Donnerstag , 22. Oktober 2020
Wer es sich leisten konnte, reiste den längsten Part seiner Pilgerreise per Schiff. Museumsdirektorin Heike Düselder und Kurator Hartmut Kühne gingen auf die Spuren des Pilgerns. Foto: phs

Äußere und innere Reisen

Lüneburg. Wer pilgert, braucht Geduld. Sieben Reden sind zur Eröffnung der Ausstellung angesetzt, plus Musik. Das ist eine lange Strecke, aber um so eine geht es ja auch, um „Pilgerspuren – von Lüneburg an das Ende der Welt“. Mit einer Doppelausstellung wird in den kommenden Monaten das Pilgern in Norddeutschland aufgearbeitet, beginnend im Museum Lüneburg. Im Herbst folgt dann Part zwei im Schwedenspeichermuseum Stade.

Beten mit den Füßen

Dass die Eröffnung einen Tag nach dem Tag des Pilgerheiligen St. Jakobus nicht im Museum stattfindet, sondern in der katholischen St. Marienkirche, passt. Nach einer Begrüßung durch Monika Korthaus-Lindner von der Gemeinde erinnert Museumsdirektorin Heike Düselder daran, dass die Tradition des christlichen Pilgerns eine katholische ist. Düselder dankt vielen Ermöglichern, von der Stadt, die sich beispielhaft engagiert habe, bis zum Archäologen Edgar Ring als einen der Wegbereiter für das Ausfindigmachen der Pilgerspuren „von Lüneburg an das Ende der Welt“. Ausgiebige Forschung ging der „größten und aufwendigsten Ausstellung des Museums“ voraus.

Düselders Stader Kollege ist erkrankt, er wird am 3. Oktober zu Teil zwei begrüßen, „Wege in den Himmel“ vorstellen. Kompetent über das Pilgern sprechen kann aber auch Oberbürgermeister Ulrich Mädge. Er war wiederholt zum „Beten mit den Füßen“ unterwegs und bringt zu diesem Nachmittag ein zweites Zitat mit, es stammt von Cervantes: „Der Weg ist immer besser als die schönste Herberge.“ Aber ohne eine solche geht es natürlich auch nicht. Den beiden Ausstellungen soll als dritter Part ein pilgertouristischer folgen. Mädge kündigt eine Einrichtung für Pilger auf dem Bardowicker Nikolaihof an.

200.000 Pilgern pro Jahr

Für diejenigen, die sich für diese Ausstellung engagieren, die regional verankert Verantwortung übernehmen, spricht Sparkassenvorstand Torsten Schrell. Er vertritt zugleich die Niedersächsische Sparkassenstiftung als bedeutende Förderin.

Wer pilgert, braucht ein Ziel. Es sind gleich drei, die auch für Reisende aus Lüneburg relevant waren. Kurator Hartmut Kühne weiß alles zum Thema, er ist seit 20 Jahren forschend unterwegs – „ein Marathon“. Er stellt die Ziele vor und einen Lüneburg-Bezug her. Santiago de Compostela, Wallfahrtsort seit 830, wird heute von 200.000 Pilgern pro Jahr geflutet. Rom als Pilgerstätte besaß früh neben der religiösen auch eine politische Dimension. Und Jerusalem war mehr noch als Santiago und Rom ein Ziel für Vermögende. Ohnehin: Über die Habenichtse, die sich auf den Weg machten, wisse man fast nichts.

Wer pilgert, hat neben dem äußeren vor allem ein inneres Ziel. Scließlich gilt heutzutage: Der Weg ist das Ziel. Superintendentin Christine Schmidt spricht einen Pilgersegen, Psalm 121: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen“. Für moralische und musikalische Erbauung in der Stunde der Eröffnung sorgt auch Ramon José Moran mit Dudelsack und Gesang.

Rom, Jerusalem und Santiago de Compostela

Schließlich braucht, wer pilgert und mehr darüber wissen will, Durchhaltevermögen. In diesem Fall: 528 Seiten, zwei und ein halbes Kilo. Das ist die Strecke, die der Katalog für die Pilgerspuren aufweist. Wer eine Abkürzung nehmen will, geht ins Inernet zu pilgerspuren.de.

Eine ausführliche Vorstellung der bis zum 1. November laufenden Ausstellung im Museum folgt.

Von Hans-Martin Koch