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Die Alt-68er

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Der Reigen der Rockgeneration
neigt sich dem Ende entgegen.
Die Revolte hat sich verlaufen.
Vormals heiße Rhythmen auf Singles
erklingen allenfalls noch als
Old ie-Programme im Radio.
Die Blume im Haar der Hippiemädchen
ist zum Strauß von Fleurop mutiert.
Ein Folk-Barde der Protestkultur
erhält den Nobelpreis für Literatur.
Kapuzenpullis kommen heute von Armani
und werden von Amazon zugeschickt;
sie dienen nicht mehr der Vermummung.
Und die Utopie von Wohngemeinschaft und
Kommune, nämlich mit Partnertausch,
hat sich längst zur anonymen Wohngruppe
einzelner Bürgerkinder gedreht.

Keine Demonstrationen mehr,
keine Besetzung von Kreuzungen,
und auch die Ho-Chi-Minh-Rufe
sind seit Langem verstummt.
Aus den politischen Protesten
gegen die Kriegsverbrechen in Vietnam
und gegen den weltweiten Kapitalismus
sind bestenfalls Engagement und Kampf
gegen den Klimawandel entstanden:
gegen Bienensterben statt gegen Ausbeutung
Der Klang von Nostalgie
zieht heute durch die Straßen und färbt
die Weltsicht aller Gestrigen ganz bunt.
Die kennen aber ihre Falten und
die Furchen im Gesicht – und fügen sich:
Sie wissen, sie haben ihre Spuren
in der Geschichte hinterlassen.

Foto: lz

Der Autor

Werner Faulstich, Jahrgang 1946, studierte Philosophie, Germanistik und Anglistik in Frankfurt/Main. Er arbeitete als Wisenschaftler an den Universitäten Tübingen, Siegen, Las Vegas und Lüneburg. Er hat mehrere Gedichtbände veröffentlicht.

17 Kommentare

  1. Ach ja … die guuuuten alten Zeiten!

    Wer hätte „damals“ gedacht, dass die Rebellen von einst noch selbstgerechtere, faulstichige Jammerlappenlyrik absondernde Philister als ihre Väter und Großväter werden würden?

    Vor einigen Monaten ist ein schmales, aber gewichtiges Büchlein des Kasseler Makrosoziologen Heinz Bude erschienen: „Adorno für Ruinenkinder. Eine Geschichte von 1968“. Hanser Verlag (München) 2018. 128 Seiten (€ 18,-). Darin spricht einer der von Bude interviewten Beteiligten über die „Zeit der Befreiung“ seiner Generation aus, was der Verlag auf die Rückseite des Bucheinbandes druckt: „Mit Adorno war‘s wie in der Oper: Wir verstanden nichts, konnten aber alles mitsingen“.

    An der oben präsentierten sentimentalen Rhapsodie von abgegriffenen Stereotypen und wehleidigen Phrasen erstaunt vor allem, wie lange dergleichen bewusstloses Trällern offenbar andauern kann.

  2. Ich finde es herrlich wie reflexartig gerne verallgemeinert wird.
    Es gab und gibt sie die 68-Philister wie Schily und Fischer, aber es gibt auch solche, die anders sind immer noch aktiv dabei.

    @Herrn Schnell: Merken Sie gar nicht wie sie das was sie anderen vorwerfen selber produzieren.
    „Wer hätte „damals“ gedacht, dass die Rebellen von einst noch selbstgerechtere, faulstichige Jammerlappenlyrik absondernde Philister als ihre Väter und Großväter werden würden?“

    Finden Sie wirklich, dass alle 68er schlimmer waren als ihre Vorgänger in der Politik wie z.B. denjenigen der sich gerne selbst als Gröfaz titulierte.

    Und wenn man schon Bude zietiert, sollte man sich nicht nur das rausfischen, was zur eigene Agenda passt. Da sind Sie dann so wie sie es den 68ern vorwerfen

    @Herrn Faulstich: „Jammerlappenlyrik absondernde Philister“: Fühlen Sie sich angesprochen ?

