Freitag , 30. Oktober 2020
Links: „Das Fahrzeug auf welchem der russische Gesandte zuerst in Nagasaki an Land fuhr“ (8. Oktober 1804 - 17. April 1805; Ausschnitt). Rechts: Admiral Adam Johann von Krusenstern (Gustav Adolf Hippius, Lithographie, um 1825). Foto: privat

Kabinettausstellung über Admiral von Krusenstern

Lüneburg. Friederike Kempter spielte im Fernsehen die Münsteraner „Tatort“-Kommissarin Nadeshda Krusenstern. „Die Kombination von Vor- und Nachname ist kein Zufall“, sagt Dr. Eike Eckert, Kurator am Ostpreußischen Landesmuseum. Denn Nadeschda („Hoffnung“) hieß das Schiff, mit dem Admiral Adam Johann von Krusenstern die erste russische Weltumsegelung gelang. Das Segelschiff, nach heutigen Begriffen kaum mehr als eine Nussschale, dürfte in seiner Heimat ähnlichen Kultstatus haben wie die „Santa Maria“ von Columbus. Krusenstern, vor 250 Jahren im damals russischen Gouvernement Estland in einer deutschbaltischen Familie geboren, ist nun zum Jubiläum die Kabinettsausstellung „Reise um die Welt“ im Ostpreußenmuseum – mit Deutschbaltischer Abteilung – gewidmet.

Der Titel bezieht sich auf den Atlas, den der Admiral im Jahre 1814 herausgab, und der die Reise dokumentierte. Im Mittelpunkt stehen 104 Kupferstiche, deren Vorlagen überwiegend der Leipziger Arzt, Zeichner und Naturforscher Wilhelm Gottlieb Tilesius von Tilenau (1769-1857) fertigte, der an der Expedition teilnahm. Die Lüneburger Ausstellung zeigt nun eine Auswahl von 25 Kupferstichen.

Hoffnung auf Handel und diplomatische Beziehungen

Krusenstern machte sich 1803 im Auftrag des Kaisers Alexander I. auf den langen und streckenweise riskanten Weg. Neben der Nadeschda stach die Newa in See, unter dem Kommando von Krusensterns Jugendfreund Juri Lissjanski. Die Reise, in der die Segler zum Teil unterschiedlichen Kurs fuhren, führte von Kronstadt aus über Teneriffa und die brasilianische Insel St. Catharina, Kap Hoorn, die Marquesas-Inseln in der Südsee (Nuku Hiva), Nagasaki, Kamtschatka, die Küsten Japans und Sachalins, die Aleuten- und Kurilen-Inseln über Macao, China und das Kap der Guten Hoffnung im August 1806 zurück nach Europa.

Der Admiral hatte umfangreiche Order erhalten. Das aufstrebende russische Imperium war im Pazifik mit den alten europäischen Kolonialmächten in Konkurrenz getreten. Besonders im Blick waren Japan, China und die eigenen Stützpunkte in Russisch-Alaska. Es galt, es, den Handel voranzutreiben, diplomatische Kontakte zu knüpfen, aber auch die Naturwissenschaften zu füttern. Astronomen, Naturforscher und ein Arzt zählten zur Crew, die eifrig beobachtete, vermaß, ortete, kartographierte, notierte und skizzierte.

Krusenstern war ein moderner Kapitän. Es gab an Bord keine Prügelstrafe, die Verpflegung der 85köpfigen Mannschaft war (vergleichsweise) gut. In den 1109 Reisetagen gab es unter den Seeleuten nur zwei Verluste: der Schiffskoch starb an Krebs, ein Offizier beging Selbstmord, er litt vermutlich unter Depressionen. Der Kapitän selbst lebte keineswegs komfortabel, er musste seine kleine Kajüte mit einem russischen Gesandten teilen.

Erfolge für Kaufleute und Wissenschaftler

Die Kupferstiche zeigen unter anderem reich tätowierte Polynesier, Ansichten von Küsten, Inseln und Städten, das Porträt einer Ainu-Frau, Studien vom Schwarzen Papageienfisch und eine Szene aus einem japanischen Wachhäuschen. Die Japaner waren höflich zu den Gästen, die aber nicht an Land durften. Dem Gesandten erteilten sie eine klare Absage, sie wollten keinerlei Beziehungen zu Russland.

Besser voran kamen die Kaufleute und Wissenschaftler, der Ertrag der Weltumsegelung gilt als immens. Die genaue Aufnahme und Erforschung zuvor wenig bekannter Länder und Meere, neuartige Erkenntnisse vor allem in der Nautik, Ozeanografie, Kartografie, Astronomie und Ethnologie machten die Expedition von Krusenstern zu einem runden Erfolg.

Die Eröffnung der Ausstellung – mit dem Besuch des Botschafters der Republik Estland – hatte unter Corona-Bedingungen stattgefunden, wurde live per Video übertragen. Das Museum nimmt wieder Fahrt auf: „Dank der zugesagten Hilfe von Bund und Land können wir die Einnahmeausfälle in diesem Jahr kompensieren“, so Museumsdirektor Dr. Joachim Mähnert.

Dr. Eike Eckert stellt am Sonntag, 4. Oktober, um 14 Uhr seine Krusenstern-Ausstellung vor, Anmeldung unter +49 (0)4131 759 950 oder info@ol-lg.de erbeten. Die russische Marine ist übrigens heute mit dem Schulschiff „Kruzenshtern“ unterwegs – ein Viermaster, ein Vielfaches größer als seinerzeit die kaum 35 Meter langen, in England gebauten Nadeschda und Newa.

Von Frank Füllgrabe