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Saudi-Arabien hat aus Sorge vor einer Verbreitung des Coronavirus seine Grenzen für Pilgerreisen von Ausländern in die beiden Städte Mekka und Medina geschlossen. Quelle: Amr Nabil/AP/dpa

Saudi-Arabien stoppt Pilgerreisen zu heiligen Stätten

So etwas gab es noch nicht: Um eine Ausbreitung der durch das Virus Sars-Cov-2 ausgelösten Lungenkrankheit in Saudi-Arabien zu verhindern, hat das saudische Außenministerium Reisen zu den heiligsten Stätten des Islam gestoppt. Denn Pilger aus aller Welt kommen zu den religiösen Treffpunkten.

Saudi-Arabien hat Anreisen zu den heiligsten Stätten des Islam wegen des neuartigen Coronavirus gestoppt. Durch die außergewöhnliche Entscheidung werden Ausländer daran gehindert, die heiligen Städte Mekka und Medina zu erreichen.

“Saudi-Arabien erneuert seine Unterstützung für alle internationalen Maßnahmen, die die Ausbreitung des Virus begrenzen, und ruft seine Bürgerinnen und Bürger auf, Vorsicht walten zu lassen, bevor sie in Länder reisen, die einen Ausbruch des Coronavirus erleben”, teilte das saudische Außenministerium mit. “Wir bitten Gott den Allmächtigen, die ganze Menschheit vor allem Schaden zu bewahren.”

Pilgerreisen können Virusausbreitung verstärken

Im Nahen Osten gibt es 220 bestätigte Infektionen mit dem Virus Sars-CoV-2. Zentrum des Ausbruchs im Iran, dem am schlimmsten betroffenen Land in der Region, scheint ein Schrein in der heiligen schiitischen Stadt Ghom zu sein, den Gläubige ehrfürchtig küssen und berühren. Die jährliche zehntägige Pilgerreise Hadsch geht in diesem Jahr von Ende Juli bis Anfang August, aber auch zu anderen Zeiten des Jahres reisen Millionen Pilger nach Mekka.

Ausbrüche von Krankheiten sind bei der Pilgerreise eine wiederkehrende Sorge, insbesondere weil die Pilger aus aller Welt kommen. Alle Muslime, die körperlich dazu in der Lage sind, sollten einmal im Leben die Hadsch begehen. Die älteste Aufzeichnung über den Ausbruch einer Krankheit stammt aus dem Jahr 632, als Malaria grassierte. 1821 brach Cholera aus, geschätzte 20.000 Pilger kamen damals ums Leben. Bei einem weiteren Choleraausbruch 1865 wurden 15.000 Pilger getötet, die Krankheit breitete sich danach auch weltweit aus.

„Es ist beispiellos, zumindest in jüngster Zeit, aber angesichts der weltweiten Ausbreitung des Virus und der globalen Natur der Pilgerfahrt ergibt es aus Sicht der öffentlichen Gesundheit und Sicherheit Sinn“, sagte Kristian Ulrichsen, Forschungsmitarbeiter am Institut für Gesundheitspolitik James A. Baker III der Rice University in Texas über die saudische Maßnahme. „Insbesondere, da das iranische Beispiel illustriert, wie ein religiöser Treffpunkt so schnell die Ausbreitung des Virus verstärken kann.“

RND/ AP