Donnerstag , 27. Januar 2022
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Blick in die Ausstellung "When there is no laughing matter, laughter matters“. (Foto: Fred Dott)

Lachen und Macht in der Halle für Kunst

Unter dem Titel „When there is no laughing matter, laughter matters“ steht eine Ausstellung über das, wie vermeintlicher Humor ins Diskriminierende, Ausgrenzende und Gewaltsame kippen kann. Oder wie er einfach lächerlich wirkt. Witzig ist die Ausstellung der Halle für Kunst so gar nicht. Sie erschließt sich auch nicht auf Anhieb.


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Unter dem Titel „When there is no laughing matter, laughter matters“ steht eine Ausstellung über das, wie vermeintlicher Humor ins Diskriminierende, Ausgrenzende und Gewaltsame kippen kann. Oder wie er einfach lächerlich wirkt. Witzig ist die Ausstellung der Halle für Kunst so gar nicht. Sie erschließt sich auch nicht auf Anhieb.

Lüneburg. Die neue Ausstellung der Halle für Kunst befasst sich mit Humor. Nein, sie ist nicht witzig. Sie fragt nach Strategien des Gelächters, nach Macht, Missbrauch, Lächerlichmachung, Entwürdigung und mit vielem mehr, das mit dem Witz, dem Humor und dem Lachen zu tun hat. Denn der Effekt der Pointe, daran erinnert die von Hendrike Nagel und Elena Setzer kuratierte Ausstellung, beruht allzu oft auf einem gezielten Herabwürdigen. Leicht aber macht es die Ausstellung „When there is no laughing matter, laughter matters“ Besuchern aller Geschlechter nicht.

Umdrehung der Geschlechterklischees ist entlarvend

Bilder, Videos, Objekte, Plakate, Comic und mehr sind in der Reichenbachstraße zu sehen. Vieles bricht das gestellte Thema mehrfach auf, wirkt auf den ersten Blick auch mal spröde, entschlüsselt sich erst über Umwege. Einen guten Einstieg bietet ein Video der 1974 geborenen D’Ette Nogle. in ihrem Video aus dem Jahr 2019 performt – auf Englisch – die amerikanische Künstlerin in privatem Umfeld Texte aus Programmen des Comedian Louis C.K., der immer wieder mit sexistischen und rassistischen Ausfällen beim Publikum punktet. Die Umdrehung ist entlarvend.

Das Video ist ein Beispiel dafür, wie sich Konventionelles verwenden lässt, um Komplexes auszudrücken. Über das Performen, Ironie und das Ausloten rhetorischer Strategien umkreist in einem weiteren Video Morgan Bassichis das Thema. Als New Yorker Comedian und Autor engagiert sich Bassichis antirassistisch und diskriminierungskritisch.

Eine Anklage per Comic

Das Politische zieht sich als roter Faden durch die Ausstellung. Vanessa Conte, eine weitere von vielen amerikanischen Künstlerinnen und Künstlern in dieser Ausstellung, nutzt das Mittel des Comics. Sie hat für die Ausstellung vier Seiten mit plakativen, förmlich schreienden Zeichnungen erstellt, auf denen sie die Brutalität sexueller Gewalt, die Missachtung von Würde, Zynismus und Abgründe von Voyeurismus attackiert.

Eingangs des Ausstellungsraums läuft ein Video aus dem Jahr 2019 von James Krone. „Somebody Else“ zeigt einen als Pierrot verkleideten Mann, einen anonymen Einsamen, an einem Flügel, ein Modell des Flügels findet sich im Raum wieder. Die auffälligsten Objekte in dieser Ausstellung stammen von Nadja Perlov. Sie zeigt skurrile, an Architektur angelehnte Taschen, Objekte irgendwo zwischen trashiger Warenwelt und Kunst.

Grenzbereich zwischen Humor und Humorlosigkeit

Weitere Arbeiten stammen vom Maler Hamishi Farah, der sich mit Methoden kultureller Aneignung befasst, und von Kameelah Janan Rasheed zur Macht der Sprache .

Quer durch die Ausstellung finden sich Bezüge zum Grenzbereich „zwischen Humor und Humorlosigkeit als Symptom sozio-politischer Aushandlungen“, wie es in der Ankündigung zur Ausstellung heißt. Sie läuft bis zum 1. August. Am 17. und 31. Juli werden zwischen 15 und 16 Uhr Führungen angeboten.

Von Hans-Martin Koch

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