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Nicht nur in Niedersachsen bebt die Erde, auch in anderen Teilen Deutschlands kommt es zu Ausschlägen des Seismographen. Doch woran liegt das? Quelle: imago/dpa/RND Montage

Erdbeben in Deutschland: Wo gibt es sie und was sind die Auslöser?

In Niedersachsen hat es gleich mehrere leichte Erdbeben gegeben. Immer wieder wackelt der Boden in Deutschland. Auslöser können nicht nur Erdplatten-Verschiebungen sein – sondern auch Menschen.

Hannover. Erdbeben-Alarm in Niedersachsen: Der Boden hat diese Woche schon mehrmals in der Gegend zwischen Bremen und Hannover gewackelt – bis zu einer Magnitude von etwa 3,1. So nennen Wissenschaftler die während eines Bebens freigesetzte Energie, auch als Stärke bekannt. So ein Beben gilt als schwach und wird von Personen als Erschütterung in Gebäuden wahrgenommen. Ruhende Personen fühlen bereits ein leichtes Schwingen oder Schütteln. Kein Wunder also, dass allein die Polizei nach den Erschütterungen bei Verden rund 30 Meldungen von Anwohnern erhielt. Etwa so viele meldeten sich auch wenige Stunden zuvor.

Haben Menschen das Erdbeben in Niedersachsen ausgelöst?

„Der Zusammenhang des Erdbebens mit der Erdgasförderung in der Region wird als wahrscheinlich eingeschätzt“, sagt Karl Koch, Seismologe an der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Solche durch menschliche Aktivitäten ausgelöste Erdbeben nennen Wissenschaftler induzierte Erdbeben. Vereinfacht ausgedrückt: Gräbt der Mensch unter der Erde, erhöht sich das Risiko, dass dort auch einmal der Boden wackelt. Öl- und Gasförderung, Fracking, Abwasser-Verpressungen, geothermale Energie sowie Berg- und Tagebau können Erdbeben auslösen. Auch Veränderungen an der Erdoberfläche bringen den Boden manchmal zum Wackeln, etwa wenn sich ein Stausee das erste Mal mit Wasser füllt, erklärt der Schweizerische Erdbebendienst.

In Deutschland zählen deutlich fühlbare und Schaden verursachende Erdbeben zu den seltenen Naturphänomenen. Zwischen 50 und 60 schwächere Erdbeben ab Stärke 2 gebe es bundesweit jährlich im Schnitt, sagt Koch. „Ereignisse wie in Niedersachsen gibt es in Deutschland ein Dutzend.“ Die meisten Beben bemerkten die Menschen hierzulande aber gar nicht. „Auch in Zukunft ist keine Zunahme der Erbeben-Tätigkeit festzustellen“, prognostiziert Koch.

Erdplatten bewegen sich in Europa

Erdbebenherde in Deutschland befinden sich im Rheingebiet, in der Schwäbischen Alb sowie in Ostthüringen und Westsachsen. „In Europa gibt es in Griechenland und Spanien immer wieder relativ starke Erdbeben“, erklärt Seismologe Koch. Gerade in der Alpenregion und am Mittelmeer seien wesentlich stärkere Kräfte in der Erde zu Gange als beispielsweise in Niedersachsen.

Erdbeben entstehen nämlich nicht nur durch menschliche Einflüsse, sondern auch entlang von Brüchen in der Erdkruste. Die tektonischen Platten sind ständig in Bewegung, in den Gesteinsschichten auf beiden Seiten eines Bruches baut sich dann Spannung auf. Ist diese groß genug, breitet sich die dadurch freigesetzte Energie wellenförmig entlang der Erdoberfläche aus und verursacht die Erschütterungen.

Erdbeben-Epizentren in Deutschland: Rheingebiet und Schwäbische Alb

Eine besonders hohe Bebenaktivität weist in Deutschland bislang, nicht zuletzt auch wegen der hohen Dichte an Bergbau-Gebieten, das Rheingebiet auf. Eines der stärksten Beben wurde in neuerer Zeit in Albstadt in der Schwäbischen Alb gemessen – am 16. November 1911 mit einer Stärke von 6,1. Wissenschaftler sprechen dann bereits von einem heftigen Erdbeben. Viele Menschen verlieren dabei schon das Gleichgewicht, an Gebäuden stürzen Dachsimse ein, Risse entstehen.

So war es auch damals. In Süddeutschland gab es viele Verletzte, rund 6000 Häuser wurden beschädigt. Seitdem wackelt die Erde dort jedes Jahr mehrmals und für die Menschen spürbar. Zu den schwersten Beben, die in Deutschland bekannt sind, zählt das Erdbeben bei Düren vom 18. Februar 1756. Im Raum Köln, Aachen, Jülich und Bad Münstereifel wurden viele Gebäude beschädigt, teils komplett zerstört. In Aachen stürzten beispielsweise 300 Schornsteine herab, die Augustinerkirche geriet in Schräglage und musste später abgerissen werden. Auch zwei Tote gab es damals.

Erdbeben-Gefahr: Wie verhalte ich mich richtig? Befinden Sie sich in einem Gebäude, sollten Sie in Deckung gehen, beispielsweise unter einem stabilen Tisch oder unter einem Türbogen. Verlassen Sie das Gebäude nur, wenn die Umgebung sicher ist und keine Ziegel herunterfallen. Nehmen Sie sich vor herunterfallenden oder umstürzenden Gegenständen in Acht. Wer sich im Freien befindet, sollte dort auch bleiben und nicht in ein Gebäude fliehen. An Gewässern sollte der Uferbereich verlassen werden. In einem Fahrzeug sollten Sie anhalten und den Wagen während des Bebens nicht verlassen. Halten Sie nicht auf Brücken, im Tunnel oder in Unterführungen an.

Ob Sie in einem von Erdbeben gefährdeten Gebiet wohnen, kann hier geprüft werden.

Von Saskia Bücker/RND