Donnerstag , 24. Oktober 2019
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Junge Familien im Lüneburger Ilmenaugarten: Weil es noch keinen Spielplatz gibt, ist der Wasserplatz bislang der einzige öffentliche Treffpunkt. (Foto: t&w)

Die Kinder können nur die Stufen runterspringen

Lüneburg. Tagsüber läuft einem im Ilmenaugarten selten jemand über den Weg. Wenn man jemanden trifft, dann am ehesten am „Wasserplatz“. Es sind meist Mütter mit kleinen Kindern. Denn in dem neue Wohnquartier ist die Stufenanlage mit Granitplatten und Rasenflächen noch der einzige Ort, an dem man abseits der Straßen sitzen und spielen kann. Dass die geplanten Spielplätze nur auf dem Papier existieren, beklagen alle jungen Familien, mit denen man ins Gespräch kommt.

Baufahrzeuge statt Spielplatz

Julia Tettamanti (37) und ihr Mann Alexander (39) sind im Juli 2017 in den sogenannten Riegel eingezogen, also in die Gebäudereihe auf der Bahnseite. Gekauft hatten sie ihre Wohnung im August 2016. „Uns wurde der Ilme­naugarten als familienfreundliches Wohngebiet in verkehrsberuhigter Lage angepriesen, mit großzügigen Park- und Spielflächen“, erzählt die 37-jährige Mutter. Sie und ihr Mann arbeiten in Hamburg, der Lüneburger Bahnhof ist nahe, „das hat alles gepasst“.

Schon damals – Sohn Frederik war gerade zweieinhalb Jahre alt – hätte sie sich erkundigt, wann denn ein Spielplatz eingerichtet würde. Frederik hat inzwischen einen kleinen Bruder, Niklas ist gerade ein Jahr alt ­geworden. Von Bauträger Roland Wölk habe sie den Termin Frühjahr 2018 genannt bekommen. „Zu dem Zeitpunkt gab es hier noch nicht einmal eine Straße“, beschreibt sie den Zustand der Großbaustelle. „Man kam mit dem Kinderwagen gar nicht durch“, ergänzt Antonia Morgner (33), die mit ihrer Familie Weihnachten 2017 eine Wohnung im Ilmenaugarten bezogen hat: „Es war eine Katastrophe.“

Städtebaulicher Vertrag

Inzwischen gibt es Straßen, der nördliche Teil des neuen Quartiers, dort wo die Tettamantis und die Morgners wohnen, sieht schon ziemlich fertig aus. Und mit den Straßen sind die Autos gekommen. „Die Straßen sind kreuzgefährlich für Kinder“, sagt Antonia Morgner.

Weiter südlich wird aber noch gebaut. Und genau deshalb gibt es die Spielplätze, die im Bebauungsplan eingezeichnet sind, noch immer nicht. Weil die Flächen für die Baumaschinen benötigt werden. Und weil der Baustellenverkehr zu gefährlich für Kinder wäre. „Die Hauptbeschäftigung der Kinder ist im Moment, am Wasserplatz die Stufen runterzuspringen, das war‘s“, sagt Morgner. Ihr Sohn Karl ist gerade zwei Jahre alt geworden.

Zwar ist es die Ilmenaugarten GmbH, die die Spielplätze bauen muss. Das ist einem städtebaulichen Vertrag mit der Hansestadt festgeschrieben. Dennoch sieht Julia Tettamanti auch die Stadt in der Pflicht: „Wenn es die Vorgabe gibt, Spielplätze zu schaffen, kann sich die Stadt doch nicht komplett raushalten.“

Eltern sehen auch die Stadt in der Pflicht

Weil sie beim Bauträger nicht weitergekommen ist, bearbeitet sie seit August 2018 intensiv den Fachbereich Straßen- und Ingenieurbau bei der Stadtverwaltung. Es gab zahlreiche Gespräche und einen regen E-Mail-Verkehr, Überlegungen zu Zwischenlösungen, im März sogar eine Kinderbeteiligung zur Gestaltung der Spielplätze. Aber eben weder Rutsche und Schaukel noch Wippe oder Klettergerüste.

Anfang September haben die Mütter aus dem Ilmenaugarten dann einen langen Brief an den Oberbürgermeister geschrieben. 43 Bewohner des Quartiers haben unterschrieben. Darin fordern sie Ulrich Mädge auf, dafür zu sorgen, dass noch in diesem Jahr Spielfächen geschaffen werden. Und nun tut sich endlich was für die Kinder im Viertel.

Mobile Spielanlage

Eine Übergangslösung für Familien

So sieht die „KuKuk-Box“ aus. Die mobile Spielanlage aus Holz enthält verschiedene Spiel- und Kletterelemente. (Foto: KuKuk GmbH)

Da die Spielplätze im Ilmenaugarten noch auf sich warten lassen, hat die Stadt an einer Übergangslösung gefeilt. Eine mobile Spielanlage soll die Familien besänftigen, bis die Bauträger im kommenden Jahr die lang ersehnten Flächen in dem Viertel anlegen.

Uta Hesebeck, Fachbereichsleiterin Straßen- und Ingenieurbau, erklärt, dass im Bebauungsplan zwei Spielplätze vorgesehen sind, südlich des Wehrs über den Lösegraben. Der eine soll 1300, der andere 800 Quadratmeter groß werden. Dass sie noch nicht umgesetzt wurden, liege daran, dass sie in einem der letzten Bauabschnitte entstehen werden. „Zurzeit befinden sich dort noch Erdhügel, weil nebenan gebaut wird.“

Die Stadt sieht sich durchaus in der Verantwortung, übergangsweise ein Angebot für die jungen Bewohner des Ilmenaugartens zu schaffen, sagt Hesebeck und ergänzt: „Auch die Investoren sind bereit, den provisorischen Spielplatz zu finanzieren.“

Deshalb habe man Flächen ins Visier genommen, zum Beispiel entlang der Ilmenau. Doch das sei FFH-Gebiet, das Schutzgebiet ist von jeglicher Bebauung freizuhalten. Auch der Wasserspielplatz sei kurz ins Kalkül gezogen worden. Doch dort hätten mit großem Aufwand Platten entfernt werden müssen.

Dann habe es eine Anregung von Bewohnern des Viertels gegeben, die auch bei der Stadt gut ankam: der Wandrahmpark. Der liegt vis-a-vis des Ilmenaugartens und ist schnell über das Wehr und unter der Wandrahmbrücke hindurch zu erreichen. Dort gibt es bereits Spielgeräte, auf einer Lichtung daneben soll eine „KuKuk-Box“ aufgebaut werden. Dabei handelt es sich um eine mobile Spielanlage aus Holz, die verschiedene Spiel- und Kletterelemente enthält. Geliefert werden soll sie im Herbst.

Die Planungen für die beiden Spielplätze sind laut Uta Hesebeck inzwischen abgeschlossen. Darin aufgenommen sind Wünsche, die im Rahmen der Kinderbeteiligung geäußert wurden, zum Beispiel Klettergeräte, Matschanlage sowie Rutsche. Eingesehen werden können die Pläne im Bereich Grünplanung der Stadt. lz

Von Klaus Bohlmann

Mehr dazu lesen Sie auch unter www.wemgehoertlueneburg.de