Anja Imig und Thomas Matschoß haben umdisponiert, auch der Spielplan des Jahrmarkttheaters richtet sich nach den Corona-Bedingungen. Foto: oc

Kein Jammern und kein Klagen

Bostelwiebeck. Auch dies ist eine von den vielen Geschichten, an deren Beginn das Wort „eigentlich“ steht. Denn eigentlich wollte das Jahrmarkttheater in diesem Sommer eine recht aufwendige Produktion mit dem Titel „Das Haus“ spielen. Es sollte aus 26 Fenstern und sieben Türen die erste Open-Air-Produktion werden, die nicht in Wettenbostel läuft, sondern in Bostelwiebeck, dem Heimatdorf der freien Bühne. Jetzt kommt es anders. Es kommen vier Abende „garantiert ohne Jammern und Klagen“. Es kommt „Das Gute“.

Anträge, Anträge und nochmals Anträge

Der Titel konterkariert die Situation der selbstständigen Künstler, an denen die Corona-Hilfen weitgehend vorbeifließen. Es sei schon eine anstrengende Zeit, sagt Anja Imig, die mit Thomas Matschoß das Jahrmarkttheater seit zwölf Jahren in Schwung hält. „Anträge, Anträge, Anträge“ hätten sie ausgefüllt. Lange erfolglos, jetzt gerade bewege sich etwas. Aber nichts ist, wie es war. „Was uns fertig macht, ist die Perspektivlosigkeit“, sagt Matschoß. „Einen anderen Beruf suchen?“ fragt Imig. Aber alles Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen hilft nicht weiter. Aber sie wollen und werden weitermachen.

Gestrichen hätten sie „Das Haus“ sehr früh, sagt Anja Imig. Lange Proben, dicht an dicht sitzendes Publikum – zu viel war unwägbar und ist es ja noch. Die 26 Fenster und sieben Türen bleiben also in Sachen Theater geschlossen. Sie gehören zu dem weitläufigen Hof, auf dem Imig/Matschoß ihr Theater betreiben – in Bostelwiebeck. 51 Einwohner, Landwirtschaft, Gaststätte „Waldesruh“.

Das „Haus“-Team aus acht Schauspielern und Musikern spielt, spricht und singt trotzdem. „Beim Überlegen, was wir denn tun können, waren wir eigentlich innerhalb einer Minute bei ‚Das Gute‘ angekommen“, sagt Matschoß. Wo das Gute zu finden ist und was es ausmacht, dem soll ein leichter, anekdotischer Abend hinterherspüren, mit Liedern, Szenen, Rezitation und gemeinsamem Reden. Alles mit gebotenem Abstand.

Oma Sonne wollte auch dabei sein

„Ich wollte eigentlich nicht mitspielen“, sagt Thomas Matschoß. Aber Oma Sanne, so etwas wie sein Alter Ego, die wollte denn doch. Alles läuft jetzt eine Spur schmaler als geplant und vor maximal fünfzig Besuchern. Vier Abende waren für „Das Gute“ vorgesehen. Die Premiere am Donnerstag, 30. Juli, ist aber schon ausgebucht, und da die Nachfrage erfreulich läuft, sind jetzt Extratermine an Freitagen benannt: 7., 14. und 21. August. Gespielt wird gegen „Hutkasse“, eine Anmeldung ist wichtig: 05807/979971 oder karten@jahrmarkttheater.de.

Im Herbst geht es dann wieder in den ehemaligen Kuhstall, ab 20. November heißt es im Jahrmarkttheater: „Unser Lied für Torfbostel“.

Von Hans-Martin Koch