Experte in Sachen Glück: André G. Schulz, Autor, Verleger und Unternehmensberater. Foto: privat

Dem Glück auf der Spur

Lüneburg. Erfolge als Autor und Co-Autor ist der Lüneburger André Schulz gewohnt, doch sein jüngstes Werk „Alt genug, um glücklich zu sein“ (Heyne, 400 Seiten, 20 Euro) toppt alle seine Vorgänger, denn es ist auf der Spiegel-Bestsellerliste gelandet, beste Platzierung war bisher Rang 20. Die Titel „Finde dein Glück“, „Weil ich dich liebe“, „weil ich dich liebe, Papa“ und „Du bist mein Glück, Mama“, die der 42-Jährige ebenfalls mit dem prominenten Glücksforscher Florian Langenscheidt kreiert hat, sind zwar Topseller, gelten aber als Geschenkbücher, Bücher, in die man Botschaften eintragen kann. Das neueste Gemeinschaftswerk hingegen fällt in die Rubrik Sachbuch, kommt daher in die Spiegelwertung.

Dieser Ratgeber kommt ohne erhobenen Zeigefinger aus, will nicht belehren, höchstens die Augen öffnen. „Denn „es gibt unzählige Möglichkeiten, seinem ganz persönlichen ‚Altersglück‘ so nahe wie möglich zu kommen“, heißt es im Vorwort. Im Buch verteilt sind zudem 100 Tipps, die wie kleine Post-its positive Denkanstöße herauskehren. Im Gespräch berichtet André Schulz von seinen Ideen, Gedanken und seinem unglaublichen Werdegang.

Welche Rolle spielt das Alter fürs Glücklichsein?

André Schulz: Da stellt sich zunächst die Frage „Wie definiert man Alter“? Die UN hält Menschen ab 60 Jahren für alt, die WHO ab 65 und für Ärzte ist man ab 70 ein Alterspatient. Fragt man Erwachsene, wird meist der Eintritt ins Rentenalter genannt, wohingegen bei Kindern schon ein 30-Jähriger als alt gelten kann. Schließlich kam ich zu dem Schluss, dass Alter eigentlich nur ein anderes Wort für Leben ist. Altern bedeutet er-wachsen. Auch ein zweijähriges Kind ist alt, ebenso wie ein 85-Jähriger. Das Altsein beginnt doch quasi schon in Mamas Bauch. Daher ist es doch wunderbar, wenn wir altern dürfen, weil wir uns selbst und das Leben immer wieder neu erleben können.

Und wie steht es mit dem Begriff Glück?

Beim Glück kommt es darauf an, wo man ansetzt. Eigentlich gibt es gar keine Definition, denn jeder hat eine andere Bewusstseinsstufe dafür. Glück ist, das akzeptieren zu können, was ist.

Für mich ist es Ursache und Wirkung. Was ich denke und tue, bestimmt darüber, wie glücklich ich bin. Übrigens: In Okinawa (Inselgruppe in Japans Südwesten) gibt‘s kein Wort für Ruhestand. Und merkwürdigerweise leben dort die ältesten und glücklichsten Menschen der Welt! Nicht mehr zu arbeiten hieße für sie, nicht mehr das zu tun, was sie lieben. Für sie eine grausame Vorstellung.

Haben Sie den Eindruck, dass Senioren unglücklich sind, oder was war die Grundidee ihres Buches?

Es gibt verschiedene Typen. Einige sind voller Energie und Pläne, also die „berühmten“ Rentner, die nie Zeit haben. Die andere Gruppe sind diejenigen, die in ein Loch fallen und nicht wissen, was sie machen sollen, wie sie ihre Zeit sinnvoll füllen können. Beides ist kritisch. Eigentlich müsste es eine Art Ruhestands-Coaching geben. Wer glücklich altern möchte, sollte sich rechtzeitig fragen, wie er seine freie Zeit nutzen möchte.

Übrigens: Frauen fällt es viel leichter, in diese Ruhestandszeit zu gehen, denn sie haben schon während der Berufstätigkeit soziale Kontakte aufgebaut, sind in einem sozialen Netzwerk. Sie haben früh erkannt, dass es nicht nur um Anerkennung, Ruhm und Macht geht.

Wie haben Sie den Erfolgsautor Florian Langenscheidt kennengelernt, und wie kam es zur Kooperation?

