Das Marmelock-Theater führt mit seinen Protagonisten in einen unheimlichen Graubereich zwischen Leben und Tod. Foto: Marmelock

Zwischen den Welten

Heiligenthal/Lüneburg. Das Figurentheater Marmelock startet mit einem skurrilen Stück für Erwachsene in die neue Theatersaison: „Hotel zu den zwei Welten“ von Éric-Emmanuel Schmitt. Fünf Menschen versammeln sich in der Halle eines Hotels – Menschen von unterschiedlichem Geschlecht, Alter, Herkunft, Lebensläufen, sozusagen ein Querschnitt durch die Gesellschaft. Alle fünf aber haben eines gemeinsam - ihre bewusstlosen Körper liegen irgendwo in irgendeinem Krankenhaus im Koma auf der Intensivstation, während sie hier in diesem Hotel, in diesem Übergangsbereich, darauf warten, dass sich ihr Schicksal entscheidet. Das Schmitt-Stück feiert am Freitag, 18. September, um 20 Uhr Premiere in der Kulturbäckerei.

Regisseurin Friederike Karig von der Staatsoper Hannover hat die Textvorlage um ein gutes Drittel zusammengekürzt und auf die Essenz des Stückes verdichtet. „Im Figurentheater setzen wir auf Handlung und Emotionen, da die Figuren über keine Mimik verfügen“, so Figurenspielerin Britt Wolfgramm, „lange Textpassagen wäre da kontraproduktiv. Ich denke, mit den skurrilen, lebensgroßen Figuren von Judith Mähler ist uns eine starke Bildersprache gelungen.“ Neben Britt Wolfgramm spielt Christoph Linder, für Musik und allerhand Geräusche ist Holger Kirleis am Piano zuständig. Bühne: Mathias Müller-Wolfgramm, die Bühnenmalerei stammt von Rike Glandorf.

Im „Hotel zu den zwei Welten“ dreht sich alles um die Wechselseiten des Lebens und das Mysterium des Todes. Drei Männer und zwei Frauen treffen in der Lobby aufeinander. Werden sie wieder ins Leben zurückgerufen, oder müssen sie, weil ihr Fall hoffnungslos, den Weg in die Ewigkeit (oder vielleicht auch das große Nichts) gehen? Alle Charaktere werden durch Puppen und ihre Spieler zum Leben erweckt: der konservativer Präsident mit großem Ego, die Putzfrau Marie, deren Herz so müde ist, der gutaussehende Julien, der viele Verehrerinnen hat, innerlich aber leer und ausgebrannt ist, der geheimnisvolle Magier und die junge Laura.

Heute sind alle Varianten denkbar

Das Theater Marmelock wurde 1986 gegründet, der (etwas abgewandelte) Name stammt aus dem Gedicht „Fauler Zauber“ von Erich Kästner. Da ist also erstens Puppenspielerin Britt Wolfgramm, die Tochter des Kriminalhauptkommissars und Zauberweltmeisters Mr. Cox (1932-2012), also mit Bühnen-Magie aufgewachsen. Sie erweiterte ihre Ausbildung zur Grafik-Designerin um zwei Jahre Lehre bei Fritz Fey, dem Begründer des Theaterfigurenmuseums Lübeck. Zweitens: Mathias Müller-Wolfgramm, Innenarchitekt, zuständig für Bühne, Licht, Technik und Fotografie. Seit einigen Jahren ist das Mr.-Cox-Haus in Heiligenthal das Domizil der Wolfgramms.

Britt Wolfgramm und ihre Kolleg(inn)en führen die Figuren offen, ohne Versteck, übernehmen auch selbst mal Rollen, das ist heute in der Branche Standard. Früher wurde hinter einer Vorhang-Wand nach oben heraus gespielt, siehe Kasperle-Theater, später verlagerte sich das Geschehen auf einen Tisch, heute sind alle Varianten denkbar – Hauptsache, der Zauber kann sich entfalten, meistens vergisst man als Zuschauer schon bald die Macher hinter den Helden.

Vorbestellungen für das „Hotel zu den zwei Welten“: www.marmelock.de Tel. 0511/614494 marmelock@gmx.de. Am Sonnabend, 19., beginnt um 20 Uhr eine zweite Vorstellung.

Von Frank Füllgrabe