Bargdorf: Die Nachbarn sind fassungslos

Polizisten suchen nach Spuren vor dem Haus, in dem das Ehepaar wohnte, das von dem 85-Jährigen erschossen wurde. (Foto: phs)

Polizisten suchen nach Spuren vor dem Haus, in dem das Ehepaar wohnte, das von dem 85-Jährigen erschossen wurde. (Foto: phs)

Bargdorf. Der Tathergang ist weitgehend geklärt, die Spurensuchteams sind abgezogen. Was bleibt, ist Fassungslosigkeit über diese Tat. „Er war ein sehr ruhiger und freundlicher Mann. Er ging hier immer mit seinem Hund vorbei“, schildert ein Bargdorfer den 85 Jahre alten Mann, der am Freitag ein benachbartes Ehepaar und dann sich selbst erschossen haben soll. Eine Tat, die das kleine Dorf nahe Bienenbüttel lange nicht zur Ruhe kommen lassen wird. Der Tatort liegt etwas abseits des Dorfes. „Da hinten war öfter die Polizei“, sagt ein Bargdorfer. Er zeigt in Richtung eines Waldstückes, in dem einige Häuser stehen. Röper Heide, eine ehemalige Ferienhaussiedlung. Die Hausnummern 16 und 18 sind der Polizei bekannt. Mehrfach wurde sie gerufen, um Streits zwischen den Nachbarn, dem 85-Jährigen und dem Ehepaar, 62 und 61 Jahre alt, zu schlichten – mitten in dieser Idylle. „Er hatte eines der schönsten Häuser hier, wohnt schon seit den 1960er- oder 1970er-Jahren in dieser Ferienhaussiedlung“, sagt ein sichtlich betroffener Mann, der den 85-Jährigen schon lange kennt. „Ich hätte nie damit gerechnet, dass er so etwas tut. Ich hätte die Hand für ihn ins Feuer gelegt. Er war so freundlich und ruhig.“ Das Haus des alten Mannes ist vom Weg aus kaum zu sehen, überall verdecken Bäume und Büsche die Sicht. Nahe der Grundstücksgrenze sieht man einen Carport, davor steht ein neuerer Volvo. Der Briefkasten ist auf einer selbst gefertigten Holztafel mit kleinem Dach montiert. Darauf stehen die Namen des 85. Jährigen K., seiner Lebensgefährtin W. und des Hundes: „Mit Dachs“, ist auf dem Briefkastenschild eingeprägt.

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„Er hatte noch viele Pläne“

Die Lebensgefährtin des Mannes sei seit einem halben Jahr in einem Pflegeheim. Er selbst hatte noch Pläne. „Er hat mir gesagt, dass er umziehen will. Richtung Plön. Und dass er schon einen Käufer für sein Haus hat.“ Die Nachbarn hätten ihn manchmal „getriezt“. Es gab Lärm, oft sei Alkohol bei dem Ehepaar im Spiel gewesen. Zuletzt soll es einen Streit um zwei oder drei Bäume gegeben haben. Die Nachbarn hätten von dem 85-Jährigen verlangt, dass er die Bäume fällen lässt. Aber deswegen eine solche Eskalation? „Ich kann mir nur vorstellen, dass er plötzlich keinen anderen Ausweg mehr gesehen hat“ sagt der Bargdorfer. Hinzu komme, dass es seiner Lebensgefährtin deutlich schlechter gegangen sein soll in den vergangenen Tagen. „Wir gehen von einer absoluten Kurzschlusshandlung aus“, sagt auch Polizeisprecher Kai Richter. Der Tathergang sei hingegen weitgehend geklärt. Am Freitag gegen 12.15 Uhr hatten Anwohner Schreie und mehrere Schüsse gehört. Die Polizei rückte an. Und stellte fest, dass die Situation sehr unübersichtlich ist. Spezialkräfte wurden angefordert. Aus Hamburg, aus Hannover. Auch ein gepanzerter Wagen. Häuser der Anwohner wurden aus Sicherheitsgründen evakuiert, die Bewohner in Notunterkünfte gebracht. Dann sei auf dem Grundstück Nr. 16 die Leiche des 62 Jahre alte Mannes entdeckt worden. Wenig später, an anderer Stelle, die Leiche der 61 Jahre alten Ehefrau. „Wir wussten, dass der Nachbar dieses Ehepaares mehrere Waffen legal besitzt, und dass es schon mehrere Streits mit den Nachbarn gegeben hatte“, sagte Richter. Und: "Wir mussten sehr vorsichtig vorgehen." Die Polizei wusste nicht, ob sich der 85-Jährige noch irgendwo auf dem Grundstück der Nachbarn, auf seinem oder anderen Grundstücken aufhält und womöglich eine oder mehrere seiner Waffen trägt.

Mit einer Kurzwaffe erschossen

„Ich habe auch Stunden nach dem Polizeieinsatz noch Schüsse gehört, 12 bis 16 waren es sicher“, sagt ein Bargdorfer. Die Polizei habe ihm gesagt, dass man Türen aufsprenge. „Doch ich kann Schüsse von Explosionen unterscheiden“. Richter erklärt, dass mehrere Türen auf den Grundstücken „gesprengt“ wurden. Ob dabei statt Sprengstoff so genannte Pumpguns benutzt wurden, will Richter nicht bestätigen. Dafür erklärt der Polizeisprecher, warum auch die Presse erst so spät informiert wurde. „Wir haben den 85-Jährigen erst gegen 20.30 Uhr leblos in seinem Haus aufgefunden.“ Erst danach sei die Lage sicher gewesen. Für die Ermittler steht fest: Der 85-Jährige hat die beiden Nachbarn mit einer Kurzwaffe erschossen. Danach ist er in sein Haus zurückgekehrt und hat sich selbst getötet. Alle Opfer weisen Schusswunden auf. Alle Spuren weisen klar auf den alten Mann als Täter hin. Ob es angesichts der eindeutigen Spurenlage, die auch Gerichtsmediziner aus Hamburg schon am Freitag festgestellt hatten, überhaupt noch Obduktionen der Leichen gibt, „wird erst Anfang dieser Woche entschieden“, sagt Richter. Für die Bargdorfer wird das nichts an ihrer Fassungslosigkeit über diese Tat ändern. Von Werner Kolbe

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