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Die Eröffnung des Zentralgebäudes – Ein neues Kapitel Leuphana + + + Mit Video

Lüneburg. Unter der Last der Lobeshymnen drohte der Libeskind-Bau auf dem Lüneburger Campus Sonnabendmorgen, natürlich nur rein bildlich, zusammenzubrechen: Zäsur, neue Ära, Architektur, die zum Denken und vor allem angesichts der irritierenden Schrägen zum Querdenken einlädt — Glanzstück. So reihten sich die Glückwünsche bei der Einweihung im Audimax wie glänzende Perlen an einer Kette.

Fertig ist der Bau natürlich noch nicht, das ist schon Kult bei der schnell vorpreschenden Lüneburger Universität. Ob Grundstein oder Richtfest, auch da war man immer etwas zu früh dran. Aber die Leuphana, versicherte Ministerpräsident Stephan Weil, habe sich in kürzester Zeit als Marke im nationalen und internationalen Hochschul-Club etabliert.

Dank Präsident Sascha Spoun und Alt-Vizepräsident Holm Keller, aber eben auch vor allem dank der Ideen von US-Architekt Daniel Libeskind. Der will es aber gar nicht gewesen sein. Er habe die Ideen mit Studenten der Leuphana bei Seminaren in New York und auf dem Campus entwickelt, Studenten, die eigentlich nichts mit Architektur am Hut haben. Sie seien die eigentlichen Wegbereiter des Baus, so gab er das Lob der Laudatoren weiter.

Schichtwechsel mit den Handwerkern

Libeskind forderte eindringlich dazu auf, in Bildung zu investieren, ja viel zu investieren und schaute mit Grausen auf sein Amerika, wo der neue Präsident Donald Trump genau das Gegenteil diktiert. Ja, der Bau sei teuer, aber gemessen an dem, „was wir für Waffen ausgeben, gering“. Und ja, einige Kleinigkeiten seien eben noch nicht fertig am Bau. Da lacht nicht nur Libeskind, sondern das ganze Auditorium. Fertig wird noch Monate dauern. Gemeint war nicht der rote Teppich am Haupteingang, der noch auf einem Spanplatten-Verschlag ruhte. Der Geruch von Farbe, Holz und Leim lag noch in der Luft, als Sonnabendmorgen die Gäste eintrudelten. Es war eher ein Schichtwechsel mit den Handwerkern. Und nicht jede Ecke war fein.

Deswegen gab es Fahrstuhl-Begleiter wie Jette Langner und Carla Henne, die dafür sorgten, dass die Gäste nur bis zum ersten Stock fuhren. Vor dem Hinterausgang zum Campus, dort, wo die Bau-Container stehen, sorgte ein Security-Mann dafür, dass keiner raus noch rein kam. Ich habe dann doch mal eine Schwarzfahrt im mit Farbe bekleckerten Fahrstuhl in den sechsten Stock gewagt und durch die Stahl-Zink-Streben und riesige Fenster ein Weitblick aufs noch im Morgen-Dampf liegende Lüneburg gewagt. Das hat sich in jedem Fall gelohnt, und da hat der Ministerpräsident Weil recht: „Eine inspirierende Umgebung, ein neues Kapitel Leuphana.“

Ob am Ende, wenn der letzte Handwerker abgerechnet hat, auch bei den Finanzen noch ein neues Leuphana-Kapitel aufgeschlagen wird, da eierte nicht nur der Ministerpräsident bei der Pressekonferenz. Weil bemühte vielmehr einen Vergleich mit der Elbphilharmonie. Da habe es auch viele Komplikationen, Zeitverzug und viel Verdruss über die Kosten gegeben, am Ende aber ist die „Elphi“ der Eyecatcher von Hamburg, das könne auch der Libeskind-Bau für sich in Anspruch nehmen. Und damit wäre er auch schon bei seinem Lieblings-Spitznamen: „Leuphi“.

Von Hans-Herbert Jenckel

Videos: Leuphana Universität

12 Kommentare

  1. Der Schal von Keller ist ja noch länger als die Krawatte von Trump.

  2. Tut nichts zur Sache

    Jetzt brauchen wir nur noch einen guten Spitznamen für dieses Ding.

