Donnerstag , 22. Oktober 2020
Michal Schulte heizt die Stimmung an dem kühlen Abend mit gute-Laune-Songs an. Foto: phs

Er bleibt sich einfach treu

Lüneburg. Michael Schulte hat ein Foto gepostet. Da steht er, seinen Sohn Luis auf dem Arm, am späten Nachmittag auf der Bühne, schaut auf die noch leere Sülzwiese und freut sich auf sein erstes Open-Air-Konzert 2020 mit Menschen statt Autos als Zuhörer. Bald werden 650 Besucher da sein – Bestbesuch beim Lüneburger Kultursommer, der spät, aber doch Fahrt anzunehmen scheint. Das kommende Spiel dauert 90 Minuten und sorgt bei Schulte, seiner kleinen Band und den Zuhörern für gute Laune. Nur eins ist ein bisschen blöd.

Bei all den Autokinokonzerten nämlich sei das Wetter gut gewesen. Und heute? Kitschig betrachtet: Weint der Himmel aus Freude, dass sich etwas in Richtung Normalität dreht? Irgendwann macht das Tröpfeln mal Pause, zeigt sich Sonnenlicht hinten am Horizont. Da ist es dann noch heiterer und passt zu dem radiotauglichen Singer-Songwriter-Pop des 30-Jährigen.

ESC ist kein Karriere-Garant

Michael Schultes Weg ist ziemlich typisch: Er lud Coverversionen auf YouTube hoch, seine Stimme kommt an, auch bei heutigen Kollegen wie Max Giesinger. Schulte geht aber nicht wie Giesinger & Co. auf die viel befahrene Deutschpop-Schiene, er bleibt englisch betexteten Songs treu. Er tritt bei „The Voice of Germany“ auf und hat Erfolg. Endgültig zum Star wird er, als er 2018 beim Eurovision Song Contest „You Let Me Walk Alone“ singt. Der ESC ist allerdings kein Karriere-Garant: Wo ist Jamie-Lee, wo Cascada, wo Levina, wo Elaiza, die immerhin ein Solo-Album aufgenommen hat? Schulte bleibt. Er schraubt nicht an einem designten Image, er ist er selbst, er hat Charisma, einen Plan, glaubt an seine Musik und hält sich im Geschäft.

Stimme und Ausstrahlung genügen

„Highs & Lows“ heißt sein letztes Album. Er wisse, dass auf Höhenflüge die Tiefen folgen können. Aber es ist noch nicht soweit. „Back To The Start“ heißt der Opener des Albums. Das Stück steht am Ende des Konzerts, da dürfen alle „vorsichtig aufstehen“, sagt Schulte, für den die Zugaben wie „Butter auf die Seele“ wirken. Falsches Deutsch? Egal. Sonst stimmt so ziemlich alles.

Mit Florian Lippert an den Tasten und Drummer Nando Schäfer, der auch bei der sensationellen Techno-Marching-Band Meute zuschlägt, bildet Schulte ein starkes Trio für Songs von „The Maze“ bis „Holding Back The Fire“. Es gibt einiges zum Mitklatschen und -singen, und einmal tauschen die Musiker die Instrumente. Das ist die Spitze an Showeinlage, mehr braucht Schulte nicht. Stimme und Ausstrahlung genügen. Was ihm noch gelingen darf: Etwas mehr Abwechslung in seine insgesamt recht ähnlich gebauten Songs zu bringen. Erhöht die Spannung!

Von Hans-Martin Koch

Und was Schulte selbst gern hört, verrät der Mann aus Buxtehude der LZ mit seiner Playlist. Seine Top Ten sehen so aus:

  • Peter Gabriel – „The Book Of Love“
  • Luke Kelly – „Lifeboat Mona“
  • Ben Howard – „Depth Over Distance“
  • James Blake – „Overgrown“
  • Band of Horses – „The Funeral“
  • Del Amitri – „Tell Her This“
  • Lifehouse – „Everything“
  • Death Cab for Cutie – „I Will Follow You Into The Dark“
  • Glen Hansard – „Falling Slowly“
  • Enya – „If I Could Be Where You Are“.