Ingo der Otter, hier als Bronzeskulptur von Edith von Sanden, ist das Maskottchen des Hauses. (Foto: Museum)

Liebe Grüße an Ingo. Jule!

Lüneburg. Im Museum lieben Kinder Erlebnisräume mit interaktiven Stationen und einfachen Texten. So können sie spielend mit den für sie manchmal spröde wirkenden musealen Themen umgehen. Die Bedürfnisse der jungen Generation mit zu berücksichtigen, gehört heutzutage zur Ausstellungsplanung jedes modernen Museums dazu. Das gilt im Besonderen für die Dauerausstellung des vor zwei Jahren wiedereröffneten Ostpreußischen Landesmuseums mit Deutschbaltischer Abteilung. Mit dabei ist Fischotter Ingo, das Museumsmaskottchen.

Er hilft den Kindern und Familien, auf einem erlebnisreichen Pfad zu interessanten Exponaten aus vielen Jahrhunderten zu finden. Bei dem großen Angebot an diversen Kulturschätzen, welches das Museum zu bieten hat, ist es schwierig, eine freie Auswahl zu treffen. Bevor Kinder frustriert abschalten, heißt es: „Mit Fischotter Ingo auf Entdeckungsreise gehen.“ Er führt zu ausgewählten Objekten und auch zu Vitrinen, die speziell für Kinder eingerichtet wurden. Ausgestattet mit einem Rätselheft und Rucksack kann die Museumstour beginnen. Die Kindertexte in der Ausstellung sind mit einer Fischotterfigur gekennzeichnet und helfen bei der Orientierung. Eine junge Besucherin schreibt dazu ins Gästebuch: „Mir hat es sehr gut gefallen. Ich habe die Führung mit Ingo gemacht – Liebe Grüße an Ingo. Jule!“

Besonders beliebt ist das Bernsteinlabor

Gleich zu Beginn der Rundtour, in der Mittelalterabteilung, wird das Wirken des „Deutschen Ordens“ dargestellt. Die Ordensritter hatten zwar einen hohen Stand in der Gesellschaft, aber ihr Leben war nicht einfach. Krieg und Kampf waren für sie eine selbstverständliche Pflicht. Dazu benötigten sie eine schwere Rüstung, die mehr als 40 Kilogramm wiegen konnte. Die Kinder können den Helm anprobieren, das Gewicht eines Kettenhemdes schätzen oder mit Kettenhandschuhen ein echtes Schwert halten.

Besonders beliebt ist das Bernsteinlabor. Mit einem Blick durchs Mikroskop können beispielsweise Spinnen und Mücken in dem etwa 40 Millionen Jahre alten fossilen Harz, dem baltischen Bernstein, bewundert werden. Gleich im nächsten Raum tauchen die kleinen Forscher in die ostpreußische Naturlandschaft ein. Felle fühlen und dabei den Unterschied zwischen Borsten und Haaren zu begreifen, gehört genauso dazu, wie das Anfassen und Gewichtschätzen von Horn und Geweih. Zum Verweilen lädt dazu eine Hörstation mit Kindergeschichten und Märchen ein.

Etwas versteckt, hinter einem Filzvorhang, können alte ostpreußische Kirchenglocken zum Klingen gebracht werden. Sie stammen vom sogenannten Hamburger Glockenfriedhof. Während des Zweiten Weltkrieges sollten sie als kriegswichtiges Material eingeschmolzen werden. Neue, aufeinander abgestimmte kleinere Glocken, an denen die Kinder eigene Melodien wie in einem Glockenspiel ausprobieren können, stehen daneben. Wenn sie aber der Anleitung folgen, hört man eines der bekanntesten Advents- und Weihnachtlieder: „Macht hoch die Tür“. Es wurde im Jahre 1623 in Ostpreußen von dem Königsberger Pastor Georg Weissel gedichtet.

Im nächsten Jahr wird es einen Audioguide geben

Gleich daneben findet sich ein großes, interaktives Modell mit Sonne, Erdkugel und einem weiteren Planeten. Es verdeutlicht anschaulich die Planetenbewegung um die Sonne aus Sicht der Erde, die zu sogenannten „Planetenschleifen“ am nächtlichen Himmel führen. Der Astronom Nikolaus Kopernikus (1473-1543) erklärte dieses zunächst unverständliche Phänomen mit dem damals revolutionären Ansatz eines heliozentrischen Weltbilds, wonach sich die Erde und die anderen Planeten um die Sonne drehen. Zu Kopernikus’ Zeiten gab es noch kein Teleskop, für die Analyse der Planetenbewegung standen nur einfache Instrumente zur Verfügung. Für die Menschen war es damals schwierig, seinen Theorien zu glauben, denn sie standen im Widerspruch zum damaligen vorherrschenden geozentrischen Weltbild der Antike, wonach die Erde im Mittelpunkt des Universums stände.

Weiter geht’s in die oberste Etage zur „Hanse im Baltikum“. Um 1400 war ihre Blütezeit, in dessen Bündnis auch Lüneburger Kaufleute mit ihrem wertvollen Salz erfolgreich Handel trieben. Auch hier steckt Ingo seine neugierige Nase in die Luken des Hanseschiffs, um die Handelswaren wie Felle, Wachs, Pech, Flachs, Getreide und eben das Lüneburger Salz zu entdecken – die Kinder machen es ihm nach. Damit schließt der Rundgang mit Fischotter Ingo. Im nächsten Jahr wird es zudem einen Audioguide geben, der die Kinder auf ihrem Museumsbesuch „an die Hand“ nehmen soll.

Von Silke Straatman

Bildung und Vermittlung

Silke Straatman, Autorin dieses Teils der LZ-Reihe über Exponate und Einrichtungen im Ostpreußischen Landesmuseums, leitet den Bereich Bildung und Vermittlung.