Montag , 28. September 2020
Singen in der Gemeinschaft ist schön, zurzeit aber verboten. Die Kantorei von St. Michaelis wollte eigentlich am Sonntag den „Elias“ singen. Das ist zunächst auf den 23. August verschoben. Foto: t&w

Der Norden singt zu Hause

Lüneburg. Für Chöre sind es bittere Zeiten. Sie haben noch keine Perspektive, in keinem Bereich der Musik ist die Ansteckungsgefahr so groß. Bei der Berliner Domkantorei zum Beispiel, auch in Stade kam es nach gemeinsamen Proben zu Infektionen. Doch auch ohne solche Dramen: Die Chöre sind bundesweit verstummt, natürlich auch in Lüneburg.

Also aktuell kein „Elias“ am 17. Mai in Lüneburgs Michaeliskirche. „Wir haben die Aufführung des Oratoriums auf den 23. August verschoben. Ob dieser Termin gehalten werden kann, erscheint allerdings auch fraglich“, sagt Michaelis-Kantor Henning Voss. Die Abstandsregeln machen Proben zurzeit nicht sinnvoll. Nebenan in St. Johannis ist das nächste große Chorkonzert für den 4. Oktober angesetzt. Das Juni-Konzert der Städtischen Cantorei ist ins nächste Jahr verlegt. L‘Ohreley strich Konzerte, LoChormotion versucht es mit Online-Proben, der BachChor reist nicht zum Leipziger Bachfest, der Gospelchor Lüneburg streicht seine Juni-Tour. Der französische Chor Méli-Mélo singt am 22. Mai nicht in Reppenstedt. Und so weiter…

Chorsingen virtuell

Völlig offen ist auch, ob der Lüneburger Chorseptember des Kreis-Chorverbands stattfinden kann – mit einem sakralen Konzert in der Adendorfer Emmauskirche, einem Rock-Pop-Abend und mit einem offenen Singen in der Stadt. Selbst wenn Mitte September Chorkonzerte möglich wären, es müsste ja schon jetzt für die Programme geprobt werden.

Chorsingen virtuell: Das versucht Lüneburgs größter Chor, bei dem Drauflos-Singen ohne jede Vorkenntnis möglich ist. In normalen Zeiten treffen sich einmal monatlich um die 900 Lüneburgerinnen und einige Lüneburger, um bei „Lüneburg singt“ zur Begleitung einer Band Songs aus Rock und Pop zu singen. Das passiert seit Jahren in zehn norddeutschen Städten von Flensburg bis Lüneburg.

Jetzt versucht es auch „Der Norden singt“ mit einem Online-Format – jeden Dienstag von 20 bis 21 Uhr auf einem eigenen YouTube-Kanal. Durchschnittlich 5000 Haushalte klickten sich bei der „Der Norden singt zu Hause“ bisher ein. Das Mitmachen ist kostenlos. Spenden werden erbeten. Denn wie für alle freiberuflichen Musiker gilt auch für das Team um Chorleiter Nils Schröder: Sie sind zurzeit auf Unterstützung angewiesen. Alle Infos unter www.der-norden-singt.de. oc