Dienstag , 27. Oktober 2020
Ein neuer Tag im Leben der Anne Frank: Sopranistin Franka Kraneis blättert in dem berühmten Tagebuch. Foto: t&w

Notizen aus dem Versteck

Lüneburg. Ein Koffer, ein Regenschirm, ein Klavier, drei Schultische – damit ließen Sopranistin Franka Kraneis und Pianistin Kanako Sekiguchi vom Theater Lüneburg „Das Tagebuch der Anne Frank“ lebendig werden. Die Mono-Oper des Komponisten Grigori Frid ist im Stil eines Zeitzeugenberichts als mobile Produktion konzipiert und feierte nun Premiere in der Aula der Wilhelm-Raabe-Schule.

Anne Frank ist zu einer Symbolfigur geworden für alle, die vom NS-Regime verfolgt und umgebracht wurden. Das Tagebuch (niederländischer Originaltitel: Het Achterhuis) ist ein Werk der Weltliteratur. Anne Frank führte das Tagebuch vom 12. Juni 1942 bis zum 1. August 1944, zunächst in der Wohnung am Merwedeplein, den größten Teil aber im Hinterhaus des Gebäudes Prinsengracht 263 (heutiges Anne-Frank-Haus) in Amsterdam. Dort versteckte sie sich zwei Jahre lang mit Familienangehörigen und Bekannten vor den Nationalsozialisten, um der Deportation und Ermordung zu entgehen.

In über 70 Sprachen übersetzt

Ihr Tagebuch blieb wie ein Wunder erhalten. Nach der Verhaftung der Familie Frank nahm deren Helferin Miep Gies die Aufzeichnungen an sich und bewahrte sie so vor dem Zugriff der Gestapo. Später wurden sie an Annes Vater Otto Heinrich Frank weitergegeben, der als einziger seiner Familie den Krieg und Holocaust überlebt hatte. Er vörffentlichte die Notizen, die schon in den Fünfzigerjahren zum meistverkauften Taschenbuch und meistaufgeführten Bühnenstück in der Bundesrepublik Deutschland wurden. Das Buch wurde in über 70 Sprachen übersetzt, 2009 von der Unesco in das in das Weltdokumentenerbe aufgenommen.

Weitere Termine sind in Planung

Das Tagebuch erzählt vor allem von einem neugierigen, nachdenklichen und lebensfrohen Mädchen, von ihrer ersten Liebe, von Zorn und Streit, Glück, Freude und natürlich von Angst. Kerstin Steeb legt in ihrer Inszenierung den Schwerpunkt auf diese emotionale Achterbahnfahrt, schlägt aber auch immer wieder den Bogen zu heutigen Fragen, etwa nach Rassismus und Ausgrenzung. Immer wieder spricht Franka Kraneis als Anne Frank ihr Publikum direkt an und bezieht es in das Geschehen mit ein. Zusammen mit Regisseurin Steeb und Theaterpädagogin Katja Meier stand sie zudem in einem – für alle Vorstellungen geplanten – Nachgespräch Rede und Antwort.

Am Sonnabend, 28. November wird die Mono-Oper um 15 Uhr auf der Foyerbühne des Großen Hauses gezeigt. Weitere Termine sind in Planung. Der Vorverkauf startet am 22. September. Infos für Schulen, die die mobile Produktion zu sich holen möchten, können per Mail an Sabine Bahnsen (sabine.bahnsen@theater-lueneburg.de) mögliche Termine und die Corona-Voraussetzungen für eine Vorstellung erfragen. ff