Samstag , 8. August 2020
Die Honey Ryders (v.l.): Peter Schröter, Peso Paetzelt, Rolf Boscheinen und Timo Dunke. Foto: Andrea Küppers

The Beat goes on

Lüneburg/Hamburg. Honey Rider stieg einst im weißen Bikini spektakulär aus der Gischt des Meeres. Ein blonder Männer-/Chauvitraum, das Bond-Girl aller Bond-Girl s. Ursula Andress spielte die Frau in „James Bond jagt Dr. No“, das war 1962. Die Honey Ryders, die sich nach der Bond-Ikone benennen, spielen eine Musik, die irgendwo anno 1962 zur Welt kam: Beat und seine Folgen. Jetzt haben die vier Musiker – zwei Lüneburger, zwei Hamburger – ihr erstes Album auf den Markt gebracht.

Zehn Jahre verbrachten Peter Schröter und Timo Dumke in einer Countryband. Schröter lebt in Deutsch Evern, im realen Leben arbeitet er als Sozialversicherungsangestellter bei der AOK. Klingt nicht nach Rock ‚n‘ Roll, aber der 54-Jährige bringt eine lange Muckerkarriere als Gitarrist ein. Er war zwölf, als er in den späten 70ern bei Michael Solisch lernte.

Mit Dumke als Sänger spielte Schröter schon in den 90ern in der Lüneburger Band mit dem längsten Namen: Box Jellyfish Are Deadly In Northern Waters. Timo Dumke ging wie Schröter zur Raabe-Schule, studierte KuWi, wechselte ins Technische und ist heute Meister der Veranstaltungstechnik in der Elbphilharmonie.

In einem Keller in St. Pauli entstanden 15 neue Songs

Zusammen haben Schröter/Dunke nun fern von Country 15 Songs geschrieben. Entstanden sind die Stücke, so will es die Band-Legende, in einem Keller in St. Pauli. Also mehr oder weniger da, wo in den frühen Sechzigern die Beatles mit „Mach Schau“-Rufen angefeuert wurden.

Wohin die Reise der Honey Ryders geht, das bringt der neue „Rolling Stone“ auf den Punkt: „Willkommen bei der Sightseeing-Tour durch die britische Musiklandschaft der 60er- bis 80er-Jahre.“ Beatles, Kinks, The Jam, Oasis – lauter Bezugsgrößen für die Honey Ryders. „Lose That Girl“ zum Beispiel startet mit einem Kinks-Zitat – „das war gar keine Absicht, kam einfach so raus“, sagt Schröter. In der Laeiszhalle drehten die Honey Ryders ein Video zu „Ballroom Shaker“, bei dem Stück blitzt gar Glamrock der Marke Sweet auf.

Zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug, britisch timbrierte Stimme – alles pur und klassisch, aber mit Lässigkeit, Tempo, einem bisschen Postpunk-Feeling und Frischekick. Fern vom „klebrigen Zugriff der Nostalgie“, findet der Rolling Stone das Album. Dem ist nichts hinzuzufügen – The Beat goes on. Das Album „Have You Heard The News“ findet sich auf den üblichen digitalen Kanälen und erscheint passender Weise auch auf Vinyl.

Heute, Donnerstag, gibt es um 20.15 Uhr einen Honey-Ryders-Livestream der Hamburger Quaratunes-Reihe aus den Räumlichkeiten der pmgroup. Die Reihe bietet Live-Musik Hamburger Musiker, verbunden mit der Möglichkeit bzw. Aufforderung, an den RockCity-Verein Geld zu spenden, das an Musiker geht, die in Corona-Zeiten keine Verdienstmöglichkeiten haben.

Bleibt für die Honey Ryders nur eins zu tun: Fünf Euro (mindestens) in die Chauvi-Kasse. Warum? Siehe oben.

Von Hans-Martin Koch