    • Lieber Herr Kein,

      Sie bezeichnen sich als 68er. Was ist das bitte? Wie lautet das genus proximum, die „nächste Gattung“ (→ Gattungsbegriff), wie die differentia specifica, der „eigentümliche Unterschied“ (→ Artunterschied), auf die Sie sich beim Gebrauch beziehen müssen, um sich, sagen wir, von den 86ern abgrenzen zu können? Solch ein Kollektivsingular, wie Sie ihn sich da zu eigen machen, ist die grammatische Lieblingsfigur des Vorurteils. Er wird oft verwendet, um den eigenen Aussagen mehr Gewicht zu verleihen und sich eine ordentliche Beweisführung zu ersparen. Also seien Sie bitte genau, wenn Sie antworten. Wie identifizieren Sie „solche, die anders sind [, aber] immer noch aktiv dabei“? Was ist philiströs an Otto und Joschka? Etwa im Vergleich zu den Bundesministern a. D. Günther Krause, Heinz Friedrich Ruppert Riesenhuber oder Rudolf Scharping? Woher wissen Sie, dass ich, wenn ich verallgemeinere, dies „reflexartig“ tue? Was „produziere“ ich selber, indem ich es „anderen“ vorwerfe? Welchen „anderen“ werfe ich etwas vor? Die Wolkenvokabel „schlimm“ habe ich nicht benutzt.

      Sie sollten nicht mir Probleme anlasten, mit denen Sie selbst zu kämpfen haben, lieber Herr Klein. Oder, wie Eckhard Pols gerne zur Maxime generalisiert: Wer im Glashaus sitzt, solle nicht mit Steinen werfen!

      Richtig ist:

      Ich habe, um den Autor der versifizierten, besser: vertikal angeordneten Plattitüdensammlung von oben nicht frontal anzugreifen, einen Trick angewendet. Ich habe provoziert, indem ich den Publizisten Werner Faulstich als das akzeptiert habe, als was er hier von der LZ-Redaktion vorgestellt wird (und als was er sich auch selbst zu verstehen scheint, da er sich ja nicht gegen diese Art des Vorgestelltwerdens wehrt), – nämlich als „irgendwie“ repräsentativ für die schwer zu fassende Gruppe derjenigen, die unter dem Etikett „Alt-68er“ rangieren.

      Bei meinem literarkritischen Urteil, das ich Ihnen auf Nachfrage gerne en detail erläutere, bleibe ich:

      An der im Namen von Herrn Faulstich veröffentlichten „sentimentalen Rhapsodie von abgegriffenen Stereotypen und wehleidigen Phrasen erstaunt vor allem“ deren „Bewusstlosigkeit“, d. h. das Fehlen von Selbstreflexivität, von Distanz und Ironie. Für mich ist das Altherrenkitsch, wie er immer wieder von jedem Jahrgang zurückblickender Erinnerungsseligkeit erzeugt worden ist.

      Und natürlich habe ich ein Zitat von Heinz Bude gewählt, das meinen Gedanken illustriert. Das ganze Buch sogar habe ich allein darum erwähnt, um dieses Zitat platzieren zu können. Erstaunlich, nicht wahr?

      Hier kommt Herr Bude, der auch nicht frei von floskelhaften Verallgemeinerungen ist, mit einer pointillistischen Annäherung an den von ihm gemeinten Phänotyp:

      „Mit 1968 verbindet man die sexualpolitischen Experimente der Kommune 1, die Spaziergang-Demonstrationen nach der »Fisch-im-Wasser-des-Volkes-Methode« von Mao Zedong, die Joghurtbomben, den adventsbekränzten Fritz Teufel, die unbekümmerte Uschi Obermaier, die Praktiken des Sit-ins und des Go-ins, Parolen wie »Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment«, den Dadaismus von Rudi Dutschke, die Kin- derläden, die Kritische Universität, die linken Buchläden, die Stadt- und Stadtteilzeitungen, die Roten Zellen in den Betrieben, die Arbeiterfilme, »I Can’t Get No« von den Rolling Stones, die Frage nach der sozialen Relevanz, die von Jimi Hendrix in Woodstock zerspielte amerikanische Nationalhymne, das Herstellen von Öffentlichkeit, die hochgereckten und schwarz behandschuhten Fäuste der US-amerikanischen Sprinter Tommie Smith und John Carlos auf dem Siegerpodest bei den Olympischen Sommerspielen von 1968 in Mexiko, die antiautoritäre Pädagogik, das Busenattentat auf Adorno im Hörsaal VI bei seiner letzten Vorlesung, die dieser in seinem Leben gehalten hat, den Zentralrat der umherschweifenden Haschrebellen, die Wiederentdeckung von Georg Lukács, Walter Benjamin, Rosa Luxemburg, Karl Korsch und natürlich der großen Theorie von Karl Marx und der berühmten 11.These über Feuerbach von 1845: »Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kömmt drauf an, sie zu verändern.« Nicht zuletzt Bob Dylans Stimme mit »The Times They Are A-Changin’« und den bewaffneten Kampf der Rote Armee Fraktion, kurz: der RAF.“

      Soweit Heinz Bude auf den Seiten 11 und 12 seines Büchleins. Entscheidend jedoch ist Budes anschließende Frage: „Aber verbinden auch die 68er ihre Lebenserfahrung damit?“

      „Damit“?

