Konzert von Michael Fitz
Ein Schauspieler als Musiker: Michael Fitz trägt sehr persönliche Lieder vor (Foto: phs).

Michael Fitz: Ein Schauspieler macht Musik

Reinstorf. Michael Fitz – der Name sagt vielen Menschen auf Anhieb etwas. Kein Wunder, Fitz stammt aus einer prominenten Familie. Schon sein Vater Gerd Fitz war Schauspieler, auch seine Tante Veronika werden einige aus dem bayerischen „Komödienstadl“ kennen. Michael Fitz ist ein Cousin der Kabarettistin Lisa Fitz und, ohne diese Aufzählung übermäßig in die Länge zu ziehen, eines ist klar: Die Schauspielerei liegt der Familie Fitz im Blut. Dass in seinem Fall dazu auch Musik kommt, das wurde jetzt im One World in Reinstorf deutlich.

Michael Fitz hat häufig vor der Kamera gestanden, als Ermittler an der Seite von Batic und Leitmayr im Münchener Tatort, aber auch in diversen Kinofilmen und Fernsehserien. Die Musik nahm ihn mit 13 Jahren gefangen, in den Achtzigern lernte er Gitarre spielen, Songs von Genesis und Bob Dylan waren damals angesagt. Die Liebe zur Musik hat gehalten, inzwischen geht Fitz regelmäßig auf Tour, fünf bis sieben Gitarren hat er stets im Gepäck.

Auch schwierige Vater-Sohn Beziehung wird thematisiert

Es sind Soli, die er absolviert, oft auch auf kleineren Bühnen, denn dort hat seine Musik den Raum, um zu wirken. Fitz singt und spielt keine gängigen Pop-Rhythmen oder massenkompatible Volksmusik, er hat sich seinen eigenen musikalischen Kosmos geschaffen. Texte und Melodien kommen von ihm selbst, und gerade bei den Texten legt er Wert darauf, dem Publikum etwas von dem mitzugeben, was ihm wichtig ist. Da geht es um Zwischenmenschliches, in „Du siehst mich nicht“ zum Beispiel um eine schwierige Vater-Sohn Beziehung. Die Versuche des Kindes, Aufmerksamkeit beim Vater zu finden, scheitern kläglich: Was immer auch das Kind unternimmt, der Vater hat anderes zu tun, als sich mit Kinderkram zu befassen.

„Um ein selbstbewusster Mensch zu werden, braucht man gerade in der Jugend viel Zärtlichkeit und Sympathie. Man muss das Gefühl haben, dass man erwünscht ist, dass man an seinem Platz richtig ist“, sagt der Musiker. Dass ihm dieses Gefühl so manches Mal gefehlt hat, daraus macht er keinen Hehl. Den Song über Vater und Sohn hat er nach dem Tod seines eigenen Vaters aus dem Programm genommen: „Ich dachte, die Sache ist jetzt für mich erledigt.“ Doch viele Hörer haben ihn gerade auf dieses Lied immer wieder angesprochen, jetzt ist es wieder von ihm zu hören.

Lieder häufig in bayerischer Mundart

Der Abend im Reinstorfer One World kreist häufig um Beziehungen, sie sind es eben, die menschliches Leben prägen. Dass für den Einen in einer Zweierbeziehung das Glas immer halb voll und für den Anderen womöglich immer halb leer ist, besingt Fitz ebenso wie den Fallschirm für den Schleudersitz, den es manchmal in einer Beziehung braucht.

Ob man bleibt und wie lange eine Beziehung dauert, wie es ist, mit dem Wechsel der Partnerschaften zu leben – darüber reflektiert er in seinen Liedern, häufig in der bayerischen Mundart, was den norddeutschen Konzertbesucher bisweilen vor Herausforderungen stellt. Doch der Musiker Fitz mutet es den Menschen zu, er verleugnet nicht, woher er kommt: Niederbayern, das ist, wenn man hinter Passau von der Autobahn abfährt, und dann kommt lange Zeit nichts mehr. Kein Vergleich mit der Bilderbuchidylle in Oberbayern, trotzdem, Fitz steht zu diesem Land, zu den Menschen und zu dem, was das Leben ihm an Einsichten vermittelt hat. Damit ist er unterwegs und präsentiert ein Stückchen von sich selbst. Allein mit seinen Gitarren und mit Geschichten im Gepäck, die sein Leben für ihn geschrieben hat.

Von Elke Schneefuß