Mittwoch , 28. Oktober 2020
Der Sänger und Gitarrist Gerhard „Gary“ Kleist eröffnete mit dem Pianisten Leonard Eschner die Live-Konzert-Saison. (Foto: t&w)

Endlich wieder Live-Musik

Reinstorf/Echem. Sie haben ein Klavier ins Freie geschoben, Platz für einen Gitarristen ist auch da. Das Team um Jens Thomsen hat ein Segel aufgespannt, so sitzen die Musiker trocken. Tische stehen im Reinstorfer One-World-Biergarten locker auf Abstand, das Publikum allerdings kommt an diesem Freitagabend in eher sparsamer Zahl. Trotzdem: endlich wieder Live-Musik! Zu erleben waren beim ersten Konzert seit Monaten ein junges Talent und ein alter Hase.

Ans Klavier setzt sich der Barendorfer Leonard Eschner. Seinen Namen wird man in der Musikszene garantiert öfter hören. Er ist 18 Jahre jung, spielt Blues, Boogie-Woogie, Jazzstandards, unaufgeregt, locker, mit passendem Feeling. Das macht Spaß. 71 Jahre zählt Gerhard „Gary“ Kleist. Er hat vier Gitarren um sich drapiert, die beherrscht er wunderbar. Kleist präsentiert solo seine Lebensbegleitungsmusik – von den Beatles bis Jackson Browne, von Neil Young bis Eric Clapton. Oft sind es Stücke, die eher selten zu hören sind. Das macht auch Spaß. Erweitern – und stärken – könnte er sein Konzept, würde er mit einer Sängerin oder einem Sänger auftreten. Das Konzert wird zur Session, mal kommt Eschner hinzu, mal packt ein Gast seine Mundharmonikas aus, mal singt eine Frau aus dem Publikum.

Ein Stück kultureller Normalität kehrt zurück

Seit seiner Gründung bietet kein Ort so viel Live-Musik wie das One World. Der Kalender füllt sich nun wieder, ein Stück kultureller Normalität kehrt zurück. Am Sonnabend waren Cellistin Hanna Rexheuser und Pianist Mathias Bozó angekündigt, am Sonntag Barbara Strings & Voices sowie Amed, der als überhaupt erster im One World auftrat. Weiter geht es am Sonntag, 21. Juni, um 15 Uhr mit einem Mittsommerkonzert des – nicht nur in Reinstorf – beliebten Duos Fjarill.

Um endlich wieder Live-Musik anbieten zu können, hat sich auch Elke Koops etwas Charmantes ausgedacht. Die Kulturbeauftragte der Samtgemeinde Scharnebeck rief die Echemer Kirchgarten-Klänge ins Leben. Echem fiel bisher eher mit Landwirtschaft und Störchen auf als mit Kultur. Aber es passt: Eine große Blutbuche spendet in dem Dorfmitte-Idyll Schatten, Sitzgelegenheit lassen sich weiträumig stellen, der Bühnenbereich ist leicht erhöht.

Gewitterwahrscheinlichkeit bei 80 Prozent

Bis zum 1. August wird immer sonnabends um 18 Uhr Musik gemacht, open air, für begrenztes Publikum. Wer zuerst kommt, findet Platz. Erster Gast ist Ken Norris, längst ein guter Bekannter in der Region und vor allem ein ausgezeichneter Jazz-, Soul- und Gospelsänger. Begleitet wurde Norris vom Gitarristen Ulf Meyer, auch er ist in der norddeutschen Jazzszene eine Größe. Sie hatten ein fein arrangiertes Programm vorbereitet: „Blackbird“ von den Beatles, „Fragile“ von Sting und mehr.

Das Interesse ist groß. Aber: Zur Konzertbeginnzeit liegt die Gewitterwahrscheinlichkeit bei 80 Prozent, der Auftritt wird in die Kirche verlegt. 35 Menschen dürfen nur hinein. 30 Minuten vor Beginn muss Elke Koops schon vor der Kirche Trostworte sprechen. Kurzerhand wird ein zweiter Auftritt angesetzt. Die Kirchgarten-Klänge sind auf 30 Minuten Musik angesetzt, da ist eine zweite Runde gut zu machen.

Im Echemer Kirchgarten folgen als nächstes am 20. Juni um 18 Uhr Alexander Eissele (Klarinette) und Mari Sakai (Violine) von den Lüneburger Symphonikern. Am 27. um 18 Uhr singt Philip Richert vom Theater Lüneburg, am Keyboard begleitet von Daniel Stickan. Endlich wieder Livemusik!

Von Hans-Martin Koch

Barnstedt ist überall

Alles war vorbereitet für die siebte Musikmeile Barnstedt. Wie in den Vorjahren baute das Team auf Tausende Besucher, die von Bühne zu Bühne schlendern und vor allem Geld spenden, mit dem Integrations-Projekte für Geflüchtete befördert werden. Doch die zur Großveranstaltung gewachsene Musikmeile ist in der Corona-Zeit zu riskant, entschieden die Meile-Macher. Nur: Leid und Not der Geflüchteten finden in diesen Wochen wenig Aufmerksamkeit. Darum hat das Team eine attraktive Alternative gefunden. Es regt an, am 5. September viele kleine Benefiz-“Satelliten-Konzerte“ in privater Initiative durchzuführen, in Kreis, Stadt und andernorts, in Gärten und Kirchen, auf Höfen und Plätzen ­– wo immer es passt. Die üblichen Schutzmaßnahmen müssen natürlich beachtet werden. Das Team der Meile berät Interessierte, vermittelt auf Wunsch Künstler, bewirbt die „Satelliten“-Meile. Als erstes geht es nun darum, möglichst viele Menschen zu finden, die Lust haben, einen Ort für ein Konzert bereitzustellen. Wer daran teilnehmen möchte, sollte bis Dienstag, 30. Juni, eine Mail mit Betreff „Satelliten-Meile“ schicken an thomsen@marketing-jt.de. oc