Donnerstag , 13. August 2020
Tanja Bahrami (Wanda), Julia Holmes (Grit) und Caroline Kiesewetter (Pascaline) analysieren die Männer. Foto: t&w

Kreischalarm auf Parkdeck 1

Lüneburg. Am besten läuft Pop, läuft Hip-Hop. Aber die Macher des Kultursommers wollen ein breites Spektrum anbieten. Schlagerstar Beatrice Egli war da, Vicky Leandros singt am 9. August, und Klavierkabarettist Bodo Wartke tritt am 25. August auf. Rock und Pop bleiben aber top im Programm. Aus dem Rahmen fiel jetzt das Gastspiel des Ohnsorg-Theaters. Schrill, schriller, „Tussipark“. Ein krasser Abend rollte vor rund 200, also vor zu wenig Besuchern ab.

Als Karaoke-Komödie wird Christian Kühns Komödie bezeichnet. Pop-Songs von ABBA bis ABBA ziehen sich durch das Stück. Das Karaokige wird von vier Frauen gesungen, die aber vor allem ein Thema haben: Männer von Hirn bis Hode. Gesungen wird playback, Coronas wegen.

Zoten pflastern ihren Weg

Es treffen zusammen: Vollstressmutter Grit, die aus dem Job gekickte Verkäuferin Jennifer, Lifestyle-Beraterin und Männerverschleißerin Pascaline und – noch im Brautkleid – Wanda auf der Flucht vor ihrer eigenen Hochzeit. Spielort ist das Parkdeck eines Shopping-Centers. Alle vier wollen eigentlich nix wie weg – und bleiben zum Kreischalarm auf P1.

Wie ist das nun mit den Männern? Die sind wie Zähne: Erst bekommt man sie schwer und dann machen sie Beschwerden. Pascaline, gespielt von Caroline Kiesewetter, nennt die Idealmaße für den Mann: 80-60-42. Also: 80 Jahre, 60 Millionen, 42 Grad Fieber. „Männer haben auch Rechte wie Menschen“, stellt Grit (Julia Holmes) fest. Jennifer (Rabea Lübbe) outet sich als „Single mit Frustrationstoleranz“, und Tanja Bahmani hatte als Wanda einst den Spitznamen „Wandahure“.

Zoten pflastern ihren Weg. Um den reinen Tussi-Text zu mögen, muss man schon Sätze über Traumhoden lustig finden und Aussagen wie die, dass Männer ihren Willy im Griff haben sollten. Okay, das Ohnsorg-Theater steht für Platt, hier geht’s aber hochdeutsch Knall auf Fall um Gags und nichts anderes.

Es wird gejuchzt, mitgeklatscht und mitgesungen

Drei Dinge treiben den Abend zum Erfolg. Die Dialoge, in Szene gesetzt von Murat Yeginer, jagen sich in einem Tempo, dass Otto Julius Birnbaums Bonmot trifft: „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“. Zweitens spielt das schon bewundernswerte Quartett den Boulevard-Klamauk im Volleinsatz immer schräger nach vorn. Drittens kommen die Songs auch im Playback, also im Studio eingesungen, als Auflockerer immer dann, wenn es zu schwanzig wird. ABBA zu Beginn und zur Zugabe, dazwischen „I’m a Survivor“ (Destiny’s Child), „Baby Hit Me One More Time“ (Britney Spears) und natürlich Die Ärzte: „Männer sind Schweine“.

Es hat den Besuchern eine Menge Spaß gemacht, es wird gejuchzt, mitgeklatscht und mitgesungen. Zum Schluss – „Mamma Mia“ – im Stehen. Ist das eigentlich erlaubt, Corona?

Egal, weiter geht’s auf den Sülzwiesen. Bei den nächsten Abenden soll es tatsächlich sommerlich und regenfrei werden. Freitag, 31. Juli, 18 Uhr: Noltes Sommerloch-Gala; Sonnabend, 1. August, 19.30 Uhr: Thees Uhlmann mit dem Danke-für-die-Angst-Trio; Sonntag, 2., 20.15 Uhr: „Tatort“ als „public viewing“.

Von Hans-Martin Koch