Samstag , 3. Dezember 2022
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Teamwork wird im One World groß geschrieben. Auch „Frontman“ Jens Thomsen (l.) packt mit an. (Foto: t&w)
Teamwork wird im One World groß geschrieben. Auch „Frontman“ Jens Thomsen (l.) packt mit an. (Foto: t&w)

Jünger werden, Zukunft sichern

Keine vier Jahre gibt es das One World in Reinstorf in der früheren Dorfkneipe. Die Idee: Konzerte, Hilfe für Geflüchtete und Offenheit für andere (Musik-)Kulturen zu verbinden. Nach gutem Start kam Corona dem Konzept in die Quere. Seither geht es dem Team wie allen Veranstaltern. Sie kämpfen ums Weitermachen, um ihr Publikum, ihre Mitarbeiter. „Mut Mut Mut heißt die Geschichte“, sagt One-World-Macher Jens Thomsen.

Reinstorf. Kein Ort in Stadt und Land bietet so oft Bands Raum für Rock, Folk, Jazz, Klassik, Weltmusik: Das One World in Reinstorf setzt zudem ein Konzept um, das geflüchteten Menschen berufliche Perspektiven öffnet. Mali, Iran, Vietnam und Kolumbien sind Heimatländer von Mitarbeitern des Teams um Jens Thomsen. Im März kann das One World auf vier Jahre zurückblicken. Aber bis März ist es ein steiniger Weg. „Mut, Mut, Mut heißt die Geschichte“, sagt Thomsen.

Wie bundesweit nahezu alle Spielstätten, die weitgehend von Publikumszuspruch leben, leidet das One World unter Corona. Jede Menge Veranstaltungen mussten abgesagt oder verschoben werden. Keine Öffnung, kein Eintritt, kein Verzehr – also keine Einnahmen. Weiter laufen aber Kosten für Personal, Miete, Energie… Das geht auf Dauer nicht gut aus. „Ohne Ihre und Eure Hilfe gäbe es One World nicht mehr“, schreiben Thomsen, Yvonne Blum und Frank Hagedorn im aktuellen Newsletter an die Vereinsmitglieder.

Zwar können zurzeit Konzerte wieder stattfinden und das Haus samt Küche öffnet von Donnerstag bis Sonntag. Aber erlaubt ist pandemiebedingt nur eine reduzierte Zahl von Besuchern. Außerdem spürt Thomsen nach wie vor Vorsicht bei den Zuschauern: „Die Besucherzahlen liegen etwa bei der Hälfte gegenüber denen vor Corona.“ Auch vor der Pandemie lief allerdings längst nicht alles so gut wie erhofft. Musik mit afrikanischen Wurzeln oder von weniger bekannten Liedermachern hat es nicht leicht, Publikum zu finden. Sogar ein vielfach ausgezeichneter Weltklasse-Jazzpianist wie der Schwede Martin Tingvall fand nicht das Echo, das zu erwarten gewesen wäre.

Schwarze Null ist in weite Ferne gerückt

Für die One-World-Finanzen kommt ein Problem hinzu. Weggebrochen sind viele Familienfeiern und Tagungen. Sie spielen in der Regel das Geld ein, das es für den gesamten Betrieb braucht. „Vor Corona schrieben wir eine schwarze Null“, sagt Thomsen. „Wir waren auf einem guten Weg.“ Dorthin muss es – mindestens – wieder gehen. Zum Glück hat das One World einige private Feiern für das laufende Jahr im Kalender stehen: Hochzeiten, Tagungen, eine ins Frühjahr verlegte Weihnachtsfeier.

Überall verschwinden die Landgasthöfe aus den Dörfern; die LZ berichtete gerade über das Hohensand-Aus. „Das Feierabendbier in der Dorfkneipe findet nicht mehr statt. So war es auch hier in Reinstorf. Wir haben dem Haus einen neuen Sinn gegeben“, sagt Thomsen. Und den Laden aufgehübscht. Der Saal fasst bis zu 200 Besucher, Musiker und Publikum lieben seine heimelige Atmosphäre. Sicherheit zuerst: Nur rund 30 Prozent der Plätze werden zurzeit angeboten.

Das One-World-Konzept findet bei Förderern großen Anklang. Corona-Programme ermöglichten, dass Sound und Licht auf professionelles Niveau gehievt wurden, dass eine kräftige Lüftung eingebaut wurde. Eine Außenbühne entstand, ein Kaffee-Garten. „Alles, was wir in dieser Zeit am Haus gemacht haben, hielt das Team zusammen“, sagt Thomsen. An weiteren Ideen mangelt es nicht.

Die nächsten zwei, drei Monate aber werden laut Thomsen hart. Inwieweit zusätzlich Omikron die Türen dicht macht, wird sich zeigen – und wenn ja, wie lang… Entmutigen lässt sich Jens Thomsen nicht. Ein neuer Flyer listet wieder ein dichtes Programm mit Musik auf. Da ist das One World weit und breit konkurrenzlos. Nur liegt es eben nicht fußläufig oder radgünstig in der Stadt, sondern gute 15 Autominuten gen Osten. Thomsen bastelt an einem Test für ein Transfer-Angebot. Ob das was bringt? „Probieren!“

Eine Stammtischrunde diskutiert Perspektiven

Über die Zukunft entscheidet das Publikum, es soll im Schnitt jünger werden. Perspektiven dazu und zu vielen weiteren Fragen werden beim offenen One-World-Stammtisch diskutiert – am Montag, 10. Januar, um 19 Uhr. Mit Live-Musik geht es schon am Sonntag, 9. Januar, um 17 Uhr los. Das Wolfgang Lührs Trio spielt entspannte Musik zwischen Pop, Klassik, Swing und Blues. Zum Trio zählen neben Lührs am Klavier noch Ulrike Hennecke (Querflöte) und Horst Brechert (Bass).

Neben Konzerten stehen im Januar auch ein Tanzworkshop und ein Wunschfilm-Abend auf dem Programmplan. Noch bis Ende Februar läuft die Foto-Ausstellung „Afrika erzählt“ von Heike Edelburg. Der Verkaufserlös geht an eine Schule in Oberguinea.

Von Hans-Martin Koch

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