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Mieterstrom als Beitrag zum Klimaschutz vor Ort soll beim Wohnprojekt „Gemeinschaft.Sinn“ umgesetzt werden. Bewohnerin Julia Küllmer mit (v.l.) Jörn Fleer, Horst Jäger (beide Zukunftsgenossen) und Philip Gallmeister (Klimaschutzleitstelle) vor dem Gebäude am Meisterweg. Foto: t&w

Ein Win-win-win-Geschäft

Lüneburg. Photovoltaikanlagen werden seit vielen Jahren auf Einzelhäusern installiert, um für den eigenen Gebrauch regenerativen Strom zu erzeugen. Dass sich die Installation auch auf Mehrparteienhäusern für Mieter und den Klimaschutz gleichermaßen lohnt, dass möchte die Klimaschutzleitstelle von Stadt und Landkreis publik machen. „Wir haben deshalb eine Kampagne zum Thema Mieterstrom ausgeschrieben“, sagt Philip Gallmeister. Den Zuschlag haben die Zukunftsgenossen bekommen, die nun unter anderem dem Wohnprojekt „Gemeinschaft.Sinn“ am Meisterweg beratend zur Seite stehen.

In Lüneburg gibt es dafür großes Potenzial

„Zukunftsgenossen“, das ist eine Energiegenossenschaft, die sich 2011 mit dem Ziel gründete, Bürger an der Energiewende zu beteiligen und erneuerbare Energie zu erzeugen. Inzwischen hat sie mehr als 100 Mitglieder, darunter die Stadt Lüneburg und die Avacon. Wenn Vorstandsmitglied Horst Jäger auf dem Wasserturm stehend über die Stadt blickt, stellt er fest: Es gibt zum Beispiel im Neubaugebiet Ilmenaugarten auf keinem Geschossgebäude Photovoltaikanlagen. Dabei ermögliche das 2017 in Kraft getretene Mieterstromgesetz eine staatliche Förderung, die sowohl für Vermieter wie auch Mieter interessant sei und man trage etwas zur Energiewende bei. Dafür sieht Jäger bundesweit, aber eben auch vor Ort großes Potenzial.

Beratung ist dabei ein wichtiger Schritt. Die übernehmen die Zukunftsgenossen mithilfe eines Energieberaters nun im Rahmen der Kampagne der Klimaschutzleitstelle bei 20 Projekten. Dafür erhalten sie 6000 Euro aus dem Strukturentwicklungsfonds.

Eine Dschungel an Informationen

Julia Küllmer ist eine von knapp 40 Bewohnern des gemeinschaftlichen Wohnprojekts „Gemeinschaft.Sinn“, das zwölf Mietwohnparteien unter einem Dach vereint. „Ein Schwerpunkt für uns ist auch Umweltverträglichkeit.“ Von Anfang an stand fest, eine Photovoltaikanlage zur Stromerzeugung soll aufs Dach. Doch es gebe einen Dschungel an Informationen, sagt Küllmer. Dann sei man auf die Zukunftsgenossen gestoßen.

Jörn Fleer ist Bauingenieur mit dem Schwerpunkt Photovoltaikanlagen und Zukunftsgenosse. Er erstellte einen Beratungsbericht zur nutzbaren Fläche des Daches, zu Ertragsprognosen und Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen. Im Fazit kommt dieser dazu: Auf dem Flachdach des Gebäudes könnte auf einer Fläche von 180 Quadratmetern eine Anlage mit rund 30 Kilowatt-Peak installiert werden. Diese würde rund 25.000 Kilowattstunden Strom jährlich erzeugen. „Das entspricht dem Verbrauch von acht Einfamilienhäusern“, macht Fleer deutlich. Rund 11.600 Kilowattstunden der erzeugten Solarstrommenge könnten tagsüber für den Eigenverbrauch genutzt, 13.100 Kilowattstunden ins öffentliche Netz eingespeist werden. Unter dem Strich macht das eine CO₂-Einsparung pro Jahr von 15 Tonnen.

Investition soll sich nach 19 Jahren amortisiert haben

Was die Wirtschaftlichkeit betrifft, so stehen einer Investition von zirka 42.000 Euro für die Anlage jährliche Erlöse von zirka 2600 Euro gegenüber, die es für die Einspeisung von Solarstrom ins öffentliche Netz gibt. Damit habe sich die Investition für den Betreiber, das werden die Zukunftsgenossen sein, nach 19 Jahren amortisiert, heißt es in Fleers Bericht. „Gewinner sind außerdem die Mieter, die günstigen Strom beziehen. Am meisten profitiert aber die Umwelt vom Win-win-win-Geschäft durch die hohe CO₂-Ersparnis. Außerdem kommt es zu einer Entlastung der Netze, weil der Strom dort verbraucht wird, wo er erzeugt wird“, sagt Jäger, der aber wie Fleer fordert, dass das Mieterstromgesetz noch von mancher bürokratischen Regel befreit werden müsste.

Anfang 2020 soll das Wohnprojekt bezugsfertig sein – mit Solaranlage auf dem Dach. Ein beispielhaftes Projekt, mit dem der Klimaschutz in Lüneburg von Bürgern vorangebracht werde, sagt Philip Gallmeister.

Von Antje Schäfer

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