Dienstag , 19. September 2017
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Trump im Herzen der Finsternis

Von Joachim Zießler

Auch wenn US-Außenminister Rex Tillerson Kompromissbereitschaft der USA beim Pariser Klimaabkommen andeutet, sollten sich Blütenträume von einer Wende des Weißen Hauses Richtung Vernunft nach den bisherigen Erfahrungen mit Donald Trump verbieten. Der größte Fortschritt durch den Auftritt des US-Präsidenten bei den Vereinten Nationen wird darin liegen, dass es ihn überhaupt gab. Selbstverständlich war das nicht, sehen doch viele von Trumps Wählern und einige seiner Einflüsterer in den UN das Herz der Finsternis, den Ort, an dem die Verschwörung zur Eroberung der USA ihren Sitz hat.
Trump sieht in der UNO eine Quasselbude, in der andere Nationen auf Kosten der USA „Spaß haben“. Ihn treibt folgerichtig nur die Frage um, wie das Kosten-Nutzen-Verhältnis für Washington verbessert werden kann. Es ist schwer vorstellbar, dass die Diplomaten in New York dem Baulöwen vermitteln können, dass die UNO kein Bauhof ist, die mit effizienteren Strukturen bessere Ergebnisse erzielen könne. Unvorstellbar sogar, einem Mann die historische Dimension dieser Organisationen vermitteln zu können, der glaubt, er könne mit einem Deal für Frieden in Nahost sorgen, gerade indem er auf historische Erblasten keine Rücksicht nehme. Gegründet wurde die UNO als Reaktion auf den Zweiten Weltkrieg. Roosevelt und Churchill wollten eine friedliche Welt zimmern, indem die Staaten auf Gewalt verzichten und abrüsten – mit Ausnahme Großbritanniens und der USA, die als Weltpolizisten fungieren wollten.
Die UNO war also von Anfang an auch ein Machtinstrument, mit dem das amerikanische Imperium seine Macht zementieren konnte. Das etwas den USA nützt, obwohl das Leitprinzip Universalität ist, ist allerdings ein Gedanke, der dem UN-Verächter bizarr vorkommen muss.