Constance (Berna Celebi) möchte unbedingt hier wohnen. Monsieur Henri (Matthias Herrmann) ist nicht begeistert. Foto: t&w

Premiere im Theater: „Die Studentin und Monsieur Henri“

Lüneburg. Ein griesgrämiger alter Herr, der auf keinen Fall ins Altenheim will. Ein Sohn, der nicht möchte, dass sein Vater weiterhin alleine lebt. Eine Studentin, die verzweifelt auf der Suche nach einem WG-Zimmer ist. Und eine Ehefrau, die ihren Schwiegervater nicht sonderlich begeistert. Das ist die Personnage von Ivan Calbéracs mehrfach ausgezeichneter Generationenkomödie „Die Studentin und Monsieur Henri“. Unter dem Titel „Frühstück bei Monsieur Henri“ ist das Stück auch verfilmt worden. Nun feiert es am Theater Lüneburg Premiere.

„Bei diesem französischen Konversationsstück entsteht der Humor durchs Wiedererkennen von Situationen“, erklärt Jörg Gade, der das Stück für die große Bühne des Theaters Lüneburg in Szene setzt. „Man sieht Schwächen und Verhaltensweisen, die man von sich selbst kennt. Und weil diese mit Liebe erzählt sind, kann man darüber schmunzeln.“

Ein griesgrämiger Herr und eine junge Studentin 

Im Zentrum der Komödie: Der verwitwete Monsieur Henri, der sich mehr schlecht als recht in der Einsamkeit eingerichtet hat. Sein Sohn Paul stellt ihn vor die Wahl: Entweder zieht der alte Herr in ein Altersheim oder er nimmt jemanden in seine Wohnung auf, der nach ihm sieht. Der bärbeißige Henri vergrault alle Interessenten – bis auf die Studentin Constance, die so dringend ein Zimmer braucht, dass sie alle Grobheiten erträgt und bleibt. Sie muss allerdings eine äußerst befremdliche Bedingung akzeptieren: Da Monsieur Henri seine Schwiegertochter verachtet, soll Constance mit Paul eine Affäre beginnen und so einen Keil in dessen Ehe treiben.

Man habe sich dazu entschieden, das Stück in der aktuellen Zeit spielen zu lassen: mit Mund-Nasen-Bedeckung beim Betreten der Bühne, also Henris Wohnung, und Händedesinfizieren. „Natürlich versuchen wir auch dabei alles, was da an Komödie drinsteckt, rauszuholen. Ich denke, es tut uns auch gut, mal darüber zu lachen, wie idiotisch wir aussehen, wenn die Maske an einem Ohr baumelt“, stellt Jörg Gade fest.

Das Stück dauert nur 75 Minuten

Eine Herausforderung sei die Kürzung auf rund 75 Minuten gewesen. Man könne solch französische Komödien wie Perlwein beschreiben: „Es ist uns schönerweise gelungen in unserer Fassung, diesen fließenden, perlenden Charakter zu erhalten“. Dadurch, dass Kussszenen und Prügeleien ohnehin nicht im Stück vorgesehen sind, war es beim In­szenieren nicht schwer, die Abstandsgebote einzuhalten.

Es ist Gades erste Inszenierung als freischaffender Regisseur seit 16 Jahren. Bis zum Sommer 2020 hatte er die Leitung des Theaters für Niedersachsen inne und setzte hier zahlreiche Stücke in Szene. „Es ist sehr schön, nun am Theater Lüneburg zu inszenieren. Ich empfinde die Atmosphäre am Haus wie auch in der Stadt als sehr angenehm und freue mich, diese junge, lebendige Stadt nun noch näher kennenzulernen“, sagt der gebürtige Uelzener.

„Die Studentin und Monsieur Henri“ mit Berna Celebi, Beate Weidenhammer, Matthias Herrmann und Jan-Philip Walter Heinzel feiert morgen, Freitag, um 18 Uhr Premiere. Karten gibt es noch für die Vorstellung um 20 Uhr. lz