Samstag , 26. September 2020
Die 29. Ausgabe der LiteraTour Nord präsentiert vielversprechende und erfolgreiche Autor(innen)en

Die Unschärfe der Welt

 

Lüneburg. Die LiteraTour Nord geht in eine neue Runde – Nummer 29 schon. Es ist eine besondere, zweitens natürlich wegen der Corona-Bedingungen, die Schauplätze der Lesungen stehen in Lüneburg noch nicht fest. Erstens aber ist sie schon jetzt eine LiteraTour des Erfolges, denn gleich vier der sechs Autor(inn)en, die in den nächsten Monaten ihre neuen Titel präsentieren, stehen auf der Longlist (siehe rechts) für den Deutschen Buchpreis: Roman Ehrlich, Leif Randt, Anne Weber und Iris Wolff.

Roman Ehrlich: „Malé“ – Mittwoch, 28. Oktober, 19.30 Uhr: Alle Versuche, die Malediven vor dem steigenden Meeresspiegel zu retten, sind gescheitert, Pauschaltouristen haben sich neue Ziele gesucht, und der Großteil der Bevölkerung musste die Inseln verlassen. Gleichzeitig werden sie für die kurze Zeit bis zu ihrem Untergang zur Projektionsfläche für Aussteigerinnen, Abenteurer und Utopistinnen, zu einem Ort zwischen Euphorie und Albtraum, in dem neue Formen der Solidarität erprobt werden und Menschen verschwinden.

Roman Ehrlich, geboren 1983 in Aichach, studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und an der Freien Universität Berlin. Er wurde unter anderem mit dem Robert Walser-Preis 2014, dem Ernst Toller-Preis 2016 und der Alfred Döblin-Medaille 2017 ausgezeichnet.

Anne Weber: „Anette, ein Heldinnenepos“ – Mittwoch, 11. November, 19.30 Uhr. Geboren 1923 in der Bretagne, schon als Jugendliche Mitglied der kommunistischen Résistance, Retterin zweier jüdischer Jugendlicher, 1959 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wegen ihres Engagements aufseiten der algerischen Unabhängigkeitsbewegung – noch heute ist Anne Beaumanoir ein lebendiges Beispiel für die Wichtigkeit des Ungehorsams. Anne Weber wagt ein literarisches Experiment und erzählt dieses Leben in einem Heldinnenepos.

Anne Weber, geboren 1964 in Offenbach, lebt seit 1983 in Paris. Sie schreibt ihre Bücher in Deutsch und Französisch. Für ihre Texte erhielt sie u.a. den Heimito von Doderer-Literaturpreis, den 3sat-Preis und den Kranichsteiner Literaturpreis.

Iris Wolff: „Die Unschärfe der Welt“ – Mittwoch, 25. November, 19.30 Uhr. Die Geschichte einer Familie aus dem Banat, über Menschen aus vier Generationen, Verlust und Neuanfang. Vor dem Hintergrund des zusammenbrechenden Ostblocks und der wechselvollen Geschichte des 20. Jahrhunderts entsteht ein Roman über Freundschaft und das, was wir bereit sind, für andere aufzugeben.

Iris Wolff, geboren 1977 in Sibiu (Hermannstadt)/Siebenbürgen, erhielt zuletzt 2019 den Thaddäus-Troll-Preis, sie war für den Alfred-Döblin-Preis nominiert und wurde mit dem Marie­luise-Fleißer-Preis für ihr Gesamtwerk geehrt.

Leif Randt: „Allegro Pastell“ – Mittwoch, 9. Dezember, 19.30 Uhr. In „Allegro Pastell“ erzählt Leif Randt vom Glück, von Wirklichkeit und Badminton, von idealen Zuständen und den Hochzeiten der anderen. Eine Lovestory aus den späten Zehnerjahren: Die Fernbeziehung von Tanja und Jerome wirkt makellos. Eltern, Freund*innen und depressive Geschwister spiegeln ihnen ein Leid, gegen das beide weitgehend immun bleiben. Doch der Wunsch, ihre Zuneigung zu konservieren, ohne dass diese bieder oder schmerzhaft existenziell wird, stellt das Paar vor eine große Herausforderung.

Leif Randt, geboren 1983 in Frankfurt a.M., wurde für seine Utopie-Romane zuletzt mit dem Erich-Fried-Preis (2016) sowie mit Stipendien in Japan (2016) und Irland (2019) ausgezeichnet.

Anna Katharina Hahn: „Aus und davon“ – Mittwoch, 13. Januar, 19.30 Uhr. „Aus und davon“ entfaltet ein Panorama zwischen Generationen, die einander immer weniger zu sagen haben. Elisabeth sitzt mit ihren Enkeln in Stuttgart, während sich ihre Tochter aus dem flirrenden Manhattan oder den Weiten eines provinziellen Hinterlands meldet. Durch Bilder und Textnachrichten, die um die halbe Welt geschickt werden, scheint das alles irgendwie zusammenzuhängen. Ein Familienroman des 21. Jahrhunderts.

Anna Katharina Hahn, geboren 1970, stand mit ihrem Roman „Am Schwarzen Berg“ 2012 auf der Shortlist für den Preis der Leipziger Buchmesse und auf Platz eins der SWR-Bestenliste. Die Recherchen für „Aus und davon“ führten sie in die USA und nach Mainz, wo sie 2018 Stadtschreiberin war.

Olga Grjasnowa: „Der verlorene Sohn“ – Mittwoch, 27. Januar, 19.30 Uhr. Nordkaukasus, 1838: Jamalludin wächst als Sohn eines mächtigen Imams auf. Seit Jahrzehnten tobt der Kaukasische Krieg, und sein Vater wird von der russischen Armee immer mehr bedrängt. Schließlich muss er seinen Sohn als Geisel an den Hof des Zaren nach St. Petersburg geben, um die Verhandlungen mit dem Feind aufzunehmen. Olga Grjasnowa erzählt sprachmächtig von einem Kind, das zwischen zwei Kulturen und zwei Religionen steht.

Olga Grjasnowa, geboren 1984 in Baku, lebt in Berlin. Ihr Debütroman „Der Russe ist einer, der Birken liebt“ wurde mit dem Anna Seghers-Preis und dem Kühne-Preis ausgezeichnet.

Von Frank Füllgrabe