Hajo Fouquet allein zuhaus: Das Foto vom Intendanten des Theaters Lüneburg entstand beim ersten Lockdown im März, jetzt ist es wieder aktuell. Foto: t&w

Theater und Kinos müssen schließen

Lüneburg. Der Termin aus Berlin ist eindeutig: „Theater, Opern, Konzerthäuser und ähnliche Einrichtungen“ seien am Montag zu schließen, der zweite Lockdown des Jahres soll sich über den November erstrecken. Die Mitarbeiter der Lüneburger Institutionen reagieren mit einer Mischung aus Frust und Verständnis.

Hajo Fouquet, Intendant des Theater Lüneburg, reagiert wenig überrascht: „Der Beschluss der Bundeskanzlerin und der Ministerpräsidenten am 28. Oktober kam – nach der Berichterstattung der Tage davor – nicht überraschend. Ich hätte es jedoch nicht klug gefunden, vorher schon zu mutmaßen, ob es wirklich so kommt. Nun wissen wir, wie es ist und können damit umgehen. Wir respektieren die Kontaktbeschränkungen als notwendiges Mittel zur Eindämmung der Pandemie, weisen aber explizit daraufhin, dass wir mit einem ausgereiften Hygienekon­zept und einer hochleistungsfähigen Lüftungsanlage im Theater Lüneburg für größtmögliche Sicherheit sorgen. Die Vorstellungen ab dem 1. Dezember bleiben erst mal wie geplant. Premieren, die im November stattgefunden hätten, holen wir nach. Verbindliche Termine werden wir aber erst nach der kommenden Ministerpräsidentenkonferenz in zwei Wochen veröffentlichen.“

Für Margit Weihe vom Theater im e.novum bedeutet der Lockdown viel Arbeit. „Die vierwöchige Schließung trifft uns natürlich hart. Wir hatten ein ausgezeichnetes Hygienekonzept. Wir müssen eine Premiere absagen und demzufolge 26 Vorstellungen unseres Weihnachtsmärchens. Die Gelder des Eintritts fehlen, auch, wenn wir nur ein Viertel von dem einnehmen, was wir vor Coronazeiten hatten. Die Frage ist, ob die Kulturbetriebe auch 75 Prozent des Umsatzes vom November des Vorjahres bekommen. Fest steht aber: Wir können nichts ändern, wir müssen die Zahlen gering halten, wir müssen alles tun, um die Pandemie abzuwehren, und wenn der Lockdown helfen sollte, das wäre doch prima.“

„Ein harter Schlag für das Unternehmen"

"Tickets für November sind bereits auf Storno gestellt“, sagt Annette Wörsdörfer, Leiterin des Lüneburger Kinos Filmpalast. Im Vergleich zum ersten Lockdown – 16. März bis 2. Juli – könnte die Schließung diesmal deutlich kürzer ausfallen. Dennoch: „Das ist ein harter Schlag für das Unternehmen, zumal die Hygienekonzepte funktionierten. Es hat weltweit bei den Kinos keine Cluster gegeben hat. Wir waren nach dem Lockdown mit zwanzig Prozent der Besucherplätze gestartet, mittlerweile sind wir bei vierzig Prozent angekommen.

Parallel zum Filmpalast ist auch das Scala-Programmkino vom ersten wie vom zweiten Lockdown betroffen. Auch wenn es weh tut – Geschäftsführer David Sprinz hält eine konsequente Schließung aller entsprechenden Einrichtungen für „das richtige Signal“. Immerhin gibt es nun schon Erfahrungen, wie der Lockdown hausintern – von der Information der Mitarbeiter bis zur Kurzarbeit – umgesetzt werden muss. Die Hoffnung: Zuschuss vom Staat, mit rund 70 Prozent des Umsatzes des Vorjahresmonats ist zu rechnen.

Von Dietlinde Terjung und Frank Füllgrabe