Margit Weihe und ihr Team heißen die Wanderer Laura Kuhlen und Meik Gudermann herzlich willkommen. (Foto: t&w)

Aktion „KulturKilometer“ gegen die Krise

Lüneburg. 57 Wander-Kilometer liegen hinter ihnen und das an einem der bis dato heißesten Juni-Tag des Jahres: Laura Kuhlen und Meik Gudermann erreichen ihr Ziel, das theater im e.novum, zu dem sie am Morgen am Mehr!-Theater in Hamburg gestartet waren. Beides Stationen ihrer Aktion „KulturKilometer“, mit der sie die Sorgen und Nöte der Privattheater durch die Cornona-Pandemie in den Fokus der Öffentlichkeit rücken wollen.

Die Freude in Lüneburg ist riesig und der Empfang herzlich: Theaterchefin Margit Weihe und ein Teil ihres Teams winken den beiden ein „Herzlich willkommen“ zu. Am 2. Juni ist das Duo in Köln gestartet, Ziel der 750 Kilometer langen Route ist Berlin, wo sie nächsten Dienstag eintreffen wollen. „Jeden Tag eine andere Spielstätte, die Etappen sind im Schnitt 37 Kilometer lang.

Warum die beiden, die selbst in der Kulturbranche tätig sind, zu Fuß unterwegs sind – ganz einfach. Sie ahnen, dass aufgrund des Shutdowns der Live-Entertainment-Szene noch ein langer und harter Weg bevorsteht. „Diesen langen und harten Weg laufen wir“, sagte Laura zu ihrem Kollegen Meik, als sie beide in Kurzarbeit waren, wie auch all ihre Kollegen von Mehr-BB Entertainment mit Sitz in Düsseldorf. Die Unternehmensgruppe betreibt Spielstätten wie das Mehr!Theater in Hamburg, produziert und präsentiert Theaterproduktionen von Starlight Express bis Harry Potter, das seine Premiere wegen Corona verschieben musste. „Erst als wir alle Details der Tour zusammengestellt hatten, fragten wir unseren Chef, ob wir dafür freigestellt werden könnten“, berichtet der 31-Jährige. Der war so begeistert, dass er dem Duo sogar ein Orga-Team zur Seite stellt, das im Notfall zur hilft.

Übernachten in den Theatern

„Heute hatten wir einen Joker“, verrät Laura, „wir konnten 20 Kilometer per Rad abarbeiten, so dass es nur noch 37 per pedes waren.“ Ein idyllischer Deutschland-Urlaub ist das Unterfangen allerdings nicht, denn um die 22 Stationen zu schaffen, folgen sie größtenteils Landstraßen, und das ist nicht immer angenehm. Aber via Instagram und Facebook erhalten sie viel Zuspruch und oft ein „Haltet durch“. Auf ihrer Strecke liegen „Theater, die uns viel bedeuten, die wir selbst interessant finden. Uns ging es um eine breitgefächerte Vielfalt im Rahmen von privaten Theatern“, erklärt Meik. „Mein Lieblingstheater war das Starlight Esxpress in Bochum“, gesteht Meik, der schon als Radiomoderator gearbeitet hat und nun als Social-Media-Manager bei Mehr-BB Entertainment zuständig ist. „Oh, das ist aber schade“, wirft Margit Weihe ein, „dann haben wir wohl keine Chance mehr, zum Lieblingstheater zu werden.“ „Mal sehen, wir sind ja gerade erst angekommen“, beschwichtigt Kollegin Laura. Zum Besuch der Spielstätten gehört auch, dass sie in den Theatern übernachten. Manchmal gruselig, manchmal aufregend, so schlief Laura in einem Garderobenraum der Harry-Potter-Produktion.

In Lüneburg erfahren die Kulturkämpfer, wie schwierig es für ein kleines Haus wie das theater im e.novum ist, die Abstandsregeln einzuhalten. „Ich dürfte nur 30 statt 120 Personen hineinlassen“, sagt Weihe. Als Alternative seien Kurze Vorstellungen, die mehrmals wiederholt werden, geplant. Alles Dinge, die die beiden oft zu hören bekommen. Noch sechs mal übernachten, dann geht‘s zurück ins Rheinland, allerdings per Zug.

Von Dietlinde Terjung