Freitag , 30. Oktober 2020
„Fremde in der Nacht“, von links: Ulrich Stöcker, Ulrich Kratz, Signe Heiberg und Karl Schneider. Foto: t&w

Bar der Sehnsucht

Lüneburg. Eine Großstadt, eine Bar, ein paar verlorene Gäste. Wir kennen die Stadt nicht, wissen nichts von der Gaststätte, und die Besucher haben keine Namen. Es sind ein paar Versprengte, die hier zufällig aufeinandertreffen. Aber sie haben Lieder: „Mack the knife“ beispielsweise, „Nur nicht aus Liebe weinen“ und „Papa can you hear me“. Das ist die „Bar der Sehnsucht“, ein Szenario wie bei einem Edward-Hopper-Gemälde, sie öffnet Donnerstag, im Theater Lüneburg.

Ein „musikalischer Theaterabend“ soll die Lieder-Revue „Fremde in der Nacht“ im Großen Haus werden, in dem coronabedingt die Besucher ja ebenfalls Abstand halten. Aber zumindest für einige Momente soll die Distanz überwunden werden, wenn Alexander Tremmel „Kann denn Liebe Sünde sein“ von Zarah Leander singt, wenn Karl Schneider mit dem Titel von Jacques Brel nach „Amsterdam“ führt, und Signe Heiberg von Surabaya Johnny singt, diesem Schuft, den einst Lotte Lenya hasste und liebte.

Bis Spielzeit-Ende dabei

Insgesamt 17 Titel hat Intendant Hajo Fouquet zusammengestellt, Generalmusikdirektor Thomas Dorsch arrangierte die Lieder und Duette – allesamt im 20. Jahrhundert entstanden – für das Orchester, das nun 18 Mann hoch mit auf der Bühne sitzt. Natürlich ist auch Frank Sinatras „Stranger in the Night“ unter den Songs. Die musikalische Leitung haben Ulrich Stöcker und Phillip Barczewski; Bühnen- und Kostümbild: Stefan Rieckhoff.

„Fremde in der Nacht“ ist eine Inszenierung, die für den „Sturm“ von Philip Richert und Gregor Müller ins Programm genommen wurde, der sich zurzeit auf der Bühne nicht entfesseln lässt. Generell wird Corona noch länger das Theater im Griff haben. Ursprünglich waren die entsprechenden Maßnahmen – also etwa statt einer abendfüllenden Aufführung zwei kurze hintereinander – nur bis Ende Dezember geplant. Jetzt ist klar: Es wird bis Spielzeit-Ende dabei bleiben.

Aber jetzt ist erst einmal Premiere, mit Franka Kraneis, Signe Heiberg, Karl Schneider, Alexander Tremmel und Ulrich Kratz. Uraufführung ist um 18 und um 20 Uhr.

Von Frank Füllgrabe