nahe gekommen und verschluckt worden ist. Materie, die in ein Schwarzes Loch fällt, heizt sich extrem auf und gibt dadurch energiereiche Strahlung ab, bis sie den sogenannten Ereignishorizont passiert, hinter dem nichts mehr aus einem Schwarzen Loch nach außen dringt.

Menschliche Vorfahren könnten Zeugen gewesen sein

Mit dem „Hubble“-Weltraumteleskop untersuchten die Forscher bestimmte Spektrallinien im Magellanschen Strom, mit deren Hilfe sie den Strahlungsausbruch anhand einer Modellrechnung datieren konnten. „Wir kamen auf ein Alter von irgendwas zwischen 2,5 und 3,5 Millionen Jahren“, erklärt Bland-Hawthorn in einem Video zu der Studie. Das ist in kosmischen Maßstäben eine sehr kurze Zeit. Zum Vergleich: Die Erde ist heute rund 4500 Millionen Jahre alt. Es sei eine faszinierende Vorstellung, dass Vorfahren des Menschen, die damals bereits Afrika besiedelt hatten, eine helle Strahlungsblase gesehen haben könnten, wenn sie in Richtung des Zentrums der Milchstraße geblickt haben, so Bland-Hawthorn.

Die Beobachtung zeigt den Forschern zufolge, dass das Zentrum der Milchstraße ein viel dynamischerer Ort ist als gedacht. „Der Ausbruch, der sich vor drei Millionen Jahren ereignet hat, war so gewaltig, dass er Konsequenzen für die Umgebung unserer Galaxie hatte„, erläuterte Ko-Autorin Magda Guglielmo von der Universität Sydney. „Diese Ergebnisse ändern unsere Vorstellung von der Milchstraße drastisch. Wir haben unsere Galaxie immer für eine inaktive Galaxie mit einem nicht so hellen Zentrum gehalten. Diese neuen Erkenntnisse eröffnen dagegen die Möglichkeit einer vollständigen Neuinterpretation ihrer Entwicklung und Natur.“

dpa/RND