    Libeskinds Lampenladen
    Schnappschildkröte
    Palazzo Protzo
    Spouns Wunderwürfel

  3. Viel Geld für ein Gebäude, dass optisch nichts mit unserer im Übrigen schönen Stadt verbindet und wegen der engen Bebauung nicht einmal wirken kann.

  4. Wie ahrr wärri häppi sät juh ahrr hier!

    Kim Torster (die echte), die wohl größte journalistische Begabung unserer Stadt, hat uns mit einer feinen (viele herrliche Entdeckungen zwischen ihren exakt sitzenden Strichen bereithaltenden) Skizze der Heerschar vornehmer alter Leute beschenkt, wie sie sich gestern drängten und beeilten, im Jungbrunnen eines narrativ erzeugten, multimediatechnisch angeheizten und autosuggestiv abgerundeten Aufbruchsenthusiasmus zu baden. Weder ist ihr der Widerspruch zwischen dem hysterisch kunstsinnigen Offenheitspathos heiter hüstelnd humanistelnder Sonnabendrhetorik und den finsteren Jahren von dessen Vorbereitung im Halbdunkel herrschaftlicher Hinterzimmerheimlichkeiten entgangen, noch hat sie übersehen, dass das Audimax ebenso gut ein Theatersaal sein könnte wie ihre Hochschule insgesamt höchstwahrscheinlich vor allem ein Theater ist:

    http://www2.leuphana.de/univativ/ein-quartett-zwei-taenzerinnen-und-leuphana-cocktails-die-eroeffnung-des-neuen-zentralgebaeudes/#more-8538

    Eine Leseempfehlung von: Tobias Günther

    • Andreas Wilhelm

      Ja, Jenckels hochgradig ironischer Aufsatz über den „spektakulären Wurf“ im Jahrmarkt der Eitelkeiten (Originaltitel: Vanity Fair, or, a Novel without a Hero) mit seinen vielen kleinen darin untergebrachten Bosheiten (https://www.landeszeitung.de/blog/sonderthemen/audimax/483912-der-steinige-weg-einer-grossen-idee) und Kim Torsters souveräne Dekomposition der gestellten Feierfiguren und der deklamatorischen und besonders symbolhaft gewollten Tableaux vivants de Leufanatisme, durch deren fadenscheiniges Graffelwerk der Selbstbeweihräucherung die großen Augen der komplett ausgesperrten Hochschulangehörigen betteln, sind besonders Gelungene Beispiele subversiver Kritik, — um die sich die Porträtierten natürlch nicht weiter scheren werden. Denn an Erbitterung leiden immer die, welche sie empfinden, nicht die, welche sie auslösen.

    • Kim Torster hat wirklich Talent. Sie berichtet faktennah und unaufgeregt und ihr trockener Humor bezieht seine immense Wirkung wesentlich aus der Tatsache, dass die entsprechende, jeweils überraschend um die Ecke biegende Äußerung nicht erkennbar von Emotionen begleitet ist und deshalb qua Witz (keineswegs als Spaß) die Geistesgegenwart sowohl des Lesers als auch der/des Studierenden „fördert und fordert“ (Audi) und zwar „auf Augenhöhe“ (Max).

      Hier geht´s zu ihrem Artikel: http://www2.leuphana.de/univativ/ein-quartett-zwei-taenzerinnen-und-leuphana-cocktails-die-eroeffnung-des-neuen-zentralgebaeudes/#more-8538

  5. Von dem Ruhme der berühmtesten Menschen gehört immer etwas der Blödsichtigkeit der Bewunderer zu, und ich bin überzeugt, daß solche Menschen das Bewußtsein, daß sie von einigen, die weniger Ruhm aber mehr Geist haben, durchgesehen werden, ihren ganzen Ruhm vergällt. Eigentlicher ruhiger Genuß des Lebens kann nur bei Wahrheit bestehn. Newton, Franklin, das waren Menschen, die beneidenswert sind.

