Dienstag , 22. September 2020
Verwaltungsdirektor Volker Degen-Feldmann kündigt für 2021 seinen Abschied vom Theater an. Foto: t&w

Umbruch an der Theaterspitze

Lüneburg. Einer bleibt, einer geht. Noch sind Hajo Fouquet und Volker Degen-Feldmann ein gut eingespieltes Duo an der Spitze des Lüneburger Theaters. Doch während Intendant Fouquet seinen Vertrag verlängert hat, verlässt Degen-Feldmann das Haus. Der Verwaltungsdirektor geht in einem Jahr in den vorzeitigen Ruhestand – schon lange geplant, intern bekannt und aus rein privaten Gründen. Die Nachfolgesuche ist angelaufen.

„Es hat mit meiner Lebensplanung zu tun, nichts mit der aktuellen Situation“, versichert Degen-Feldmann. Er wechselte 2010 vom Posten des EDV-Leiters der Stadt ans Theater, als Nachfolger von Wolfgang Dannenfeld. 2010 kam auch Hajo Fouquet, er löste den langjährigen Intendanten Jan Aust ab. 2012 wurde die neue Doppelspitze zu Geschäftsführern bestellt.

„Strukturelles Defizit“

Auch wenn es ein abgegriffenes Bild ist: Degen-Feldmann und Fouquet gelang es, das Theater in ständig unruhigem Wasser auf Kurs zu halten. Wie schwer das ist und weiter sein wird, zeigen seit Jahren die Zahlen, denen zufolge das Theater auf eine immer näherrückende finanzielle Lücke zusteuert. Dieses sechsstellige „strukturelle Defizit“ kann vom Theater mittelfristig nicht mehr überbrückt werden. Eine politische Grundsatzdiskussion zur Theaterfinanzierung wird sich auf Dauer nicht verhindern lassen.

Den aktuellen Wirtschaftsplan genehmigte jetzt der Aufsichtsrat der Theater GmbH. Am Dienstag, 9. Juni, berichtet Degen-Feldmann dem Kreis-Kulturausschuss, am 24. Juni diskutiert der Wirtschaftsausschuss der Stadt die Zahlen, am 3. Juli die Gesellschafterversammlung.

Abschluss von Tarifverträgen

Wie umfangreich die Aufgaben auch für den Nachfolger sind, macht die bereits erfolgte Stellenausschreibung deutlich: „Zu Ihren Aufgaben gehören insbesondere die betriebswirtschaftliche Planung und strategische Steuerung des Unternehmens mit einem Budgetvolumen von circa 11 Millionen Euro, die Personalplanung und -führung, die Leitung der Theaterverwaltung und weiterer Verwaltungseinheiten und der Abschluss von Tarifverträgen. Sie sind auch verantwortlich für alle Bau- und Liegenschaftsangelegenheiten des theatereigenen Gebäudekomplexes und gestalten zusammen mit dem Intendanten die Abstimmung und Verhandlungsführung mit den politischen Gremien.“

Die oder der Neue soll am 1. Juni 2021 antreten. Zwei Monate lang wird Degen-Feldmann zum Einarbeiten dabei sein. Wie es aber in einem Jahr generell um die Theatersituation bestellt ist, das kann niemand sagen, solange Corona Regie führt.

Von Hans-Martin Koch