Ehrengast macht den Auftakt

Lüneburg. Einblicke in die Welt der Literatur gewährt mit Lesungen verschiedenster Art das Literaturbüro Lüneburg. Das Lesungsprogramm für November bedient die Reihen „Der Norden liest“, „Ehrengast“, „Was uns bewegt“ sowie „Literatur Nord“. Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 19.30 Uhr.

Zum Auftakt am Mittwoch, 4. November, liest Ingo Schulze im Forum der Musikschule als Ehrengast 2020 aus seinem Roman „Die rechtschaffenen Mörder“, der im Frühjahr erschienen ist. Darin geht es um Norbert Paulini, einen hoch geachteten Dresdner Antiquar, der versucht, auch im Zeitalter des Internets seine Position zu behaupten. Sein Leben ändert sich, als er beschuldigt wird, an fremdenfeindlichen Ausschreitungen beteiligt zu sein. Die Geschichte nimmt eine virtuose Volte: Ist Paulini eine tragische Figur oder ein Mörder? Die Moderation übernimmt Maike Albath vom Deutschlandfunk Kultur.

Mit dem Titel Ehrengast preist das Literaturbüro Schulzes Lebenswerk. Der gebürtige Dresdner, Jahrgang 1962, wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Mit den Erzählungen „33 Augenblicke des Glücks“ (1995) fing es an, gefolgt von „Simple Storys“ (1998), ein spektakulärer Erfolg, der häufig Schullektüre ist. Es folgten Romane wie „Neue Leben“ (2005) und „Peter Holtz. Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst“ (2017) sowie Erzählbände. Die Moderation des Abends übernimmt Maike Albath vom Deutschlandfunk Kultur. Weitere Termine:

„Kriminell“ geht‘s weiter: Am Dienstag, 10. November, stellen Gerhard Henschel und Frank Schulz die Krimi-Satire „Soko Heidefieber“ im Kulturforum vor. Dass Regionalkrimis zu den meistverkauften Genres in deutschen Buchhandlungen zählen, hat der Satiriker Gerhard Henschel zum Thema gemacht , nimmt in seinem Roman eine ganze Gattung meisterlich aufs Korn. Er macht die Krimi-Autoren selbst zum Opfer und eine überregionale Sonderkommission versucht dem „Krimi-Krimimörder“ auf die Spur zu kommen. Und er lässt einen echten Autor in seinem Figurenarsenal auftreten, den Osnabrücker Schriftsteller Frank Schulz. Auch er ist an diesem Abend zu Gast bei Julia Westlake vom NDR Kulturjournal in der Reihe „Der Norden liest“.

Nur einen Tag später, am Mittwoch, 11. November, ist Anne Weber Gast der Reihe „LiteraTour Nord“: Sie liest im Hörsaal 2 der Leuphana Universität aus „Annette. Ein Heldinnenepos“. Die gebürtige Offenbacherin lebt seit 1983 in Paris. Sie arbeitet als Literatur-Übersetzerin und schreibt Bücher in beiden Sprachen. Sie wurde dieses Jahr bei der Frankfurter Buchmesse mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. In ihrem Roman geht es um Anne Beaumanoir, Jahrgang 1923, eine bretonische Kämpferin für Recht und Freiheit, die noch heute als ein lebendiges Beispiel für die Wichtigkeit des Ungehorsams gilt. „Anne Weber wagt ein literarisches Experiment und erzählt dieses unwahrscheinliche Leben in einem brillanten Heldinnenepos“, heißt es in der Pressemitteilung.

In der Reihe „Was uns bewegt“ schaut Alexander Hagelüken am Mittwoch, 18. November, im Foyer des Museums Lüneburg in die Zukunft: „Das Ende des Geldes, wie wir es kennen“. Der Leitende Redakteur für Wirtschaftspolitik bei der Süddeutschen Zeitung legt dar, worauf wir uns einstellen müssen, wenn Bargeld und Sparzinsen schwinden. Auf der Grundlage von Daten aus vielen Ländern und Gesprächen mit internationalen Fachleuten deckt er in seinem Buch auf, wie radikal sich der Charakter des Geldes ändert und wie sich jeder Einzelne vor schleichender Enteignung und Überwachung schützen kann. Moderation: Martina Sulner.

Am Mittwoch, 25. November, kommt die Autorin Iris Wolff nach Lüneburg. Im Hörsaal 2 der Leuphana Universität liest sie als Gast der „LiteraTour Nord“ aus „Die Unschärfe der Welt“. Darin geht es um die Geschichte einer Familie aus dem Banat, deren Bande so eng geknüpft sind, dass sie selbst über Grenzen hinweg nicht zerreißen. Ein Roman über Menschen aus vier Generationen vor dem Hintergrund des kollabierenden Ostblocks und der wechselvollen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Die Autorin ist 1977 in Sibiu (Hermannstadt/Siebenbürgen) geboren, emigrierte 1985 nach Deutschland, lebt heute in Freiburg. 2017 erschien ihr viel gelobtes Buch „So tun, als ob es regnet. Roman in vier Erzählungen“. Zu ihren jüngsten Preisen zählen der Thaddäus-Troll-Preis, den sie 2019 erhielt ebenso wie der Marieluise-Fleißer-Preis, der sie für ihr Gesamtwerk ehrt. die