Samstag , 24. Oktober 2020
Roger de Weck kommt am Donnerstag, 17. September, in die Industrie- und Handelskammer. Foto: Danielle Liniger

Die Kraft der Demokratie

Lüneburg. Die Sachbuchreihe „Was uns bewegt“ des Literaturbüros Lüneburg nimmt Stellung zu aktuellen, gesellschaftlich relevanten Themen. Sie geht am Donnerstag, 17. September, mit Roger de Weck und seinem Buch „Die Kraft der Demokratie. Eine Antwort auf die autoritären Reaktionäre“ in eine neue Runde. Wie können Demokraten an der Demokratie von morgen arbeiten und sie aktionsfähig machen? Darüber spricht er mit Jan Ehlert um 19.30 Uhr im großen Saal der Industrie- und Handelskammer (Am Sande 1).

Warnung vor Big Data und Big Money

Der Autor schlägt in „Die Kraft der Demokratie“ einen weiten Bogen: Liberale Demokratie macht unfrei, Grüne legen Waldbrände, Feministinnen sind totalitär, Reiche werden diskriminiert – Schlagzeilen der rechten Propaganda. Inzwischen mutiert die Markt- zur Machtwirtschaft: Big Data und Big Money haben die demokratische Ordnung auf den Kopf gestellt. Die Wirtschaft reguliert den Staat. Rundum bedrängen Autoritäre die Demokratie. Doch warum bleiben Liberale und Linke so defensiv? Kippen die Konservativen nach rechts? Damit Gestrige nicht die Zukunft für sich vereinnahmen, so Roger de Weck, müssen Demokraten gemeinsam mit der Generation Greta an der Demokratie von morgen arbeiten.

Roger François Philippe de Weck, Jahrgang 1953, studierte Volkswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Wirtschaftsgeschichte an der Universität St. Gallen. Der zweisprachige Schweizer stieg als Wirtschaftsredakteur und Zürcher Korrespondent der Tribune de Genève in den Journalismus ein. Mit Max Mabillard veröffentlichte er 1977 den Bestseller Scandale au Crédit Suisse („Der Fall Chiasso“) über einen Finanzskandal bei der Grossbank Credit Suisse, damals noch Schweizerische Kreditanstalt. 1979 wechselte er als Wirtschaftsredaktor zur Zürcher Weltwoche. Von 1983 an arbeitete er für die Hamburger Wochenzeitung Die Zeit als politischer Redakteur, Pariser Korrespondent, Reporter und – nach einem Jahr im Verlag – als Leiter des Wirtschaftsressorts. 1992 kehrte er als Chefredakteur des Tages-Anzeigers zurück nach Zürich. 1997 wechselte er abermals nach Hamburg zur Zeit, diesmal als Chefredakteur.

Von 2001 bis 2010 war Roger de Weck freier Publizist. Er schrieb für Printmedien in Deutschland, Frankreich und in der Schweiz. Von 2004 bis 2010 war er Präsident des Stiftungsrats des Genfer Graduate Institute of International and Development Studies. De Weck ist Lehrbeauftragter am College of Europe in Brügge und Warschau/Natolin, Stiftungsrat des Aachener Karlspreises, Herausgeber der außenpolitischen Buchreihe Standpunkte der Körber-Stiftung, 2004 erhielt er den Medienpreis Davos.

Am 20. Oktober geht es mit „Das Feuer des Drachen“ um China. Thomas Reichart leitete von 2014 bis 2019 das ZDF-Studio Ostasien in Peking, das verantwortlich ist für die Berichterstattung über China, Nord- und Südkorea, Japan und die Philippinen. Sein Buch ist eine Bilanz seines fünfjährigen Aufenthalts in Peking und zugleich ein Weckruf, denn er ist sicher: „Das Feuer des Drachen wird uns einheizen!“. Jan Ehlert moderiert die Veranstaltung um 19.30 Uhr im Glockenhaus.

China im Stil einer neuen Kolonialmacht

Chinas Diktatur treibt eine hocheffiziente Wirtschaft an: Pro Jahr mehr als 1.500 Kilometer neue Gleise für Hochgeschwindigkeitszüge, über ein Dutzend neue Wolkenkratzer allein in Shenzhen und mindestens 1,38 Millionen neue Patente. Sie baut einen digitalen Überwachungsapparat auf, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat, und dehnt im Stil einer neuen Kolonialmacht ihren Einfluss aus – ob in Afrika, bei der neuen Seidenstraße oder durch Investitionen in Griechenland oder Portugal, für die im Gegenzug Linientreue bei EU-Resolutionen gezeigt werden muss. Andere Länder fangen an, das chinesische Modell als Vorbild zu betrachten.

In Hongkong prallen das autoritäre System Chinas und das demokratische System des Westens aufeinander. Thomas Reichart ist preisgekrönter Autor zahlreicher Dokumentationen, zuletzt des Zweiteilers „Die neue Seidenstraße – Chinas Griff nach Westen“. Seit 2020 berichtet er aus dem Berliner Hauptstadtstudio über Außen- und Sicherheitspolitik.

Von Frank Füllgrabe