  6. Gefühlt hat Bernd Althusmann gefehlt.

    • Gut gesehen, jo bembel. Lotze, Pols und Schröder-Ehlers auch nicht. Sogar Suderburgs Selfiekönig Jörg Hillmer war nicht zu sehen. Und Libeskind verzichtet ja bekanntlich in seinen Selbstdarstellungen außerhalb Lüneburgs auch immer darauf, den Leuphana-Bau zu erwähnen. Ich wette, Stephan Weil wäre auch lieber zuhause geblieben. In Wahlzeiten möchte niemand mit einem solchen Desaster in Verbindung gebracht werden.

      Warum das so ist und wie, mit welchen Zielen, Aussichten und Unterstützern das Stadtmarketing Leuphanaburger Land dagegen anarbeitet (Wag the Dog), wird gerade bei Blog.jj diskutiert: https://jj12.wordpress.com/2017/03/13/die-leuphana-und-marschall-potjomkin/#more-151

      • Steffen
        Ich wette, Stephan Weil wäre auch lieber zuhause geblieben.
        diese wette hätten sie wohl glatt verloren. es musste dazu noch die feuerwehr herhalten, damit sein kommen sich lohnt. die frage ist nur ,für wen? desaster? wer soll dieses denn von den politikern zugeben? sie haben doch alle hier geschrien. ich habe mich mit einem fraktionsvorsitzenden einer konservativen partei unterhalten, er war bei mir zum essen, er bestätigte mir, nur wer wirklich viel geld verschwenden will, wird auch erhört. ich befürchte, er hat recht. für die gesellschaft bedeutet dieses nichts gutes.

  7. Sehr geehrter Bürgermeister Löb

    Bei Blog.jj haben Sie sich zum „Großen und Wichtigen“ in Relation zu dem geäußert, was davor zurückzustehen hat.

    Viele Leser haben darauf sehr nachdenklich reagiert. Aber Sie schweigen sich aus, anstatt sich dem Gespräch zu stellen, das sie selbst angeregt haben. Warum?

    Besonders „BEMERKENSWERT“ schreibt eine Frau Vossler, sei im Zusammenhang mit der von Ihnen, Herr Löb, zurückgewiesenen Mäkelei an der („vermeintlichen“, wie Sie betonen,) Intransparenz der Unileitung „die Tatsache, dass unser liebes Leuphana-Marketing HEUTE, Donnerstag, den 16. März, vor wenigen Stunden bei Youtube die Videos sämtlicher Redebeiträge eingestellt hat (unter dem Stichwort ›Eröffnung Leuphana Zentralgebäude‹ leicht zu finden), unter denen bis vor einer Stunde (17:40 Uhr) auch noch das mit den sehr kritischen Festtagsanmerkungen der beiden AStA-Sprecher*innen SUSANNA DEDRING und BENJAMIN CHRISTODOULOU zu finden war (https://www.youtube.com/watch?v=oJeGLs4mOjo). Ein Versehen! Kritik soll es nicht geben. Das Video mit dem Redebeitrag von Susanna Dedring und Benjamin Christodoulou ist bei Youtube wieder verschwunden.“

    Ist dieses Vorgehen kein Zeichen bewusst forcierter Intransparenz, Herr Löb?

    Die Blog.jjogger warten auf Ihre Antworten: https://jj12.wordpress.com/2017/03/13/die-leuphana-und-marschall-potjomkin/#comment-245

    MfG, Dirk Müller

    • Sehr geehrter Bürgermeister Löb

      Das Video mit der Rede der beiden AStA-Sprecher*innen SUSANNA DEDRING und BENJAMIN CHRISTODOULOU ist heute um kurz nach 18:00 Uhr vom Leuphana-Marketing wieder bei Youtube eingestellt worden und es ist bereits nach drei Stunden der am häufigsten aufgerufene Clip aus der Reihe:

      https://www.youtube.com/watch?v=hWkAcvhn3cQ

      Vielen Dank für Ihr Engagement gegen Zensur und zugunsten von freier Rede!

      Ihre Luzia