Katharina Hinz, Leiterin der Adendorfer Serenade, deckt den Flügel zu, der nun doch nicht zum Einsatz kommen konnte. Foto: t&w

Absage, Zusage, Absage

Adendorf. Die vergangenen Tage waren für Katharina Hinz wie ein Krimi. Ihr Jubiläumskonzert zum 40-jährigen Bestehen der Adendorfer Serenade, das am Sonnabend im Castanea Forum mit einem Schumann-Abend gefeiert werden sollte, musste kurzfristig abgesagt werden – obwohl am Wochenende kulturelle Veranstaltungen noch erlaubt waren.

Am Montagmorgen setzt die Pianistin sich noch einmal wehmütig an den geliebten Bechstein-Flügel, bevor eine Transportfirma das gute Stück zurück zur Emmaus-Gemeinde bringt. „Dieser Klang auf dieser neuen Holzbodenbühne in dem Saal ist unglaublich farbenreich. Es ist einfach nur traurig, dass dieses Konzert nicht wahr werden konnte“, sagt sie, bemüht Tränen zu unterdrücken.

Eigentlich begann der Krimi für die Ensemble-Leiterin schon am Donnerstag. Denn da erhielt sie eine Absage vom Quartett der NDR Radiophilharmonie, da sie einen Krankheitsfall zu vermelden hatten. Katharina Hinz, bestens in der Szene vernetzt, nahm sogleich Kontakt mit dem Alinde Quartett auf, das Ende November ein weiteres Serenaden-Konzert mitgestalten sollte. Die in Köln beheimateten Musiker sagten zu, zumal sie das Schumann-Klavierquintett des Jubiläumsprogramms erst kürzlich gespielt hätten. Problem gelöst.

Doch am Freitagmittag, Katharina Hinz spielt am Flügel und probt mit der Sopranistin Hanna Zumsande, kommt der nächste Schlag: Bürgermeister Thomas Maack informiert sie, dass es am Nachmittag eine Sitzung gebe und ich mit einer Absage rechnen müsse. „Da war für mich klar, ich muss jetzt handeln“, schildert Hinz die dramatische Entwicklung. Sofort informierte sie das Quartett, das bereits auf der Autobahn unterwegs war und sodann umdrehte, sagte dem Klavierstimmer in Hamburg ab, brachte die Sopranistin Hanna Zumsande zum Bahnhof. Nächster Schritt: Die Absage ins Netz stellen. Doch sie mutmaßte, dass nicht jeder so kurz vor der Veranstaltung online geht. Also beschaffte sie sich Telefonlisten der Vorverkaufsstellen und informierte die vermeintlichen Konzertbesucher persönlich. „Mit dem Ergebnis, dass am Sonnabend lediglich ein Pärchen und eine Einzelperson vor verschlossenen Türen des Castanea Forums standen.“

"Man sitzt quasi zwischen Baum und Borke"

Einerseits hat sie Verständnis dafür, dass die hohen Infektionszahlen zum Handeln zwingen, aber besonders bitter empfand sie, als sie erfuhr, dass die meisten anderen Veranstalter ihr Programm durchzögen.

Auch Bürgermeister Thomas Maack sei es schwer gefallen, diese Entscheidung zu treffen. Bei der Lagebesprechung mit den Leitern der Fachabteilungen und Einrichtungen am Freitagnachmittag waren letztendlich die hochschnellenden Infektionszahlen ausschlaggebend, sodass auch das Eisstadion schließen musste. „Im Castanea Forum wäre auch Personal der Gemeinde vor Ort gewesen, zu dem viele ältere Leute. Da war die einhellige Meinung, dass es besser wäre, zur sicheren Seite zu gehen und das Konzert abzusagen“, erläutert Maack. Denn trotz Einhaltung aller Sicherheitsmaßnahmen und guter Hygienekonzepte komme es doch immer wieder zu Ansteckungen wie man von anderen Veranstaltungen hört. Man sitzt quasi zwischen Baum und Borke. Wie man‘s macht ist‘s verkehrt, aber die Sicherheit der Menschen geht vor“, betont Maack.

Ein kleiner Lichtblick ist, dass die Gemeinde das Ausfallhonorar für die Künstler übernimmt und auch die Rückerstattung der Tickets. Karten können bei der jeweiligen Verkaufsstelle zurückgegeben werden. Und, wie der Bürgermeister versicherte, das Jubiläumskonzert wird irgendwann nachgeholt. Darauf freut sich auch Katharina Hinz: „Das wird ein großes Konzert, dann lassen wir es so richtig krachen.“

Von Dietlinde Terjung