      Mit dieser Eingruppierung und mit solchen Zuschreibungen.

  3. Zitat Kevin Schnell: „Sie bezeichnen sich als 68er.“

    Meine Antwort: EBEN NICHT. Vielleicht gehöre ich eher zu der „schwer zu fassende(n) Gruppe derjenigen, die unter dem Etikett „Alt-68er“ rangieren.“ Aber wenn, dann bin ich definitiv vom Geburtstjahrgang her ein Post-Hippie / Prä-Punk.

    Summa summarum: Es gab nie „die 68er“, sondern ein vielschichtiges Spektrum (auch) am linken Rand, in dem viel Abstruses, aber auch viel Gutes stattfand und welches in der Zeit nach den 50igern mehr als notwendig war und die bis heute auch viel Gutes hinterlassen haben. Wesentlich mehr jedenfalls als die Kriegs-Generation, die in den 50igern so prägend war.
    „Mit 1968 verbindet man …“ Nun, ich verbinde damit alles was Herr Bude beschriebt, aber auch: Aufbruch, Erneuerung, Solidarität und Engagement, welches darüber hinausgeht welches Iphone man besitzt. (Jetzt werde ich auch mal polemisch)

    Es ist aktuell en vogue auf die Generation der 68er draufzuschlagen oder sie zu bewitzeln. Wer Böses denkt, könnte meinen, dass es dem zunehmendem konservativ-nationalistischem Spektrum gut zu Pass kommt. Zeitgeist halt.

    Was den Rest Ihrer Ausführungen betrifft, nennt man das auch mit bewegten Worten die Menge geißeln oder möglichst herrschaftssprachlich vorgehen.
    Wer will das man ihn versteht, sollte sich verständlich ausdrücken.

    • Lieber Herr Kein,

      mir war es um Herrn Faulstich und sein läppisches Textprodukt von oben zu tun, das all die formelhaft pauschalisierenden Vorstellungsschablonen aufruft, gegen deren vereinnahmende, um nicht zu sagen: erledigende Etikettierung Sie sich zu Recht verwahren. (Schröder ist Jahrgang ˋ44, Schäuble ˋ42, Gauland ˋ41, Faulstich und Trump ˋ46, Gerhard Ludwig Kardinal Müller ˋ47, Kretschmann ˋ48 — alles Alt-68er! Was haben die gemeinsam?)

      Meine Freundin Miriam hat die Irritation, welche peinlich poetisierende Zeitklagen – O tempora, o mores! – darüber, dass der Jugendschwung sich 50 Jahre später verloren, „die Revolte sich verlaufen“ habe, folgendermaßen kommentiert – und in ihrem Kommentar zugleich das „lyrisch klagende Ich“ als Typus porträtiert:

      „In den Siebzigern war das Rote-Armee-Fraktion-Zeichen mit der Kalaschnikow allgegenwärtig, ob an Wände gesprüht oder auf Bekennerschreiben, die in den Nachrichten gezeigt wurden. Ich war noch Kind und verband mit diesem Logo ausgemergelte, langhaarige, rauchende Leute, die eine andere Gesellschaft wollten und Waffengewalt für die Durchsetzung geeignet hielten. Mich wunderte nur irgendwie, dass die Maschinenpistole dieses Zeichens auf den Autohecks von ganz bürgerlichen Leuten auftauchte. Auf polierten, dicken Mercedessen oder vollbeladenen Familienkutschen prangte ein Gewehr. Es war zwar um 90 Grad gekippt, hatte den Lauf nach unten gerichtet, aber es strahlte genau diese bedrohliche Gewaltbereitschaft aus. Erst viel später erfuhr ich, dass es sich bei diesem Symbol um die Umrisse von Sylt handelte.“

      • Es ist schon erstaunlich dass manch einer nur sieht was er/sie sehen will und nicht was er/sie wirklich sieht. Das ist beim lesen und hören oft nicht anders. Woran liegt das nur?

