Macbeth zählt zu den größten Tragödien der Theatergeschichte:: Szene mit Berna Celebi (rechts) und Stefanie Schwab. (Foto: t&w)

Der tragische Königsmörder

Macbeth feiert Premiere – zuletzt aufgeführt im Theater Lüneburg vor rund dreißig Jahren. Vermutlich um 1606 fertiggestellt, gehört das Drama um den Königsmörder, der aus dem Teufelskreis der von ihm selbst ausgeübten Gewalt nicht mehr herausfindet, zu den am häufigsten aufgeführten Werken Shakespeares.

Lüneburg. Machtmissbrauch und Abgründe der Seele: Am Freitag, 24. September, 20 Uhr, feiert Shakespeares Tragödie „Macbeth“ Premiere im Großen Haus – erstmals wieder nach knapp dreißig Jahren. In der Inszenierung von Kathrin Mayr sind Philip Richert und Beate Weidenhammer als Ehepaar Macbeth zu erleben.

Vermutlich um 1606 fertiggestellt, gehört das Drama um den Königsmörder seit 1660 zu den am häufigsten aufgeführten Werken Shakespeares. Macbeth ermordet den beliebten Schottenkönig Duncan, um dessen Nachfolge anzutreten. Angestachelt durch seine Frau räumt er alle Konkurrenten aus dem Weg. Doch auch als er den Thron erobert hat, bleibt ihm nichts als Gewalt. Macbeth und Lady Macbeth werden zu Tyrannen gegen die eigenen Leute – immer in Angst, selbst gestürzt zu werden.

Gewalt erzeugt Gewalt: Die Tragödie diente schon zahlreichen Spielfilmen als Vorlage, wenn es um Willkür und Gewaltherrschaft ging. Das bekannteste Beispiel der jüngeren Vergangenheit ist wohl die Netflix-Serie „House of Cards“, die das skrupellose Geltungsbedürfnis dieses Paares im heutigen Gewand durchdekliniert.

Manipulation und Machtmissbrauch

„Wegen der Vielschichtigkeit seiner Dramen bin ich ein großer Shakespeare-Fan“, sagt Regisseurin Mayr. Macbeth zu inszenieren, da habe sie sofort zugesagt, „auch weil der Stoff so sehr an das heutige politische Weltgeschehen erinnert“: Machtspiele bis hin zu -missbrauch, Manipulation und das Abtreten von Verantwortung. Wie auch bei „Biedermann und die Brandstifter“ arbeitet Mayr mit Ausstatterin Hannah Petersen und Clemens Mädge, der für die Sounds verantwortlich zeichnet, zusammen.

Neu im Regie-Team ist Videokünstler Frederik Werth. „Die Zuschauer erwartet ein mit Liebe zum Theater erzählter, psychologischer Krimi. Wir versuchen das ganze Stück auf die Bühne zu bringen – mit all seinen Themen. Und über allem schwebt die Ebene der Hexen, die als Brandbeschleuniger fungieren.“

Eine der drei Hexen: Berna Celebi, seit der vergangenen Saison festes Ensemblemitglied am Theater Lüneburg. Im T.NT ist sie schon seit Anfang September in „Der Tatortreiniger“ zu erleben. Hier wie dort schlüpft sie in mehrere Rollen. In „Macbeth“ sind das neben einer der Hexen: ein Mörder, ein Pförtner und Macduffs Sohn. „Mich interessiert sehr die Frage nach der Freiheit von Entscheidungen. Ist es das Schicksal, das den Verlauf der Ereignisse bestimmt, oder sehen wir eine Selffulfilling Prophecy, eine selbsterfüllende Prophezeiung?“ Und: „Man findet in jedem Schauspiel Aspekte, die man ganz leicht ins Heute übertragen kann.“

1995 in Augsburg geboren, sammelte Berna Celebi erste Theatererfahrungen in verschiedenen Produktionen des Jungen Theater Teams am Staatstheater Augsburg. Danach trat sie dem theter ensemble (kein Tippfehler!) bei, einem Kreis Kulturschaffender in der freien Szene Augsburgs. Von 2016 bis 2020 studierte Celebi Schauspiel an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Graz. Währenddessen spielte sie am Schauspielhaus Graz und im Theater im Palais. In der Spielzeit 2019/20 war sie im Rahmen des Schauspielstudios Graz Ensemblemitglied am Schauspiel Dortmund. Im Anschluss folgte das erste Festengagement in Lüneburg. „Ich bin sofort gut angekommen. Das geht am Theater ja immer ganz schnell“, sagt die junge Schauspielerin lachend.

Die Neigung des Peter Rosegger

In dieser Spielzeit ist sie an sechs Produktionen beteiligt. Auf „Macbeth“ folgt die Polit-Satire „Die Neigung des Peter Rosegger“, die ab Ende Oktober im Großen Haus gezeigt wird. „Gerade nach einer solch lange Pause gilt es, die Kräfte richtig einzuteilen. Aber wir haben alle riesige Lust, wieder vor Publikum auf der Bühne zu stehen. In ‚Schauspiel‘ steckt ja auch ‚schauen‘ – und das war viel zu lang nicht möglich.“

Die Macbeth-Premiere ist ausverkauft. Bis zum 22. Dezember stehen acht weitere Vorstellungen auf dem Programm.

Von Frank Füllgrabe

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