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Kommentar

Und Kassandra hat recht

Von Joachim Zießler

Auch wenn Donald Trump und die anderen Klimawandel-Leugner die Zeichen nicht erkennen wollen, illustriert das Hochwasser in Südniedersachsen doch sehr gut die Statistiken mit ihrer stetigen Abfolge von Jahren mit neuen Rekordtemperaturen. Die Vorhersagen der Klimaforscher stimmen: Das moderate Klima, das der Homo sapiens so schätzt, verabschiedet sich gerade. Heiße Trockenheit und heftiger Regen lösen sich ab. Jedes Grad an Temperatursteigerung lässt die Regenintensität um sieben Prozent steigen, weil mehr Wasser und Energie ins Wettersystem gelangen.
Die Unwetter im Harz brachten in wenigen Stunden so viel Wasser auf den Boden wie sonst im gesamten Juli. Das überfordert Talsperren und Kanalisationen. Die Güte des Sommers wird sich künftig daran bemessen, wie oft der Keller überflutet war. Und sogar Europa, dieser kleine Wurmfortsatz des eurasischen Kontinents, wird ganz unterschiedlich von dem Dreh des Menschen am Klima-Thermostat getroffen. Während sich die Tiefdruckgebiete brachial über Mitteleuropa abregnen, verdorrt Südeuropa unter sengender Hitze.
Während in Niedersachsen ein Übermaß an Wasser zum Katastrophenalarm führte, schlugen die italienischen Behörden wegen eines über Monate währenden Wassermangels Alarm.
Das Klima wäre auch ohne den Menschen instabil. Doch die Verfeuerung fossiler Ressourcen, die über Jahrmillionen aus dem Klimasystem herausgenommen worden waren, innerhalb weniger Jahrzehnte ließ das Chaos die Wetterküche erobern.
Wir werden viel Leidensfähigkeit brauchen, um uns an eine Welt anzupassen, in der der Klimawandel Fischernetze und Scheunen leert, Kriege brutalisiert und die Bereitschaft zur Flucht anheizt.