Donnerstag , 12. Dezember 2019
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Parkett
Das Parkett in der Mietwohnung hat sich an einigen Stellen großflächig gelöst. Bis endlich ein Handwerker kam, verging ein halbes Jahr. (Foto: privat)

Stäbchen-Odyssee

Lüneburg. Acht telefonische Versuche, abwechselnd unter einem Festnetzanschluss in Berlin und einer Mobilfunknummer, die in Lüneburg an einer Fensterscheibe klebt. Entweder das Besetztzeichen oder endloses Klingeln. Also noch zwei schriftliche Anfragen per E-Mail hinterher. Keine Reaktion. Man ahnt, dass die Optima GmbH nicht nur die Nerven ihrer Mieter strapaziert.

Felix Dietz ist einer von ihnen. Er wohnt im Lüneburger Ilme­naugarten. Wer der Eigentümer der Wohnung ist, kann er gar nicht so genau sagen. Auf der ersten Seite des Vertrages werden neben Optima drei weitere Firmen genannt, die auf undurchsichtige Weise „vertreten durch“ und „handelnd für“ miteinander verbunden sind. Seinen Mietvertrag hat der 25-Jährige mit der Hausverwaltung Optima abgeschlossen. Und die ist auch zuständig, wenn etwa der Wasserhahn tropft oder ein Fenster klemmt.

Staubsauger hebt Parkett-Stäbchen an

Oder wenn sich das nagelneue Parkett in Einzelteile auflöst. Der Staubsauger hebt an mehreren Stellen der Vier-Zimmer-Wohnung einzelne Stäbchen und auch ganze Platten aus dem Boden. Der Kleber hält nicht. Möglicherweise wegen der Wärme von Heizungsrohren im Estrich. Eine Woche nach dem Einzug am 1. Januar diesen Jahres hat der Mieter dies der Verwaltung mitgeteilt. Telefonisch und per E-Mail. Erst im Juli ist dann ein Lüneburger Tischler gekommen und hat den Holzboden repariert. An dem Handwerker hat es aber nicht gelegen – der hat den Auftrag erst kurz zuvor bekommen. Und wohl auch nicht an dem Hausverwalter vor Ort: „Der hat meine Mängelmeldung weitergeleitet und immer mal wieder nachgehakt. Mehr konnte er aber vermutlich auch nicht tun.“

Beim fünften Versuch nimmt eben jener Hausverwalter dann unseren Anruf entgegen. Ausgesprochen freundlich gibt er Auskunft darüber, dass er im Ilmenaugarten ein Büro hat und hier nach eigenen Angaben fast 400 Wohnungen betreut. 311 davon sind teilmöblierte Mikro-Appartements, der Rest Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen.

Der örtliche Hausverwalter hat Verständnis für den Ärger des Mieters. Vieles könne der Hauswart, mit dem er die kleine Geschäftsstelle teilt, schnell erledigen, sagt er. Doch wenn – wie beim Parkett – die Reparatur aufwendig und teuer zu werden droht, müssen noch andere mitreden und entscheiden. Ein Aushang im Hausflur listet einen Technischen Objektmanager, eine Key Account Managerin, die Verwaltung und den Hauswart auf. Hinzu kommen Eigentümer, Bauträger, Handwerker – aber wer davon ist zuständig für den kaputten Fußboden?

Die Berliner Zentrale wimmelt nur ab

Das sollte in der Berliner Zentrale zu erfahren sein, und dort geht dann auch sofort jemand ans Telefon. Nein, eine Pressestelle habe das Unternehmen nicht. Warum wir denn überhaupt etwas wissen wollen über die Optima GmbH, fragt die Dame am anderen Ende. Sie könne jedenfalls keine Auskunft geben und auch keinen anderen Ansprechpartner nennen: „Schreiben Sie doch eine E-Mail.“ Haben wir bereits. Ohne Antwort. „Dann besteht wohl kein Interesse, Auskunft zu geben“, sagt die Mitarbeiterin.

Mieter Dietz haben unzählige Nachfragen bei vielen verschiedenen Hausverwaltungsmitarbeitern im Laufe eines halben Jahres so mürbe gemacht, dass er dem Mieterbund beigetreten ist. Mehr als zwei Dutzend Mails und Telefonate mit Optima listet er auf. Ansprechpartner in Lüneburg, Hamburg und Berlin. Antworten habe er so gut wie nie bekommen. Richtig auf die Palme gebracht hat ihn die Auskunft der Berliner Hausverwaltung im April, dass ein Tischler längst beauftragt sei. „Ich habe dort nachgefragt, aber der wusste davon nichts“, sagt Dietz. Auf Anraten eines Juristen des Mieterbundes hat Dietz dann im Juni von einem anderen Handwerker einen Kostenvoranschlag für die Reparatur des Holzbodens erstellen lassen und nach Berlin geschickt – mit der Ankündigung, die Miete zu kürzen, wenn nicht bald etwas passiere.

Die Hausverwaltung wiederum hat daraufhin den Tischler geschickt – und schweres verbales Geschütz aufgefahren: Mieter dürften grundsätzlich keine dritten Firmen beauftragen.

Mit Verweis auf eine Mietminderung weise man vorsorglich darauf hin, dass eine mietrechtliche Abmahnung und zusätzliche Kosten auf den Mieter zukämen. Im Übrigen seien „für Sie keinerlei Kosten entstanden, hätten Sie die Beauftragung der Firma mit uns ordentlich kommuniziert“.

180 Euro aus eigener Tasche

Dass die Sache jetzt ausgestanden ist, glaubt Dietz nicht. Wahrscheinlich werde sich das Parkett in den nächsten Monaten auch an anderen Stellen lösen: „Holz arbeitet – gerade im Winter.“ Auf die Erstattung der rund 180 Euro für den Kostenvoranschlag hat er dem Mieterbund-Anwalt zufolge zwar einen Anspruch, aber diese Rechnung zahlt er nun zähneknirschend selbst. Sein Bedarf an Auseinandersetzungen mit der Hausverwaltung ist vorerst gedeckt.

Mehr dazu lesen Sie auch unter www.wemgehoertlueneburg.de

Von Klaus Bohlmann