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Futuristisch: Künstlerische Grafik eines Flugtaxis von Porsche. Quelle: Porsche

Experte: Schon in wenigen Jahren könnten Flugtaxis Verkehr revolutionieren

Lufttaxis sollen in Zukunft über den Dächern kreisen. Doch sind die „fliegenden Autos“ schon reif zum Abheben? Das Fraunhofer IAO hat in einer Studie den Realitätscheck gemacht und verschiedene Faktoren der 3-D-Mobilität untersucht. Im Interview erklärt Studienautor Daniel Duwe, wie weit die Entwicklung ist und wie sinnvoll solche Überflieger sind.

Sie sehen futuristisch aus und sind elektrisch betrieben: Im Akkord basteln die Hersteller an sogenannten Lufttaxis. Wie nah sie am Ziel sind, haben die Mobilitätsexperten des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) nun in der englischsprachigen Studie „Quo vadis 3-D-Mobility“ genauer untersucht. Studienautor Daniel Duwe beschäftigt sich seit Jahren mit den neuen Technologien.

Könnten Flugtaxis schon bald Realität am Himmel sein?

Wir gehen davon aus, dass es wohl noch bis Mitte des Jahrzehnts dauern wird, bis die ersten kommerziellen Pilotflüge stattfinden können – das gilt zumindest für Europa. In progressiven Regionen, beispielsweise im asiatischen Raum, in denen Gesetze und Infrastruktur schnell anpassbar sind, kommen Lufttaxis aber vielleicht schon in wenigen Jahren zum Einsatz.

Wie weit ist man mit der Entwicklung der Fluggeräte?

Das ist je nach Technologie sehr unterschiedlich. Es gibt zum einen diverse Fluggeräte wie tragflächenbasierte Flugautos oder Passagierdrohnen, zum anderen unterschiedliche Antriebstechnologien, die rein auf Batterien, Wasserstoff oder konventionellen Treibstoffen basieren. Mit unserer Studie sind wir zu dem Schluss gekommen, dass sich zwar einige noch in der Entwicklung befinden, aber einzelne Technologien bereits einen sehr fortgeschrittenen und anwendungsnahen Reifegrad aufweisen.

Warum sind sie dann nicht schnell startklar?

Selbst wenn einige Fluggeräte schon sehr weit entwickelt sind, dauern die Gestaltung des rechtlichen Rahmens für das Fliegen und das Zulassungsverfahren sehr lange. Man hat das deutlich bei den E-Scootern gemerkt. Die waren vollständig entwickelt, und die Hersteller haben nur auf den Tag gewartet, an dem sie genehmigt wurden. Am nächsten Tag waren die Straßen voll damit. Bei der 3-D-Mobilität gibt es natürlich noch viel größere Hürden aufgrund der signifikant höheren Komplexität.

Welches sind die größten Hürden?

Das sind neben gesetzlichen Vorgaben, die in Europa sehr streng sind beziehungsweise sein werden, die gesamte Steuerung der Flugobjekte, die urbane Infrastruktur und weitere technologische Aspekte. Eine der größten Herausforderungen wird die prozessuale Gestaltung und bautechnische Integration von sogenannten Vertiports, wo die Fluggeräte vertikal starten und landen sollen. Darüber hinaus stellen sich Fragen zur Energieversorgung, zur Kommunikation auf Basis der künftigen 5-G-Technologie, zum Einsatz künstlicher Intelligenz und auch zur Akzeptanz der Menschen.

Für wen und wofür sind Flugtaxis überhaupt sinnvoll?

Das kommt ganz darauf an, welche Funktion das Flugtaxi haben soll. Bei unserer Studie haben wir verschiedene Anwendungsszenarien durchgespielt und dabei anhand von „Customer Journeys“ praxisnah erlebbar gemacht, wie der Alltag mit einem Flugtaxi von der Buchung bis zum Aussteigen aussehen könnte. Neben dem urbanen Lufttaxi gibt es Anwendungsbereiche als Luftrettungsdienst, Fährenersatz, Flughafenshuttle sowie als individuelles Flugauto für den persönlichen Besitz, wobei letzteres zu Beginn wohl nur etwas für den sehr gut betuchten Bürger ist.

Flugkosten zum Taxipreis, geht die Rechnung auf?

Dabei geht es um das Konzept Shuttlesystem, bei dem sich mehrere Personen ein Fluggerät teilen. Nur so kann sich das wirtschaftlich rechnen. Für die fernere Zukunft sind auch autonome Flugtaxis vorgesehen. Da sparen sie dann das Gehalt für einen Piloten und haben noch einen Platz zusätzlich zur Verfügung.

Welche Vorteile bieten Lufttaxis überhaupt?

Für den Passagier bietet sich die Möglichkeit einer schnelleren Mobilität ohne Ampeln und Staus unterwegs. Ohnehin herrscht in der Luft eine große Flexibilität vor: Sie brauchen keine Straßen zu bauen oder Schilder aufzustellen und keine gefährdeten Tiere am Boden umzusiedeln, müssen jedoch das Wohl von Lebewesen in der Luft berücksichtigen. Letztlich sollen die Flugtaxis auch emissionsfrei betrieben werden können.

Werden Flugtaxis den Straßentaxis irgendwann den Rang ablaufen?

Ich glaube nicht, dass es kurz- oder mittelfristig so weit kommt. Flugtaxis werden nur einen kleinen Teil der Mobilität abbilden, schon weil es nicht unbegrenzte Kapazitäten für die Start- und Landeinfrastruktur in Städten geben wird. In unseren Umfragen lag die Akzeptanz der Bevölkerung bei unter 50 Prozent. Auch die Fragen nach der Sicherheit und Lärm spielen da eine Rolle.

 

 

Von Sonja Fröhlich/RND