Mittwoch , 12. August 2020
Gut ausgerüstet für den ersten Kino-Abend seit dem Corona-Lockdown Mitte März (v.l.): Lorena Zapke, Claudia Witkowski und Antonia Katzwedel. (Foto: t&w)

Ein Fest für die Ohren

Lüneburg. Der Himmel ist Wolken verhangen, es gewittert – das perfekte Wetter für einen Kinobesuch. Antonia, Claudia und ich sind große Sneak- Preview-Fans. „Ich hab mich so gefreut, besonders auf den Film! Queen im Kino zu sehen ist bestimmt besser als auf DVD.“, Claudia spricht von dem Film Bohemian Rhapsody. Wir betreten die Eingangshalle. Viel ist nicht los, aber es ist ein gutes Gefühl wieder hier zu sein, wenn auch mit Mundschutz. Die Karten an der Kasse sind schnell geholt. Ich frage den freundlichen Mann hinter der Plexiglasscheibe, wie es so ist, unter diesen neuen Bedingungen zu arbeiten. „Ach, für mich an der Kasse ändert sich eigentlich nicht viel. 1,5 Meter Abstand beim Anstehen, die Scheibe hier natürlich und die Leute kaufen ihre Tickets jetzt mehr online.“, erklärt uns Rüdiger Scholz.

Wir folgen dem guten Geruch nach frischem Popcorn an die Snackbar. Ein Maximenü muss es für uns drei natürlich sein – ein riesen Eimer Popcorn und ein 1,5 Liter Becher kalte Cola.
Dann treffen wir den Personalleiter Karsten Schlumbohm: „Wir sind mit diesem ersten Donnerstag sehr zufrieden. Auch der Nachmittagseinlass lief gut, es waren viele Kinder da, die alle mit dem Mundschutz gut zurecht kamen.“ Im ganzen Kino herrscht natürlich Maskenpflicht, aber auf dem Sitzplatz darf man sie beim Essen und Trinken abnehmen. Außerdem bleibt jede zweite Reihe und immer zwei Sitzplätze zwischen den Personengruppen frei. „Wenn Blockbuster oder neue Marvelfilme rauskommen, werden wir auch zwei Säle gleichzeitig oder mehr Spielzeiten pro Tag einräumen. Wir hoffen natürlich auf weitere Lockerungen vom Ministerium. Bis dahin werden große Veranstaltungen wie die Sneak Preview leider nicht stattfinden können, da wir befürchten, dass unter den Bedingungen bei so einem Happening nicht das richtige Feeling aufkommt.“ Also keine Sneak und kein Eisverkauf im Saal, aber dafür wurde ein neues Raum-Klang-Konzept mit insgesamt 50 Boxen in Kino eins und acht installiert. Herr Schlumbohm erklärt, dass während des Films jede Box einzeln angesteuert wird: „So entsteht ein räumlicher Sound und beispielsweise Regen klingt dann wirklich plastisch. “

Darauf sind wir jetzt sehr gespannt. Wir gehen in Kinosaal acht und nehmen unsere Plätze ein. Die Werbung dauert heute keine zehn Minuten, dann ertönt auch schon Queen mit Somebody to Love. Die Musik kreist 360 Grad um uns herum und wir sehen wie Freddie Mercury, damals noch Farrokh Bulsara, am Flughafen arbeitet. Kurz darauf ist er ein Teil von Queen, es entsteht ein Song nach dem anderen: ‚Another One Bites The Dust‘, ‚Killer Queen‘ – sie sind extravagant, experimentell und einfach genial. Wir stehen im Studio mit Queen, Galileo Figaros werden immer wieder aufgenommen und schwirren um uns herum. Aber das ist gar nichts im Vergleich zu den Konzerten. Man hört die schreienden Massen, als sei man unter ihnen, gleichzeitig steht man klanglich aber auch direkt neben der Band. Freddie Mercury, gespielt von Rami Malek, gibt auf der Bühne alles, um uns mal wieder zu zeigen wofür er geboren wurde. Ganz klar, Queen darf man nicht nur hören, man muss sie auch sehen. Dann spielen sie ‚We will rock you‘: Tausende von Menschen stampfen und klatschen – als stünden sie neben uns. Ich habe eine Gänsehaut. Wir erleben Mercurys dramatisches Leben und begleiten ihn auf sein letztes großes Konzert – Live AID. Freddie sitzt am Klavier und singt Bohemian Rhapsody: „Mama, life had just begun! (…) It‘s too late, my time has come“, dramatische Zeilen, denn wir wissen bereits: Freddie hat AIDS. Es kommt zum akustischen Höhepunkt: E-Gitarre, Schlagzeug, Jubel – wir sind mitten drin, und es hält uns nur knapp auf unseren Sitzen. Mercury spielt mit dem Kameramann, Claudia kichert neben mir. Antonia hält ein imaginäres Feuerzeug hoch. Queen – sie sind eine Legende.

Antonia ist ganz aufgeregt: „Das Konzert war ja wohl der Hammer! Besonders genial war die Stelle in der das Publikum ‚We are the Champions‘ mitgesungen hat.“ „Ich wollte auch immer mitsingen“, gesteht Claudia, „und obwohl ich den Film schon mehrfach gesehen habe, musste ich immer wieder lachen.“ Nicht nur Antonia, Claudia und ich sind so begeistert, den anderen Zuschauern geht es ähnlich. „Beim ersten Tag wieder im Kino wusste ich nicht, was mich erwartet, aber es hat mir sehr gut gefallen. Wenn man auf seinem Platz sitzt, ist eigentlich auch alles wie immer.“, sagt Till Leverenz. „Es ist schon ungewohnt mit der Maske, aber für den Film hat es sich definitiv gelohnt“, findet auch Viviane Witschi. Ungewohnt ist auch die Leere auf den Fluren. Sonst stehen überall noch ein paar Leute und unterhalten sich über den Film. Aber es war eben auch der erste Abend seit Langem.

Von Lorena Zapke