Dienstag , 27. Oktober 2020
Flowerpower fällt aus, das Summer‘s-Tale-Festival wurde dieses Jahr ausgesetzt, die Gültigkeit eines Termins für 2021 ist noch unklar. Fotos: A/t&w

Die Suche nach Alternativen

Lüneburg. Das Kulturleben ist angelaufen, der Terminkalender hat sich gefüllt. Leicht ist es für Veranstalter nicht. Säle wirken leer, gelten aber als ausverkauft. Zugleich ist bei Teilen des vertrauten Publikums Vorsicht zu spüren. Die Freude, dass es wieder losgegangen ist, mischt sich mit der Sorge vor Ansteckung. Probleme haben vor allem Veranstaltungen, die in der Regel von vielen Menschen nah beieinander erlebt werden. Sie können gar nicht stattfinden. Was wird aus ihnen? Die LZ hat sich stellvertretend für etliche Veranstaltungen bei vieren umgehört, unter der Fragestellung: Was wird…

… aus der 1st Class Session?

In der Ritterakademie als angestammtem Ort erst einmal nichts. Eine Idee, die auf Machbarkeit geprüft wird: Ist das Vamos zugänglich, ist dort etwas zu machen? Frenzke und Betreiber Campus sind im Gespräch. Aufgezeichnet haben Musiker der 1st Class Session mittlerweile ein Konzert, das per Streaming ins Netz kommt. Das Datum steht noch nicht fest, auch nicht, wie sich per digitalem Ticket die Kosten wieder hereinholen lassen. Infos folgen u.a. auf den einschlägigen Online-Portalen.

Peer Franzke bei der 1st Class Session in der Ritterakademie.

Stark engagiert sich Peer Frenzke bei der CoronaKünstlerHilfe, die mit Ideen wie Crowdfunding, Merchandising, Promi-Videos und kleinen Konzerten versucht, Geld für in Not geratene Künstler einzusammeln. Über den Verein „1st Class Session – Artist Support“ werden eingehende Spenden verwaltet. Einen Auftritt haben Frenzke und seine Session-Band doch im Kalender: Sie werden bei der Lünale am 13. November auftreten.

… aus „Lüneburg singt“?

Die Antwort lautet: abwarten und mitsingen. Abwarten, bis Corona schlapp macht und wieder in allen „Der Norden singt“-Städten gemeinsam gesungen werden kann. Um die 900 Frauen und vereinzelt Männer kamen bisher monatlich in Lüneburg zusammen, um mit Niels Schröder und seiner Band Pop-Songs zu singen, mit eingeblendeten Texten. Mitsingen geht jetzt trotzdem, aber nur von zuhause aus. Jeden zweiten Dienstag um 20 Uhr laden Schröder und Band über ihren YouTube-Kanal zum Mitmachen ein, nächster Termin ist der 20. Oktober. Wie es funktioniert, ist auf einer eigens eingerichteten Netz-Seite zu lesen: www.online-singen.de. Die Teilnahme kostet nichts, Spenden aber sind erwünscht.

… aus dem Weihnachtsoratorium?

Lebkuchen steht schon längst in den Regalen, warum nicht nach dem beliebtesten aller Weihnachtskonzerte fragen? Denn große Chorkonzerte wurden von Corona weitestgehend stillgelegt. Die Chorleiter suchen Alternativen, proben in Gruppen. Kein Chorkonzert zieht alle Jahre so viel Publikum an wie das Weihnachtsoratorium. Die Sänger der großen Kantoreien singen die Bach-Kantaten immer wieder mit Begeisterung. 1000 Besucher, 150 Sänger – eigentlich kein Problem. Aber in diesem Jahr eben doch.

Michaelis-Kantor Henning Voss setzt statt der großen Kantorei erst einmal kleine Ensembles ein.

Ursprünglich wollte Henning Voss in St. Michaelis am 13. Dezember mit großer Kantorei und Jugendchor die Kantaten IV bis VI des Oratoriums aufführen. Nun kommt es anders. Voss baut um, die große Kantorei muss pausieren. Mit einem kleinen Vokalensemble, Solisten und Kammerorchester werden die Kantaten V und VI aufgeführt, dreimal: 12. Dezember, 20 Uhr; 13. Dezember, 16 und 20 Uhr.

In gleicher schlanker Besetzung erklingt schon am 14. und 15. November ebenfalls dreimal das Mozart-Requiem. Joachim Vogelsänger macht es an St. Johannis etwas anders. Er führt am 19. Dezember Weihnachtsoratorien von Saint-Saëns und Vivaldi zweimal auf, mit geteilter Kantorei mit jeweils etwa 35 Stimmen. Für alle genannten Konzerte hat der Vorverkauf noch nicht begonnen.

… aus „A Summer’s Tale“?

Das größte Festival im Landkreis hatte im Corona-Jahr ohnehin eine Besinnungspause eingelegt. Grund: Das vom Publikum und bundesweit in den Medien gefeierte Konzept auf der Westergellerser Heide fand bei allem Lob nicht den Zuspruch, um es wirtschaftlich durchführen zu können. Das Aussetzen des Festivals in diesem Jahr erwies sich so gesehen als glücklicher Zufall. Für 2021 nannte Veranstalter FKP Scorpio den 22. bis 25. Juli als Termin. Der sei „noch aktuell“, sagt Jonas Rohde von FKP Scorpio. Was das bedeutet, werde mitgeteilt, „sobald es etwas Neues gibt“. Beim Ausbildungszentrum Luhmühlen, dem Hausherrn des Geländes, steht der Termin nicht mehr im Kalender. „Er wurde nicht bestätigt“, so Geschäftsführer Dr. Roland Wörner.

Von Hans-Martin Koch