Sonntag , 4. Dezember 2022
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Lichtinstallation von Kitty Kraus. (Foto: Fred Dott)
Lichtinstallation von Kitty Kraus. (Foto: Fred Dott)

Die Berliner Künstlerin Kitty Kraus stellt in der Lüneburger Halle für Kunst aus

Nach langer Pause öffnet auch die Lüneburger Halle für Kunst wieder, mit neuer Leitung und neuer Ausstellung. Die Berliner Künstlerin Kitty Kraus hat eine minimalistische und zugleich poetische Raumgestaltung geschaffen. Das Projekt trägt keinen Namen, aber viele Ebenen möglicher Bedeutung – sobald das Licht angeht.

Lüneburg. Bei Tageslicht besehen ist es eine spröde Angelegenheit. Der Raum ist kahl, weiß und hallt gewaltig. Auf dem Boden und auf zwei Tischen ruhen eine Handvoll flacher, eckiger, dunkler, hermetisch wirkender Objekte. Irgendwie technisch sehen sie aus, so wie Drucker oder kleine Kopierer. Sie bestehen aus Metall, Glas, Holz, wirken gealtert, unperfekt. Gebaut hat sie die Künstlerin Kitty Kraus. Bei künstlichem Licht betrachte aber, da fängt die Sache an zu leben. Linien aus Licht gliedern, konturieren, erschaffen einen Raum, und nun könnten die Objekte plötzlich als Architekturmodelle gesehen werden. Das Minimalistische, das Poetische, das Offene – das sind Themen, die Kitty Kraus interessieren, aktuell in der Halle für Kunst an der Reichenbachstraße.

Es ist die erste Ausstellung, die Ann-Kathrin Eickhoff als neue künstlerische Leiterin präsentiert, die aber noch von ihrer Vorgängerin Stefanie Kleefeld kuratiert wurde. Die von ihr eingeladene Kitty Kraus ist 1976 in Heidelberg geboren, studierte in Berlin, lebt dort. Stipendien führten sie nach Brasilien, Frankreich, in die USA. Eine Vertretungsprofessur für Bildhauerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee steht auch in ihrer Bio – und natürlich eine Fülle von Ausstellungen

Die Raumgestaltung in der Halle für Kunst trägt keinen Namen. Zu den Objekten und dem entscheidenden Licht kommt ein Brummen. Das Hintergrundrauschen eines Ventilators wirkt wie zufällig, zählt aber zum Projekt hinzu. Das ist auch ein Prinzip der Kitty-Kraus-Arbeit, ein Neben- und Miteinander des offensichtlich Geplanten und scheinbar Zufälligen. Dazu passt etwas Prozesshaftes: Wer beim Betrachten durch den Raum geht, wird vom Licht erfasst und somit für den Moment Teil des zu einer Art Skulptur gewordenen Raums.

Die Frage, was denn eine Skulptur ausmacht, ist in diesem Jahr besonders angesagt. Die „soziale Skulptur“, wie sie der 100-jährige Joseph Beuys postulierte, wird zurzeit in der KulturBäckerei thematisiert. Bei Kitty Kraus in der Halle für Kunst wächst der Begriff der Skulptur vom festgefügt Materiellen ins Geistige. Zuerst sind es die kastenförmigen Gehäuse. Dann ist es das Licht, das den Objekten neue Bedeutung zuweist. Zugleich malt das Licht seine eigene Architektur und verwandelt darüber den Ausstellungsraum als Ganzes. Bleibt schließlich der Gedankenraum, den sich Betrachterinnen und Betrachter, so sie mögen, aus dieser Installation öffnen können.

Der erste Eindruck, der spröde, lässt sich bis zum 6. Juni mittwochs bis sonntags einsammeln und erweitern – unter Corona-Zwängen (Test, Maske, Voranmeldung: info@halle-fuer-kunst.de).

Von Hans-Martin Koch

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