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Die Beatles als Starschnitt - auch sie waren in der Kulturbäckerei zu sehen. (Foto: ff)

Die Bravo kommt ins Rentenalter

Eine Ausstellung in der Kulturbäckerei über die Bravo-Starschnitte stieß auf große Resonanz. Das Magazin prägt einst die deutsche Jugendkultur, hat sich mittlerweile in digitalen Zeiten neu erfunden. 

München/Lüneburg. Die „Bravo“ kommt ins Rentenalter, sie wird am Donnerstag 65 Jahre alt. Wie gut die Erinnerungen an die für Jugendliche konzipierte „Film- und Fernsehzeitschrift“ bei älteren Semestern sind, zeigt die Resonanz auf die Lüneburger Präsentation von Bravo-Starschnitten 2017: „Es war eine unserer erfolgreichsten“, sagt Kristin Halm, Geschäftsführerin der Kulturbäckerei, „sie wurde bundesweit wahrgenommen, das Medienecho war groß“.

Als am 26. August 1956 die „Bravo“ zum ersten Mal erschien, war das ein Meilenstein. Generationen von Jugendlichen haben darin erfahren, was ihre Stars sie wissen lassen wollten und sich Sextipps bei „Dr. Sommer“ geholt. Die ersten „Bravo“-Preise, die „Ottos“, gingen 1957 an Maria Schell und James Dean, der erste „Bravo-Starschnitt“ zeigte im Jahr 1959 Brigitte Bardot in Lebensgröße, er zierte nun auch das Plakat der Lüneburger . 1966 holte die Zeitschrift die Beatles zur „Blitztournee“ nach Deutschland, 1969 meldete sich Aufklärer „Dr. Sommer“ erstmals zu Wort, und drei Jahre später erschien die erste „Foto-Lovestory“ mit dem Titel „Birgits erste Liebe“.

Diese Art Jugendkultur ist längst historisch

Das, was früher Jugendkultur war, ist heute längst historisch. „Was für „uns alte“ Menschen weltverändernd war – 9/11 (2001), Angela Merkel wird Bundeskanzlerin (2005), das erste iPhone kommt auf den Markt (2007) – kennt ein Großteil der Gen Z aus Geschichtsbüchern. Wenn überhaupt...“, sagt die „Bravo“-Chefredakteurin Digital Yvonne Huckenholz über die „Generation Z“, die Jugend von heute. „Trends der 90er Jahre sind in ihren Augen Vintage. Lineares Fernsehen und CDs? Nein, danke. Ihr Wissen ziehen sie sich aus YouTube oder Tiktok-Videos.“

Darauf hat auch die „Bravo“ reagiert: „Jetzt stehen bei einer Marke, die einst über eine Million Print-Hefte in der Woche verkaufte, die digitalen Kanäle im Mittelpunkt“, sagt Huckenholz. Es geht immer noch darum, die Jugendlichen ernst zu nehmen und sie so zu akzeptieren, wie sie sind, und ihre Bedürfnisse dort zu bedienen, wo sie sich rumtreiben. Das sind heute – man ahnt es – die digitalen Medien.“

Auflage einst 1,7 Millionen, heute 83.000

Alle vier Wochen erscheint das gedruckte Magazin heutzutage noch - vor allem als Angebot an Jüngere, die noch nicht den ganzen Tag am Handy hängen. Die Auflage liegt derzeit bei 83.000. Zum Vergleich: Auf Instagram hat die „Bravo“ nach Angaben des Verlags mehr als 579.000 Follower, auf Tiktok mehr als 270.000. „Junge Menschen finden Magazine nicht doof – es ist aber eben nicht ihr Massenmedium“, sagt Huckenholz. „Tendenziell entwickelt sich Print für die junge Zielgruppe immer mehr hin zum Luxus-Objekt.“

Nur einmal im Monat eine „Bravo“? Ein Zustand, der noch in den 90er Jahren undenkbar gewesen wäre. „Damals war „Bravo“ so gut wie alternativlos“, sagt Alexander Gernandt. Bei dem Musikjournalisten drehte sich ein Vierteljahrhundert lang alles um die „Bravo“. Von 1988 bis 2013 arbeitete er für die legendäre Jugendzeitschrift - zuletzt sogar als Chefredakteur.

Take That bei der internen Weihnachtsfeier in München

Er interviewte allein Michael Jackson 16 Mal und erlebte eine Zeit, in der die „Bravo“ eine Auflage von 1,7 Millionen und bis zu sechs Millionen Leser hatte. „Man musste Bravo lesen, um zu wissen, was bei den Lieblings-Stars los ist: Wie sieht der neue Hairstyle von Madonna aus, wie die Show von Take That? Wie leben Robbie Williams oder Shakira privat? Mit der zunehmenden Digitalisierung hat sich das verändert.“

„Bravo“ konnte damals auch selbst Stars machen und entdeckte Mega-Bands lange bevor sie ganz groß wurden. Einmal, so Gernandt, traten Take That bei der internen Weihnachtsfeier der Redaktion in München auf - noch bevor sie Mädchen überall in Europa ins Kreisch-Delirium versetzten. rnd/dpa/ff

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