Montag , 26. Oktober 2020
Das Lüneburger Kammerorchester bei einem Konzert im Kloster Lüne. Foto: privat

Sie wollen unbedingt spielen

Lüneburg. Katrin Westphal zieht alle Register. Sie möchte ein Konzert retten. Es ist ihr Konzert beziehungsweise das Herbstkonzert des Lüneburger Kammerorchesters, in dem sie als Konzertmeisterin spielt, das sie leitet und bei dem ihre 14-jährige Tochter als Solistin auftreten soll. Aber die Finanzierung steht noch nicht, um am 20. September das Motto „Leben, Farben, Duft und Schall“ Klang werden zu lassen. Helfen soll ein Crowdfunding, eine Spendenaktion.

Konzerte mit Chören derzeit nicht möglich

Vor zehn Jahren gründete sich das aus Profis und ambitionierten Laien bestehende Orchester. Es hat sich ein großes Repertoire erspielt, tritt regelmäßig auf. Einiges in diesem Jahr mussten und müssen die Musiker allerdings absagen, das betrifft Konzerte mit Chören und mit Verstärkung durch Bläser. Da fliegen zu viele Aerosole …

Angepeilt aber ist das elfte Herbstkonzert. „Da wir ein reines Streichorchester sind, können wir dies gut durchführen“, sagt Katrin Westphal. Ursprünglich war Kloster Lüne als Spielort geplant. Dort könnten wegen der Corona-Bestimmungen aber nur sehr, sehr wenig Zuhörer Platz finden. Neuer Ort ist die größere Nicolaikirche, allerdings ist auch dort unterm Strich nur ein kleiner Teil für Besucher nutzbar. Entsprechend gering fällt die Einnahme durch Kartenverkauf aus.

„Kinder-Sinfonie” ist geplant

Gleichzeitig fehlten, so Westphal, notwendige Mittel von Förderern und Sponsoren. Die Sparkassenstiftung gibt zurzeit kein Geld für Einzelprojekte, auch von der Stadt Lüneburg sei bisher keine Förderung eingegangen. Dort wurden alle Anträge vorläufig zurückgestellt, im September wird erneut beraten. Eine Förderung über 1400 Euro aber kommt, wie berichtet, vom Lüneburgischen Landschaftsverband.

Über die Internet-Plattform Startnext sollen jetzt 3000 Euro eingesammelt werden. Wer das Kammerorchester auf diesem Weg unterstützen will, findet auf der Homepage des Kammerorchesters einen entsprechenden Link.

Das Programm bietet Musik von Albinoni, Bach, Mozart, Oreste Ravanello und Grieg. Außerdem ist die Haydn zugeschriebene „Kinder-Sinfonie” geplant. Dabei sollen ganz junge, fünf- bis zehnjährige Streicher des von Katrin Westphal geleiteten Kinderensembles Fidelissimo mitspielen.

Corona-Zeit zum Einüben von Mendelssohns Violinkonzert

Als Höhepunkt geplant ist schließlich Mendelssohns Violinkonzert e-Moll, eines der populärsten Werke des Komponisten. Solistin Eva Christine Westphal war im vergangenen Jahr 1. Preisträgerin beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert” und hat bereits Erfahrung als Solistin. „Sie wünscht sich zur Zeit nichts mehr, als ‚ihren‘ Mendelssohn im September mit dem Kammerorchester spielen zu dürfen“, sagt Mutter Katrin. Die Corona-Monate habe ihre Tochter genutzt, „noch mehr als sonst zu üben, zu üben, zu üben.“

Dirigent ist Ettore Prandi, musikalischer Leiter der Hamburger Kammeroper. Er folgt auf Urs-Michael Theus, der seit September 2019 als künstlerischer Leiter des Brandenburgischen Konzertorchesters Eberswalde nur noch zeitweise in Lüneburg ist.

Von Hans-Martin Koch