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Gruppenbild mit Sedna: Fotos von der symbolischen Übergabe großer Schecks müssen nicht langweilig sein – das Theater Lüneburg beweist es. (Foto: tamme)
Gruppenbild mit Sedna: Fotos von der symbolischen Übergabe großer Schecks müssen nicht langweilig sein – das Theater Lüneburg beweist es. (Foto: tamme)

Sturm aus dem Bilderbuch

Die letzte Premiere der Saison im Theater Lüneburg gehört William Shakespeare – genauer: seinem Drama "Der Sturm". Philip Richert und Gregor Müller machten daraus eine Rock-Oper, mit Tanz, Artistik, Chorgesang und großem Brimborium auf der Bühne. Die Premiere am Sonnabend ist ausverkauft, für den Sonntag gibt es noch ein paar Karten. In der nächsten Spielzeit geht es aber weiter.

Lüneburg. William Shakespeare kann auch Gruselrock – mit seinem Drama „Der Sturm“ von 1611 liefert er jedenfalls im Theater die Vorlage dafür. Philip Richert und Gregor Müller präsentieren nun eine märchenhafte, witzige, spannende Show, die nicht gerade werktreu rüberkommt, dafür großes Kino bietet: mit Sängern, Schauspielern, Tänzern und Artisten (jeweils auch Frauen natürlich), mit den Symphonikern und einer Band. Die Inszenierung, die in der Tradition des Hauses von Struwwelpeter und The Black Rider steht, ist in dieser Saison zwei Mal zu sehen. Die erste Vorstellung heute ist ausverkauft, für die zweite am Sonntag um 15 Uhr gibt es noch Tickets. „Der Sturm“ wird in die nächste Spielzeit übernommen.

Am Anfang war der Struwwelpeter

Im Jahre 2013 setzten Gregor Müller und Philip Richert den „Struwwelpeter“ im T.NT-Foyer in Szene. Geplant war eine einzige Show – es folgten weit über hundert Vorstellungen und Abstecher an diverse Orte. 2018 legten die beiden im Großen Haus mit „The Black Rider“ nach. Ihre Interpretation des Klassikers von Robert Wilson und Tom Waits wurde in zwei Spielzeiten zusätzlich zum regulären Programm wiederaufgenommen – ein Novum im Hause.

Warum Shakespeares „Sturm“? „Wir waren auf der Suche nach einem episodenhaften Märchen und kamen sehr schnell auf dieses Stück“, sagt Philip Richert. Shakespeare habe in sein letztes Werk alles hineingepackt, was er vorher ausprobiert hatte. „Unser Wunsch war, dass man durch den Abend blättert wie durch ein großes, fantasievolles Bilderbuch.“ Gregor Müller: „Der Stoff bietet alles – Romanze, Komödie und Krimi.“ Hinzu kommt ein Bühnenbild von Swana Gutke, das es so in Lüneburg bisher so noch nicht gab.

Die Handlung ist gar nicht so leicht zusammenzufassen. Prospero, ein entmachteter Herzog, beschwört mithilfe seines Dieners Ariel einen Sturm herauf, um seine Feinde auf seine Insel zu locken und sich grausam an ihnen zu rächen – und um seine Tochter mit dem Prinzen zu verkuppeln. Mit vielen magischen Tricks entfesselt Prospero ein Illusionsspiel sondergleichen. Dabei geht es eben auch um Existenzielles, Heutiges, Ernstes: um Macht und koloniale Unterwerfung und um die Bewahrung der Umwelt. Und nicht zuletzt geht es um Liebe.

Der Hauschor sorgt für die Intrigen

Dramaturg Friedrich von Mansberg: „In dieser Inszenierung entstehen Bilder, die wir so auf der Bühne des hiesigen Theaters gar nicht kennen.“ Die Handlung ist in verschiedene Stränge aufgeteilt. So ist die Liebesgeschichte im Bereich Tanz angesiedelt, „die höfische Intrige herrlich besetzt durch den Hauschor, und die Schauspieler treiben unter anderem die Komödie voran.“ Und dann gibt es noch die Puppe. Sie misst fünf Meter, das Maximum für den Bühnenraum des Theaters, und heißt Sedna. Namensgeberin ist die Göttin der Meere aus einer Sage der Inuit. Sie wacht über die Tiere und sorgt für das Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur. Gefertigt wurde Sedna von Silvan Hahn.

Die Musik wuchs von sechs Saiten zur Orchesterfassung. Philip Richert suchte Textpassagen für die Songtexte, schrieb dann – „allein mit der Gitarre“ – zehn Songs. Dann kam Benjamin Albrecht mit Klavier und dem entsprechenden Equipment dazu. Anhand der Aufnahmen hat Thomas Dorsch die Songs dann für das Orchester arrangiert. So trifft Tango auf Musik im Stil von Tom Waits und Rock auf orchestrale Musik.

Der Freundeskreis Theater Lüneburg hat die letzten beiden großen Produktionen des Theaters mit insgesamt 15.000 Euro unterstützt: den Tanzabend „Green Light“ und „Der Sturm“. Bei der zweiten Hauptprobe vom „Sturm“ traf der symbolische Scheck ein – und wurde vom Ensemble in Empfang genommen. Ab 29. September stehen zehn Vorstellungen auf dem Programm; der Vorverkauf beginnt am 22. August.

Von Frank Füllgrabe

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