Ich habe mal mit einem Freund zusammen einen Lebenskatalog entworfen, ein Bildband für uns und unsere Kunden. Zwölf große Themen und dazu 365 Bilder als Inspiration fürs eigene Leben. Als ich Florian Langenscheidt in einer Talkshow erlebte, war er mir so sympathisch, dass ich es wagte, ihm das Manuskript zu schicken. Er fand das Buch toll und empfahl mir, es selber zu verlegen. Später kam es zu einem ersten Treffen in Hamburg, und das war die Basis für gemeinsame Projekte und eine wunderbare Freundschaft. Uns macht es glücklich, gemeinsam Bücher übers Glück zu machen.

Was macht das neue Buch zum Sachbuch?

Wir haben uns das Alter wie ein großes Land mit 24 Bundesländern vorgestellt, das man durchwandern kann. Man kommt durch das Land der Weisheit, das Land der Körperlichkeit, der Freiheit, der Liebe, also große Themen, die auch im Ruhestand eine Rolle spielen.

Durchs Alter spazieren und ab und zu schauen, was haben die Philosophen dazu gesagt, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse und Studien gibt es. Auf diese Weise gewinnt der Leser einen anderen Blick aufs Alter, auf seine Situation. Natürlich verschweigen wir nicht die unschönen Dinge wie Krankheiten, Demenz, Hör- und Sehverlust, Einsamkeit. Da insbesondere ich als der Jüngere all das ja noch nicht erlebt hat – Florian Langenscheidt ist 65 – haben wir uns 15 Experten ins Boot geholt, die in Gastbeiträgen über solche Erfahrungen und wie man damit umgehen kann, berichten. Denn die dunklen Seiten gehören dazu.

Was ist Ihr Lieblingstipp von den 100 „Denkzetteln“ („Schritten zum glücklichen Alter“), die in dem Buch verstreut sind?

Zum einen Schritt Nr. 1: „Erst fahren wir hoch und entdecken staunend alles, dann runter und genießen den Überblick und ungeahnte neue Perspektiven.“ Und Nr. 20: „Dem Leben auf den letzten Metern ein Schnippchen schlagen … selbst mit dem Rollator in bestimmten Momenten tanzen.

Wie alt fühlen Sie sich selbst?

(herzhaft lachend) Darüber habe ich noch nie nachgedacht! Da ich sehr früh Unternehmer wurde und schon als 20-Jähriger mit Vorstandschefs zu tun hatte, habe ich eigentlich immer nur mit dem Satz „Oh, Sie sind aber noch jung“ zu kämpfen gehabt.

Das G. in Ihrem Namen steht für die 5 G‘s „Geld – Glück – Gesellschaft – Gesundheit – Geschichten. Warum steht Geld an 1. Stelle?

Einfach nur, weil das „e“ vor dem „l“ im Alphabet kommt. Vielleicht habe ich es unbewusst gemacht, weil Geld mein Startpunkt war. Ich bin ja gelernter Sparkassenkaufmann, habe mich immer mit Geld beschäftigt. Heute berate ich als Lebensbanker, helfe Menschen, herauszufinden, wie viel Geld sie wirklich zum Leben brauchen. „Emotional banking“ heißt die Devise.

Ein Buch zu Ehren der lieben Mama, des lieben Papas , jetzt für die ältere Generation, gibt‘s noch eine Zielgruppe, die Sie beglücken wollen?

Kinder. Vor mir liegt gerade das Logo für meine neue Serie „Fantasykids“. Die startet nächstes Jahr. Dabei geht es darum, die analoge Welt mit der digitalen zu verknüpfen. Denn bei meinen Lesungen und Veranstaltungen mit Kindern stelle ich immer wieder fest, wie wenig die Kinder heutzutage im Wald bzw. draußen sind. Das bestätigten mir auch Lehrerinnen und Lehrer. Ich will eine Geschichte schreiben, in der die Kinder sein können, was sie wollen, sich auch in einen Tisch oder eine Nudel verwandeln können, eine Art Videospiel im echten Leben. Ähnlich wie mit meiner Schreibwerkstatt, die ich an der IGS Embsen anbiete. Durch dieses Schreiben finden die Kinder heraus, ,was will ich wirklich‘, ,wer bin ich‘. Denn die Kinder verarbeiten beim Schreiben ihre Probleme. Das ist quasi eine ganz simple Art, Kindern zu helfen, mit ihren Sorgen umzugehen. Und mit ihnen darüber zu reden. Kinder und die Älteren sind die wichtigste Zielgruppe, weil die immer vernachlässigt werden.

Von Dietlinde Terjung