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Neuen Studien zufolge ist die Zahl der Covid-19-Infizierten hoch, die keine Symptome zeigen. Welche Auswirkungen hat das auf die Ausbreitung des Coronavirus? Quelle: Marius Becker/dpa

Wie viele Infizierte haben keine Symptome? Neue Studien liefern erstaunliche Erkenntnisse

Die “stillen Kranken” stellen Forscher derzeit vor Rätsel. Wissenschaftler aus Australien und China haben sich der Frage gewidmet, wie viele Covid-19-Infizierte keine Symptome zeigen – und wie wahrscheinlich es ist, dass sie andere anstecken.

Sydney/Wuhan. Wie viele Infektionen mit dem Coronavirus symptomlos verlaufen, ist eine der großen Fragen der Pandemie. Denn wer keine Symptome zeigt und sich der Infektion somit nicht bewusst ist, begibt sich höchstwahrscheinlich auch nicht in Quarantäne – und verbreitet das Virus unbemerkt weiter. Zwei Studien haben sich nun mit der sogenannten asymptomatischen Verbreitung des Virus auseinandergesetzt und sind einer Antwort auf die Frage etwas näher gekommen.

Coronavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff: 80 Prozent der Infizierten zeigen keine Symptome

Australische Wissenschaftler der Macquarie University in Sydney haben Tests aller 217 Passagiere eines Kreuzfahrtschiffes analysiert, das Mitte März in Argentinien zu einer 21-tägigen Kreuzfahrt gestartet war. Dies war kurz nach dem Zeitpunkt, als die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Covid-19-Ausbruch zur Pandemie erklärte. Das Ergebnis: Von den 128 positiv getesteten Menschen an Bord des Schiffes zeigten immerhin 80 Prozent keine Symptome, hieß es in der im Fachblatt “Thoraxveröffentlichten Studie.

Von den 24 Menschen, die Krankheitszeichen aufwiesen, litt die Hälfte an Atemproblemen und musste in eine Klinik gebracht werden. Ein Passagier starb. Dennoch ist es den Forschern zufolge schwer einzuschätzen, welche Auswirkungen eine hohe Zahl an Covid-19-Patienten hat, deren Erkrankung symptomlos verläuft. Höchstwahrscheinlich sei der Corona-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff durch Infizierte ausgelöst worden, die kaum oder gar keine Symptome hatten.

Frauen werden laut Studie trotz Infektion seltener krank

In einer anderen Studie, die im Fachblatt “Journal of the American Mediacal Association” veröffentlicht wurde, untersuchten Forscher aus China 78 Menschen, die in einem Krankenhaus in Wuhan positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurden. Sie hatten alle Kontakt zu Erkrankten gehabt oder den Fischmarkt in Wuhan besucht, der als mögliche Quelle des Ausbruchs gilt. Demnach zeigten 42 Prozent der Probanden keine Symptome. Auch interessant: Von diesen Menschen waren zwei Drittel Frauen. Nur acht Tage ließ sich das Virus bei ihnen nachweisen. Zum Vergleich: Bei der Gruppe der Erkrankten waren es 19 Tage.

Bei den asymptomatischen Trägern war es der Studie zufolge weniger wahrscheinlich, dass sie das Virus verbreiten – doch es bestand dennoch die Möglichkeit, dass sie andere anstecken.

“Superspreading-Events”: Wenn ein Infizierter dutzende Menschen ansteckt

In manchen Fällen war vermutlich jeweils nur eine einzige Person der Ausgangspunkt von bekannten Masseninfektionen – beispielsweise in der Après-Ski-Bar in Ischgl oder der Karnevalsfeier in Gangelt. Zu solchen Ereignissen kommt es, wenn ein hochansteckender Infizierter auf eine Menschenansammlung trifft, bei der zum Beispiel laut gesprochen oder gesungen wird. Denn dabei entstehen viele Tröpfchen oder Aerosole. Wenn ein Infizierter gleich Dutzende Menschen an solchen Veranstaltungen und Orten ansteckt, ist von einem “Superspreading-Event” die Rede. Laut einer Studie aus Hongkong könnten 20 Prozent der Infizierten ungefähr 80 Prozent der Infektionen anstoßen. In diesem Zusammenhang empfiehlt Virologe Christian Drosten einen Strategiewechsel: “Wenn wir einen Fall entdeckt haben, müssen wir verstärkt schauen, hatte der in der letzten Zeit eine Sozialsituation, die verdächtig ist im Hinblick auf ein ‘Superspreading Event’”, sagt er im NDR-Podcast “Coronavirus-Update”.

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Von Ben Kendal/RND