Samstag , 3. Dezember 2022
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Dr. Christoph Jamme moderierte häufig Veranstaltungen der Leuphana. (Foto: t&w)
Dr. Christoph Jamme moderierte häufig Veranstaltungen der Leuphana. (Foto: t&w)

Nachruf auf Professor Christoph Jamme

Der seit 1997 hier lehrende Professor Christoph Jamme ist plötzlich gestorben. Jamme zählte u.a. seit seinem Amtsantritt an der Lüneburger Uni zu den prägenden Kräften beim Aufbau und Erhalt des Faches Kulturwissenschaften an der Leuphana.

Lüneburg. Als Christoph Jamme 1997 an die Universität Lüneburg kam, war nicht absehbar, dass er in das Fach Philosophie eine ähnliche Kontinuität bringen würde wie sein Vorgänger Hermann Schweppenhäuser. Prof. Dr. Jamme, ein weit über Deutschland beachteter Wissenschaftler, ist jetzt gestorben. Er wurde 67 Jahre alt.

Jamme hatte Germanistik, Literaturwissenschaft und Philosophie studiert. In seiner Promotion an der Ruhr-Universität Bochum befasste er sich mit der philosophischen Gemeinschaft zwischen Hölderlin und Hegel. Beide blieben im Blickfeld eines viele Felder umfassenden Forschens. Jamme schrieb neben vielem anderen ein Standardwerk zur Mythosforschung, bündelte seine Erkenntnisse 2013 im Band „Mythos als Aufklärung. Dichten und Denken um 1800“. Jamme lehrte zu Platon, Nietzsche, Husserl, Heidegger, Gadamer und Blumenberg, auch zu Literaten wie Lessing, Hölderlin, Rilke und Celan.

Prägende Kraft beim Aufbau der Kulturwissenschaften

Stationen vor Lüneburg waren das Hegel-Archiv in Bochum, das Netherlands Institute for Advanced Study in Wassenaar und ab 1994 eine Professur für Geschichte der Philosophie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Jamme zählte seit seinem Amtsantritt an der Lüneburger Uni zu den prägenden Kräften beim Aufbau und Erhalt des Faches Kulturwissenschaften an der Leuphana.

Bei aller Tiefe des Forschens und Lehrens richtete Jamme seine Aufmerksamkeit parallel auf eine Vermittlung philosophischer Inhalte für eine breitere Öffentlichkeit. Dazu zählen publikumsoffene Diskussionen mit Richard David Precht, die Mitverantwortung der Utopie-Konferenz und die Teilnahme am öffentlichen Vorlesungsformat „10 Minuten Philosophie“. Zu nennen ist auch Jammes Engagement für den Hosenfeld- Szpilman-Preis.

Wegbereiter der Universitätsentwicklung

Christoph Jamme focht leidenschaftlich für die Sache, trat zugleich freundlich, zugewandt und gern humorvoll auf. Seine letzte Publikation, herausgegeben mit Kathrin Busch, befasste sich vor wenigen Wochen mit Briefen Martin Heideggers. In einem Nachruf würdigt die Leuphana Christoph Jamme „als wertgeschätztes Mitglied, eine wichtige Stimme in akademischen und intellektuellen Debatten und einen Wegbereiter der Universitätsentwicklung“. Jamme hinterlässt Frau und zwei Töchter. oc

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