        • Heidi, zu Ihrer sehr guten Frage gibt es eine ausgezeichnete Antwort. Sascha Lobo, den man nicht mögen muss, um seine Gedanken gelegentlich schätzen zu können, hat diese Antwort heute am frühen Nachmittag aus aktuellem Anlass unter der Überschrift „Trump wird nie verlieren“ bei SpiegelOnline gegeben. Lesen Sie nach! Es lohnt sich diesmal wirklich. Nach der Lektüre ordnen Sie sicherlich auch manchen LZ-Kommentar aus Amelinghausen oder Vierhöfen gleich sehr viel besser ein.

          • Mögen Sie auch verraten woran ein LZ-Kommentar aus Amelinghausen oder Vierhöfen zweifelsfrei zu erkennen ist. Ich habe diese Fähigkeit bislang nicht.

          • P.S.: Und natürlich was das mit diesen Orten zu tun haben soll. Erscheint mir sinnfrei.

      • Ich verallgemeinere die 68er Generation, als die erste Generation, die in augenscheinlicher Breite die Möglichkeit hatte zu tun und zu lassen, was sie wollte ohne mit der Konsequenz leben zu müssen am nächsten Tag nicht genügend Essen auf dem Tisch zu haben. Dies wurde ihr maßgeblich durch knüppelharte Arbeit und Aufbauleistung der Generationen vorher ermöglicht, der es unter anderem nicht vergönnt war jahrelang Ohne Abschlussdruck zu studieren und die Welt zu erkunden. Die 68er mussten auch nicht mehr moralisch sein und konnten diese gar abschaffen, weil die Anti Babypille es ihr ermöglichte Sex zu haben ohne Verantwortung übernehmen zu müssen. Sie konnte in Theorien, Utopien, Ideologien und Spinnereien leben, weil der Alltag und die Praxis ihr nicht viel abverlangten. Es war sozusagen die erste Wohlstandsgeneration und es wird heutzutage deutlich, wie sie sich an der Welt bedient hat. Wie sie sich einen Sozialstaat leistete und Renten zahlte, die für die nachfolgenden nicht wieder erreichbar sind, die den Konsum fröhnte, die die Individualisierung vorantrieb und das soziale zur Staatsaufgabe machte anstatt zum miteinander. Eine Generation, die als sie selbst arbeiten gemusst hätte einen Schuldenberg hinterlässt wie nie zuvor aber die Verantwortung im System sucht, die es selbst geschaffen hat. Eine Generation die über ihre Verhältnisse lebte aber den Nachfolgenden die Suppe auslöffeln lässt, die sich aber moralisch über die Generation erhebt, die ihr dies ermöglicht hat und die für den von ihr verursachten Schlamassel noch büßen musste und den Laden wieder aufmöbelte. Selbstgerechtigkeit ist ein wesentliches Merkmal vieler 68er. In diesem Zusammenhang sei nur an die Grünen mit Joschka Fischer und Vollmer erinnert, die das Tabu brachen und Deutschland wieder an einem völkerechtswidrigen Krieg teilnehmen zu lassen (Jugoslawien) und die meinten uns am Hindukusch verteidigen zu müssen.

        • Klaus
          die 68er hatte es nie gegeben. es gab schon immer gehemmte und ungehemmte. es war eine zeit des umbruchs. männer mussten endlich mal anfangen zu akzeptieren, dass frauen die gleichen rechte haben wie männer. es hat noch bis 1977 gedauert,bis frauen ohne die erlaubnis ihrer männer arbeiten gehen durften. gerade konservative männer würden die zeit gern wieder zurückdrehen. was die rente betrifft, wer hat denn nun wirklich die rentenkasse geplündert? war das nicht der einheitskanzler? und wer hat dafür gesorgt, dass die beiträge zur krankenkasse für die arbeitgeber gedeckelt wurde, so dass der arbeitnehmer immer mehr zahlen musste? die 68er? Klaus Schuldzuweisungen beherrscht so mancher deutsche hervorragend, leider hat er oft probleme mit der kausalität.

        • „Dies wurde ihr maßgeblich durch knüppelharte Arbeit und Aufbauleistung der Generationen vorher ermöglicht, der es unter anderem nicht vergönnt war jahrelang Ohne Abschlussdruck zu studieren und die Welt zu erkunden“

          Die Welt wurde „erkundet“ in Russland, Polen, Frankreich, Österreich, Holland etc. p.p.
          Hinterlassen wurde eine Aufbauleistung die durch diese „Erkundungen“ erst provoziert wurde.

