Dienstag , 22. September 2020
Alyssa Wolter erforscht jede Möglichkeit, Kunstschaffenden über die Corona-Zeit zu helfen. Foto: t&w

Sie ist das Sorgentelefon

Lüneburg. Was sie denn eigentlich macht? „Ich habe keine typische Tätigkeit, es ist jeden Tag etwas anderes. Die Vielfalt macht den Reiz aus“, sagt Alyssa Wolter. Aber eingrenzen lässt es sich denn doch: Wolter besetzt bei der Stadt Lüneburg eine Stelle für Veranstaltungen, Kulturberatung und -service. Beratung ist in der Pandemie-Zeit von besonderer Bedeutung, Alyssa Wolter ist das Sorgentelefon der Kulturszene.

Seit Corona hat sich ihre Arbeit entsprechend verlagert. Ist Alyssa Wolter sonst so etwa mit der Hälfte ihrer Zeit damit beschäftigt, Veranstaltungen zu organisieren, so studiert sie zurzeit aktuelle Richtlinien, filtert daraus Handlungsoptionen, durchkämmt alle Möglichkeiten, wer wie wo wann freien Künstlern hilft. Bei ihr melden sich frei arbeitende Theatermacher, Bildende Künstler, Musiker aller Klangfarben und sogar DJs. Die Anrufe kommen aus Stadt und Landkreis. In dem Punkt gibt es keine Trennungen.

Was zog sie her?

Die in Bleckede aufgewachsene Ex-Marienau-Schülerin bringt für ihre Arbeit einiges mit. Auszüge ihrer Biographie: Kulturwissenschaften in Lüneburg einschließlich Leitung des lunatic-Festivals, Arbeit im Tourismus, ein Master in Sport, Kultur und Eventmanagement in Kufstein. Seit vergangenem Herbst lebt und arbeitet sie wieder in ihrer Heimat. Was zog sie her, raus aus Österreich, fern von Marokko, wo sie Surfen lehrte? Da macht sie eine Pause, und dann sagt sie nur ein Wort: „Norddeutschland“.

Eigentlich ist Kultur ein Umfeld, in dem das Arbeiten viel mit Freude, Konzerten, Theater, Kunst und mehr zu tun hat. Seit März aber klingelte das Telefon aus anderen Gründen. Alyssa Wolter bekam „Angst, Überforderung, Ungewissheit“ zu spüren. Es gehe ihr wie auch Kulturreferentin Katrin Schmäl zunächst darum, zu vermitteln, „dass die Sorgen ankommen. Dabei ist unser Ziel, dass keine Kulturschaffende, kein Kulturschaffender allein bleibt.“ Das ist so leicht nicht. Alyssa Wolter vermittelt, zeigt Wege und erklärt auch schon mal, wie eine Datei aus dem Internet runterzuladen ist.

Blick der Kulturszene nach vorn gerichtet

Der „verrückteste Anruf“ war der einer Frau, die in einem wohl gar nicht wunderbaren Waschsalon stand, mit einer auslaufenden Waschmaschine zu kämpfen hatte und keinen Ansprechpartner wusste. Sie rief im Kulturreferat der Stadt an. Tja, Alyssa Wolters Arbeit ist eben jeden Tag anders.

Das Telefon klingelt mittlerweile etwas seltener. Die Anfragen, die jetzt vermehrt kommen, drehen sich um Fragen wie: Wann darf ich etwas öffnen, was ist erlaubt? Die Richtlinien ändern sich fast täglich. Der Blick der Kulturszene richtet sich aber wieder nach vorn.

Veranstaltungen sind seit Mitte März flachgefallen. Aktuell aber kümmert sich Alyssa Wolter zum Beispiel um Hygieneregeln, Sitzmöglichkeiten, Wegeführung etc. Denn Stadt und Theater prüfen, ob es im August im Kurpark ein Angebot für Kinder und Jugendliche geben kann. Da ist dann endlich wieder die Eventmanagerin Alyssa Wolter gefragt.

Von Hans-Martin Koch