Dienstag , 6. Dezember 2022
Anzeige
Thomas Ney schließt sein Theater, gibt die Bühne in der Kulturbäckerei auf. (Foto: ff)

Thomas Ney schließt Theater in der Kulturbäckerei

Mit Loriot-Sketchen und der Tragikomödie "Der Klomann und sein tanzender Sohn" war der Schauspieler Thomas Ney auch als Theater-Produzent erfolgreich. Doch eine Reihe weiterer Stücke mit eher ensten Themen fand zu wenig Zuschauer. Jetzt schließt das Thomas Ney Theater in der Kulturbäckerei, dreimal noch wird dort "Bartsch, Kindermörder" gespielt.

Lüneburg. Immer, wenn Thomas Ney auf der Bühne das Wort ergreift, dann fängt das Publikum zuverlässig an zu buhen: "Boring!", langweilig!. Der Schauspieler genießt den Shitstorm – da ist richtig was los im Theater.

Es steht in Paderborn, gespielt wird die Rocky Horror Show, Thomas Ney gibt den Erzähler, das Rockmusical sieht er mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn daheim macht er nach Jahrzehnten sein eigenes kleines Theater dicht. Morgen, Freitag, starten die letzten Aufführungen der Produktion "Bartsch.Kindermörder". Dann ist Schluss, es ist einfach zu mühselig, lohnt sich nicht.

Ein frühes Faible für das Kabarett

Thomas Ney ist seit ewig und drei Tagen fester Bestandteil der Lüneburger Theaterszene. Geboren 1958 in Essen, fing der Pennäler früh Feuer für die Kleinkunst, genauer: für Kabarett im Stil von Hanns-Dieter Hüsch, später widmete er ihm eigene Soloprogramme.

Nach dem Abi folgte erstmal eine Buchhändlerlehre, dann Ausbildung im Privattheater, die ersten eigenen Produktionen: "Brennendes Herz Klabund" beispielsweise, oder "Sprechen, schreiben, schweigen" rund um Tucholsky. Bei den Festspielen Jagsthausen lernte Ney den Intendanten des Lüneburger Theaters kennen, Jan Aust. Der nahm ihn mit, "dafür bin ich ihm bis heute dankbar".

Spielzeit 1994/95 erstmals in Lüneburg

"Mein erstes Erscheinen in Lüneburg war zur Spielzeit 1994/95 als Gast in Romeo und Julia, als Bruder Lorenzo", erinnert sich Thomas Ney. Er wurde schnell zum festen, vielbeschäftigten Ensemblemitglied, aber etwas fehlte: die Zeit für eigene Soloproduktionen.

Also wechselte er wieder in den Gast-Status und eröffnete die Studiobühne mit "Es war wie ein Rausch oft gewesen..." über Hans Fallada. Da passte es wunderbar, dass die Kellerbühne "Treffpunkt neues Theater" hieß, kurz T.NT, was sich auch als "Thomas Ney Theater" deuten ließ.

Oberflächliche Stücke sind heute erfolgsversprechender

"In diese Zeit, das war 1998, fiel auch meine erste Inszenierung von Bartsch, Kindermörder", sagt Thomas Ney, "damals mit Thomas Flocken in der Titelrolle. Die sechs Aufführungen waren alle gut besucht. Offensichtlich war das Publikum damals noch interessiert an ernsten und problematischen Stücken. Heutzutage ist es erfolgversprechender, oberflächliche oder zumindest unterhaltsame Stücke zu liefern.".

Mit Sketch-Revues (bis heute sieben Produktionen) von Loriot hatte Ney seinen größten T.NT-Erfolg, und mit einer ganz anderen Inzenierung: "Der Klomann und sein tanzender Sohn", dem Monolog eines Mannes, der im Theater die Toiletten putzt, während sein Sohn gleichzeitig – "nu isser da wieder am rumhüppen" – Triumphe als Ballettstar feiert. Als Thomas Ney mit seiner Ehefrau und Schauspielkollegin Erika Döhmen ein Häuschen am Bockelsberg kaufte, da wurde er von den Nachbarn mit den Worten begrüßt: "Das ist doch der Klomann!"

Publikum kam nicht mit an neuen Standort

Mit dem Intendantenwechsel begann für Ney eine unsichere Zeit. Im Jahre 2014 dann öffnete die Kulturbäckerei. Ney zog ein, zusammen mit dem Theater zur weiten Welt, dem Theaterkollektiv Neues Schauspiel und dem Rampenlicht Theater, später kam noch das Figurentheater Marmelock dazu.

Loriot lief weiter gut, das Ekel Alfred wurde zum Longseller, aber die ernsten Sachen liefen auf einmal nicht gut. "Es ist mir nicht gelungen, mein Publikum vom T.NT mit rüberzunehmen in den neuen Standort", sagt Thomas Ney, "jetzt hatte ich hier völlig neue Gesichter". Dagegen wäre nichts einzuwenden, aber es waren einfach zu wenig.

Küchenschleppen für das Ekel Alfred

Viel Mühsal beim Auf- und Abbau von Kulissen (das Ekel Alfred beispielsweise muss einfach in einer liebevoll eingerichteten Spießerküche agieren), nicht endend wollender Papierkram für Zuschussanträge, fehlende Resonanz, das machte keinen Spaß mehr: Thomas Ney, heute 64, lässt den Vorhang fallen. Das kleine Büro und die Probebühne im e.novum sind längst gekündigt.

Weiter präsent bleibt Thomas Ney in Lüneburg mit Literaturabenden im Mosaique. Er wird sich weiter als Rocky-Horror-Mann in Paderborn ausbuhen lassen, und Engagements auf Kreuzfahrtschiffen annehmen.

Jetzt aber hat noch dreimal Nils Nupnau alias Bartsch, Kindermörder, seinen Auftritt, 4. bis 6. November, jeweils 19.30 Uhr. Infos und Kartenvorverkauf im Web unter thomasney.de – oder per Telefon beim Klomann daheim, Tel. 01522-8572604.

Von Frank Füllgrabe

Kommentare

Sie wollen die Kommentare unter diesem Beitrag lesen und kommentieren?
Dann werden Sie LZ+-Abonnent. Informationen zum Digital-Abo der LZ finden Sie hier.