          Meine Eltern (Vater Jahrg. 1917) gehörten zu dieser Generation und die hat bitter leiden dürfen, während Adenauer und Kohorten an diesem Aufbau trefflich verdient haben.

    • ich bin’s, der Debatten-Detlev, und hier ist mein Debattenbeitrag, wo am Ende rauskommt, dass die größte Gefahr von links kommt. Frauen mit ihren Entscheidungen machen mich wahnsinnig. Ich sage nur, wie es ist. Wir geben ihnen Posten, Wahlrecht und Kolumnen, und was machen sie damit? Hysterisch rumstressen. Eine Autorin, deren Name mir entfallen ist, Nina, Laura, Anna, so was eben, hat eine Lesung abgesagt, weil in der Buchhandlung, in der sie lesen sollte, ein klitzekleines Büchlein eines leicht konservativ angehauchten Autors irgendwo rum gelegen haben soll. Vielleicht hatte es ja nur jemand dort vergessen, schon mal darüber nachgedacht, du Antifahirni?

      Dieser Tugendterror, diese Verbotskultur, der Aufruf zum Verbrennen politisch unkorrekter Werke gleicht einem Mordversuch an Debatte, Demokratie, zivilisatorischen Errungenschaften und ja, ich spreche es hier offen aus, auch an echten Menschen. Ein Armutszeugnis, eine Kapitulation, ein Inferno, das Ende der Welt. Das erinnert an ganz dunkle Zeiten, wenn du mich fragst. Ich jedoch bin gewarnt. Meine Eltern haben mir oft erzählt von der Zeit, in der massenweise Menschen Lesungen in Buchläden abgesagt haben und darauf ewig andauernde Internetdebatten folgten mit Für und Wider, ob eine Person entscheiden darf, wo sie auftritt, weil sie „Prinzipien“ hat. Nie wieder! Geht es nicht mal eine Nummer kleiner als direkt einen Völkermord an unschuldigen Blättern Papier zu begehen?

      Unterschiedliche Auffassungen über Dinge – können wir das nicht aushalten? Ich denke ja, und bin deswegen gegen die Meinung dieser Frau. Ich bin in die abgefackelte Buchhandlung gefahren und habe mir das mal angesehen. Verrückt, ich wurde da nicht direkt von Hitler begrüßt! Das meine ich ironisch, denn das war ja wohl klar. Die Bücher, um die es geht, sind harmlos. Sie sind vor allem ganz schön klein, man kann sie sogar in die Hand nehmen. Wie soll denn so was gefährlich sein? Das ist so irrational wie die Angst vor Spinnen! Drinnen steht maximal sowas wie, dass bestimmte Menschen halt minderwertig sind. So what? Ich habe sie einfach ein bisschen gestreichelt, geküsst, geswaffelt … Sie alle mit nach Hause genommen, ihnen Namen gegeben, ihnen schöne Kleider aufgetragen, sie in mein Bettchen gelegt … Der Rest ist mir jetzt doch zu privat, hehe. Sagen wir so, ich habe mich schon immer gern der Ausgestoßenen „angenommen“.

      Sicherlich wird das hier wieder nicht abgedruckt. Okay, es ist ja auch für Online, aber dennoch, Sie wissen, worauf ich hinaus will.

  4. Die Zeit der Schubladendenkweisen wird nie zu Ende gehen!

    Ich persönlich wähle grün und finde das Otto von Bismarck einer der größten deutschen Politiker war.( Ja liebe Österreicher, der deutsche Nationalstaat hätte anders nicht Wirklichkeit werden können…)
    Also wie passt das zusammen? Für die AfD-Freunde bin ich als Grünenwähler „linksgrünversifft“ blabla oder sogar Kommunist und zumindest Anarchist – und als Bewunderer Bismarcks bin für die Gegenseite stumpf ein „Nazi“(Auch schön das für die Bezeichnung von“Rechten“[Nationalisten, Radikale etc.] immer ein fremdländisches Kunstwort verwendet wird.)!

  5. Wir bitten noch einmal darum, hier nicht unter wechselnden Namen und Fantasie-Mail-Adressen zu schreiben. Wenn uns solche Fälle auffallen, werden die Beiträge nicht freigeschaltet – unabhängig vom Inhalt.

    bol/LZonline

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