Dienstag , 29. September 2020
Lüneburger Bachwoche 2018, im Solisteneinsatz sind Leonie Hartmann (links), Ulrike Beißenhirtz und Manfred Seer. Foto: t&w

Festival in familiärem Geist

Lüneburg. Das Hören und Sehen, die wichtigsten Wahrnehmungen, sehnen sich nach September. Jedenfalls, wenn es darum geht, Theater, Konzert, Lesung, Kabarett und mehr zu erleben, eben alles, was virtuell und ohne Publikum fad bleibt. Sollte es gut gehen mit Corona, wird der September schön und schwer. Schön, weil es endlich wieder losgeht. Schwer, weil sich schon jetzt aus dem Frühjahr verlegte Veranstaltungen in den Monat drängeln. Dagegen muss auch die Lüneburger Bachwoche halten, die seit langem die Tage vom 25. September bis 1. Oktober gebucht hat.

Sieben Programmpunkte kündigt Leonie Hartmann an. Sie spielt die erste Geige im Bach­orchester, seit zehn Jahren auch bei der Bachwoche. Leonie Hartmann steht für Kontinuität. Übernommen hat sie das Festival von ihrem Vater, dem Geiger Claus Hartmann, der 1978 Bachorchester und -woche ins Leben rief. Das Familientrio, das hinter der Bachwoche steht, wird durch die Pianistin und Cembalistin Dorothea Hartmann komplettiert. Sie hat sich wie ihr Mann Claus mittlerweile aus der ersten Reihe zurückgezogen.

Ein regionales Festival

Leonie Hartmann, alltags im Staatstheater Mainz beschäftigt, setzt das Konzept ihrer Eltern bei der 32. Bachwoche nahtlos fort. Es hat sich bewährt, die Bachwoche kann auf treues Publikum bauen. Bewährt, das heißt auch: Orchesterabend am Anfang und am Ende, Solo-Abende im Laufe der Woche. Ein Drittes lässt sich unter dem Begriff „bewährt“ fassen: Viele der Solisten waren schon ein- oder zweimal Gast des alle zwei Jahre stattfindenden Festivals. Geiger Tobias Feldmann gehört dazu, Flötist Manfred Seer und Pianistin Miku Nishimoto-Neubert.

Es herrscht da um Hartmanns Bachwoche so eine Art familiärer Geist, zu dem gehört, deutlich geringere Gagen als andernorts einzufordern. Das Familiäre spiegelt sich auch im Bachorchester, ein von Profis durchsetztes Laienensemble. Musiker wie Oliver Göske, Cellist im Bayerischen Staatsorchester, kommen für die Bachwoche gern zurück in den Norden.

Die Lüneburger Bachwoche ist ein regionales Festival. Es geht Hartmanns nicht darum, mit neuen Interpretationen, Ausgrabungen, nie Gehörtem anderen Festivals Konkurrenz und Schlagzeilen zu machen. Es geht darum, qualitativ hochwertig Musik zu präsentieren, ihre Schönheit und Tiefe. Nicht mehr und nicht weniger. Was passiert in diesem Jahr? Am 250-jährigen Beethoven geht auch die Bachwoche nicht vorbei. Sie schlägt zum Auftakt am Freitag, 25. September, um 20 Uhr im Fürstensaal den Bogen von Johann Sebastian Bach über dessen Sohn Johann Christian zu dessen Freund Wolfgang Amadeus Mozart und dann weiter zu Beethoven. Dessen frühes zweites Klavierkonzert spielt Miku Nishimoto-Neubert; Leonie Hartmann leitet das Bachorchester.

Von Hans-Martin Koch

Auf einen Blick

Das weitere Programm in Stichworten:

26. September, 15 Uhr, Musikschule:
Bundespreisträger „Jugend musiziert“.
27. September, 18 Uhr, Musikschule:
Metamorphosen-Ensemble verzaubert mit Tanz und Musik.
28. September, 20 Uhr, Kloster Lüne:
Tobias Feldmann (Violine).
29. September, 18 Uhr, Fürstensaal:
Aurel Dawidiuk (Klavier).
30. Sept., 20 Uhr, St. Johannis:
Lars Schwarze (Orgel).
1. Okt., 20 Uhr, Kloster Lüne:
Alexandra Samouilidou (Sopran), Manfred Seer (Flöte), Thomas Rohde (Oboe), Leonie Hartmann (Violine), Bachorchester.